Die Österreicher nehmen nach dem Pandemiejahr 2020 heuer verstärkt ärztliche Leistungen und Untersuchungen in Anspruch. Das ist einer der Aspekte, der aus der jüngsten Gebarungsvorschau der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), die jetzt für das Gesamtjahr 2021 vorliegt, hervorgeht. Der reguläre Besuch von Versicherten bei Ärzten und Gesundheitseinrichtungen zählt zu den Trends, die in der Gesundheitskasse, in der Arbeiter und Angestellte vereint sind und seit Anfang 2020 die neun Gebietskrankenkassen der Bundesländer zusammengelegt wurden. Untersuchungen, die im Vorjahr ausgelassen wurden, werden heuer demnach in stärkerem Ausmaß nachgeholt, wird in der ÖGK analysiert.

Nach den der "Wiener Zeitung" vorliegenden Zahlen von Mitte August rechnet die ÖGK für heuer mit einem Defizit von knapp 59 Millionen Euro. Das Minus fällt damit geringer aus als ursprünglich prognostiziert. Hauptgrund dafür ist die Lockerung der Corona-Einschränkungen und die damit einhergehende Entspannung der Situation am Arbeitsmarkt, wie aus der ÖGK-Analyse der Prognosedaten abzulesen ist. Für das kommende Jahr sieht die Gebarungsvorschau ein Anwachsen des Abgangs auf knapp 87 Millionen Euro bei der Gesundheitskasse vor.

Anstieg der Beitragseinnahmen

Die Wirtschaftslage bessert sich deutlich, das wirkt sich auf die Beitragseinnahmen der Gesundheitskasse positiv aus. Deutlicher als noch vor kurzem zu erwarten war. Denn die Zahl der pflichtversicherten Erwerbstätigen ist inzwischen bereits höher als noch vor der Corona-Krise im März des Vorjahres. Allerdings sind darunter auch viele Teilzeitbeschäftigte. Gegenüber dem Vorjahr registriert die Gesundheitskassen einen Anstieg der Beitragseinnahmen um 4,1 Prozent.

Das ist auch eine gute Nachricht für die türkis-grüne Bundesregierung und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Denn im vergangenen Jahr wurde am Höhepunkt der Corona-Krise noch damit gerechnet, dass der Bund aus dem Budget einen dreistelligen Millionenbetrag in Höhe mehrerer Hundert Millionen Euro zur Krankenversicherung zuschießen muss. Die Koalition wollte allerdings ohnehin die tatsächliche Entwicklung der Beitragszahlungen und der Gebarung der Krankenkassen, von denen die Gesundheitskasse die mit Abstand größte ist, abwarten. (ett)