Mit positiven Effekten auf das Klima lässt sich Straßenbau nicht argumentieren. Also müssen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze als politische Argumente herhalten. "Durch jede Milliarde, die in den Ausbau und den Erhalt der Infrastruktur investiert wird, werden 15.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert", sagte etwa SPÖ-Verkehrssprecher Alois Stöger anlässlich der Evaluierung der Asfinag-Bauprojekte, die Umweltministerin Leonore Gewessler auf Bodenversiegelung und Klimawirkung bis Herbst durchführen lässt.

"Straßenbauprojekte sichern Wertschöpfung, Zukunft, Arbeitsplätze und Chancengleichheit. Ich will nicht in einem Land leben, wo die Landschaft nur mehr Museum ist, sondern es in Dörfer Leben gibt", bekräftigte die frühere Umwelt- und nunmehrige Tourismus- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger nach des Kanzlers Bekenntnis zum Straßenbau, konkret der S18 in Vorarlberg, anstelle eines Wegs "zurück in die Steinzeit". Braucht es also Straßenbau, um Wohlstand und Beschäftigung zu sichern und auszubauen?

Straßenbau bringt Arbeitsplätze - die Schiene aber mehr

Eine kleinräumige Analyse des Ausbaus des hochrangigen Straßennetzes zwischen 2002 und 2007 der Wifo-Ökonomen Philipp Piribauer und Peter Huber aus 2017 zeigt, dass damit 21.883 bis 24.314 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden. Der Grund: "Eine Verbesserung der Infrastruktur bewirkt eine stärkere Vernetzung im ökonomischen Raum und erhöht den Aktionsradius von Personen und Unternehmen." Eine Erhöhung der Asfinag-Investitionen um 100 Millionen Euro löst mittelfristig eine Reaktion des Bruttoinlandsproduktes um etwa plus 130 Millionen Euro aus, ist darüber hinaus in einer Wifo-Studie von 2009 zu lesen.

Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz spricht von 7000 bis 10.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen pro Milliarde Euro, die während des Baus von Straßen gesichert sind. Eine gemeinsame Arbeit von Schneider mit Kollegen des JKU-Energieinstituts zeigt aber, dass es in anderen Bereichen mehr sind: Investitionen von 4,3 Milliarden pro Jahr in Erneuerbare Energien wie Wasser- und Windkraft, Biogas und Co erhöhen das BIP jährlich um 8,9 Milliarden Euro und sichern 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Jahr.

Auch in welche Verkehrsinfrastruktur investiert wird, macht einen Unterschied. Eine umfangreiche Analyse verschiedener Studien, die dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vorliegt, zeigt, dass eine Milliarde Euro in Autobahnen investiert, 10.700 Personen ein Jahr Vollzeitbeschäftigung bringt, eine Milliarde in Radwege, Fußgängerzonen oder Verkehrsberuhigungsprojekte aber 16.600, eine in Schieneninfrastruktur sogar 17.000.

Die Gründe dafür sind einerseits, dass mehr Arbeit von Menschen als Maschinen notwendig ist, außerdem aber, dass mehr Menschen rund um den Bau in der Zulieferung beschäftigt sind. "In die Schiene zu investieren bringt also viele Arbeitsplätze und zusätzlich klimafreundliche Mobilität", sagt Christian Gratzer, der Sprecher des VCÖ.

Investitionen mit Folgen
für die Bevölkerung

Wenn es sich um eine Strecke am Land handelt, entstehen zumindest gleich viele Arbeitsplätze während der Bauphase von Straße und Schiene, sagt Wifo-Umweltökonomin Daniela Kletzan-Slamanig. "Für den öffentlichen Verkehr aber brauche ich Personal, er schafft also mehr Beschäftigung in der Betriebsphase."

Es kommt allerdings auch darauf an, wo in Infrastruktur investiert wird, sagt Kletzan-Slamanig. Werden Regionen, die bereits gut erschlossen sind, erweitert, sind die positiven Wachstumseffekte kleiner als in solchen, wo das noch nicht der Fall ist.

Aber nicht nur das: Jeder neue Verkehrsweg hat auch Auswirkungen auf das Verhalten der Bevölkerung, erläutert Roman Klementschitz vom Institut für Verkehrswesen an der Universität für Bodenkultur: Die Erhebung "Österreich unterwegs 2013/2014" zeigt, dass Fußwege und öffentliche Verkehrsmittel eher Frauen zu Gute kommen, weil sie mehr Wege zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen als Männer. Diese wiederum nützen häufiger ihr Auto oder das Rad. Generell aber ist der motorisierte Individualverkehr mit 70 Prozent nach wie vor in Österreich dominant.

Egal, ob ein Bahnhof oder Straße gebaut wird: "Wenn Kapazität ausgebaut wird, wird sie auch genutzt", sagt Klementschitz, "beides sorgt für mehr Zersiedelung". Mit weiter entfernten Zielen steigt auch der Bodenverbrauch. Umweltökonom Karl Steininger vom Wegener Institut in Graz schlägt deshalb eine ressourceneffizientere Verkehrs- und Raumplanung vor: "Schließlich geht es ja nicht um den Verkehr an sich, sondern um den Zugang zu Mitmenschen, Gütern und Dienstleistungen". Österreich gebe ohnehin bereits 15 Prozent der Mittel für den Verkehr aus.

Eine eben erst erschienene Studie des Wegener Instituts zeigt übrigens, dass Österreich gerade im Bereich von Schieneninfrastruktur, Zügen und Signalanlagen alles andere als in der Steinzeit ist, sondern sehr innovativ, wie es sich der Kanzler gewünscht hatte. Aus diesem Bereich werden sieben Mal so viele Patente angemeldet als aus anderem Verkehrsbereichen. Das lässt sich ebenfalls wirtschaftlich nutzen: "Produkte dieses Bereichs werden vier Mal so häufig exportiert", sagt Steininger. "Da hat Österreich wirklich eine Stärke."