Der Vorschlag, des Obmannes der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, jedem Arzt einen Kassenvertrag anzubieten hat, führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Unterstützung bekommt der Vorschlag von der Arbeiterkammer. Die Ärztekammer, mit der die Gesundheitskasse laut ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer laufend Gespräche führe, reagierte skeptisch, ob der Finanzierung der Reform.

"Jeder Arzt, der will, kriegt einen Kassenvertrag. Alle anderen sind automatisch Privatärzte", hatte Huss vorige Woche zur Forderung der Ärztekammer nach mehr Kassenstellen erklärt. "Wenn jemand kein Kassenarzt sein möchte, ist er Privatarzt mit all seinen Vor- und Nachteilen."

Ärztekammer wundert
sich über "Füllhorn"

In der Ärztekammer kann man diesen Vorschlag nicht ganz nachvollziehen und fragt sich, wie das mit der Realität zusammenpasse, in der die Ärztekammer um jede neue Stelle kämpfen müsse. "Uns gegenüber gibt es ständig Hinweise auf die angespannte finanzielle Situation der Sozialversicherungsträger. Termine für Gespräche über den Stellenplan werden laufend verschoben. ÖGK-Obmann Huss scheint nun plötzlich ein bislang unbekanntes Füllhorn entdeckt zu haben", sagte Edgar Wutscher, der Obmann der Allgemeinmediziner in der Standesvertretung, in einer Aussendung. Für Wutscher steht fest, dass das Wahlarztsystem "wunderbar" funktioniere und an der Freiheit des Arztberufes nicht gerüttelt werden dürfe.

Ähnliches Konzept wie in Deutschland

Wutscher fragt sich außerdem, ob die Arbeitgeberseite in der ÖGK den Vorschlag mitträgt, und fordert deshalb eine Bestätigung des ÖGK-Generaldirektors. Diese lieferte Wurzer am Dienstagabend in der "ZiB2". Der ÖGK-Generaldirektor sprach von einem "spannenden Vorschlag", und betonte, dass ein ähnliches Konzept in Deutschland funktioniere.

Er verwies darauf, dass derzeit über einen österreichweiten Gesamtvertrag, für den die Ärztekammer bereits einen Entwurf vorgelegt hat, verhandelt werde. "Wir sind in Gesprächen mit der Ärztekammer", sagte Wurzer, der sich "zuversichtlich" zeigte, einen gemeinsamen Weg zu finden.

Der ÖGK-Generaldirektor unterstrich, dass man den Vertragsarzt "attraktiver" machen wolle, und erinnerte an seinen Vorschlag, niedergelassenen Ärzten die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Unterstützung bekam Huss für seinen Vorschlag am Mittwoch auch von der Arbeiterkammer. Damit wäre für viele Patienten die Inanspruchnahme von Wahlärzten nicht mehr notwendig, meinte der Leiter der AK-Abteilung für die Sozialversicherungen, Wolfgang Panhölzl, in einer Aussendung.

Für ihn sind Investitionen in das Gesundheitssystem "dringend notwendig", um die gute Versorgung zu gewährleisten. Panhölzl verwies darauf, dass es in manchen Bereichen einen Mangel an Kassenärzten gebe.