Post gab es die Woche für den Dachverband der Sozialversicherungsträger. Es geht um MRT- und CT-Termine in Radiologieinstituten mit Kassenvertrag, nachdem Versicherte lange Wartezeiten beklagt hatten. Absender des Schreibens war Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger, der eine Häufung von Beschwerden registrierte. Die Sozialversicherungen sind Vertragspartner der Institute. Bachinger hat im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" einen Vorschlag parat: "Da muss der Dachverband mystery shopper ausschicken." Es sollen also heimliche Kontrollen stattfinden.

Ob es sich in den vergangenen Wochen um eine zufällige Häufung von Beschwerden handelt oder allgemein länger zu warten sei, vermag auch der Patientenanwalt noch nicht abzuschätzen. Denn Honorare und Verträge hätten sich nicht geändert. Er habe auch noch keine Erklärung dafür, sagt Bachinger ganz offen.

Kurze Wartezeiten für Kasse "vorrangiges Ziel"

Dabei schien die Problematik langer Wartezeiten für Patienten auf MRT- und CT-Untersuchungen österreichweit nach wachsender Kritik vor einigen Jahren entschärft. Seit 2018 gibt es eine vertragliche Vereinbarung, dass Patienten bei einem Radiologie-Institut innerhalb von maximal 20 Tagen einen Termin erhalten müssen, bei einer CT-Untersuchung in längstens zehn Tagen. In dringenden Fällen - etwa bei einem Tumorverdacht - muss es binnen fünf Tagen einen Termin geben. Das wird jährlich kontrolliert.

Dennoch ist es auch in den vergangenen Jahren passiert, dass Patienten länger warten mussten. Das geht aus den Zahlen des Dachverbandes hervor, die der "Wiener Zeitung" übermittelt wurden. In Oberösterreich dauerte es im Durchschnitt am längsten. Dort ist die Wartezeit auf einen MRT-Termin bei einem Institut mit Kassenvertrag von rund 15 Tagen in den Jahren 2018 und 2019 auf 23,3 Tage im Vorjahr stark gestiegen. Was auch auf die Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen teils zurückgeführt werden kann. Das Burgenland mit 20,5 Tagen Wartezeit und Salzburg mit 20,2 Tagen lagen ebenfalls über dem paktierten 20-Tage-Limit.

Erschwernisse durch die Corona-Krise können aber nicht allein der Grund für die Verzögerungen sein. Denn in Niederösterreich ist die durchschnittliche Wartedauer von 16,6 Tagen 2018 auf 14,3 Tage gesunken. Zum Vergleich: In Wien waren es im Durchschnitt 12,7 Tage, die kürzeste Wartefrist aller Bundesländer. 2019 wurden rund 755.000 MRT-Termine in Anspruch genommen, im Vorjahr waren es um 10.000 Termine weniger. In Oberösterreich mussten Patienten auch bei CT-Untersuchungen im Schnitt mit elf Tagen wie auch im Burgenland am längsten auf einen Termin warten. In Wien waren es 7,9 Tage.

Sozialversicherungschef Peter Lehner, Obmann der Versicherungsanstalt der Selbstständigen und oberster Wirtschaftsvertreter, versichert: "Bildgebende Verfahren sind ein essenzieller Baustein für Diagnostik und Behandlung. Kurze Wartezeiten sind ein vorrangiges Ziel, das wir intensiv verfolgen." Das Feedback von Patientenanwalt Bachinger sei "für unsere Arbeit sehr wertvoll". Denn es zeige, "dass die Wartezeiten nicht unseren Zielvorgaben entsprechen. Wir sehen das als Auftrag, den Status quo umgehend zu prüfen und mit allen Vertragspartnern - den Instituten und den Trägern - gemeinsam die Hintergründe zu recherchieren, um zeitnah die richtigen Schritte setzen zu können."