Linz. "Man bekommt wirklich verdammt viel für sein Geld", verkündete die Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Mittwoch. Wie viel man sich durch das neue Klimaticket erspart, ist aber davon abhängig, wo man wohnt und wie häufig man öffentliche Verkehrsmittel nutzt.

Wer das Klimaticket bereits zum Start kauft, erhält eine Ermäßigung von 15 Prozent. Damit kostet es 949 Euro anstatt 1.095 Euro. Personen unter 26, Senioren oder Menschen mit Behinderung bezahlen, wenn sie gleich einsteigen 699 anstatt 821 Euro.

Noch gilt das Ticket nicht für alle Verkehrsmittel der Ostregion. Die Wiener Linien und Busse in Niederösterreich und dem Burgenland sind etwa nicht inkludiert. Laut Statistik Austria pendelten 2019 knapp 290.000 Erwerbstätige aus Niederösterreich und dem Burgenland in ein anderes Bundesland. Ein Teil von ihnen hat bereits jetzt einen Kostenvorteil, auch wenn das Ticket nicht für alle Verkehrsmittel gilt.

Wer im Osten Kosten spart . . .

Personen, die zwischen St. Pölten und Wien pendeln und für diese Strecke heute eine VOR-Jahreskarte inklusive der Kernzone Wien verwenden, sparen ab dem 26. Oktober mit dem ermäßigten Klimaticket und einer Jahreskarte der Wiener Linien beispielsweise 402 Euro pro Jahr.

Besucht eine Studentin mit Hauptwohnsitz in Wien und einer Vorteilscard Jugend der ÖBB einmal pro Monat ihre Familie in Imst, bezahlte sie bisher jährlich 1.140 Euro. Mit dem ermäßigten Klimaticket betragen die jährlichen Kosten für sie künftig 908 Euro. Außerdem kann sie wie alle anderen Klimaticket-Nutzer auch beliebig oft andere Strecken in Österreich öffentlich zurücklegen.

Der Verkehrsverbund VOR kritisiert, dass für Personen, die zwischen dem Burgenland und Wien pendeln, "eine lebensnahe Lösung notwendig" sei. Pendelt man zwischen Eisenstadt und Wien, ist das Klimaticket gemeinsam mit einer Jahreskarte der Wiener Linien schon heute billiger als eine VOR-Jahreskarte inklusive der Kernzone Wien, die aktuell 1.548 Euro kostet. Pendler und Personen, die häufig weitere Strecken fahren, sparen durch das Klimaticket also Geld. Aber auch Personen, die von der ÖBB-Jahreskarte auf das Klimaticket umsteigen, ersparen sich 995 Euro. Die ÖBB-Jahreskarte für Senioren, die bisher 1.369 Euro kostete, ist fast doppelt so teuer wie das Klimaticket um 699 Euro, mit dem alle ÖBB-Strecken und alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel mit Ausnahme der Ostregion genutzt werden können.

. . . und wer mehr bezahlt

In der Ostregion gibt es aber auch Personen, für die das Klimaticket im Oktober im Vergleich zu den bisherigen Kosten im Moment noch keine Ersparnis darstellt.

Wer knapp vor Wien wohnt und nach Wien pendelt, würde mehr bezahlen als bisher. Pendelt man etwa zwischen Klosterneuburg und Wien (inkl. Kernzone), bezahlt man derzeit 626 Euro jährlich. Das Klimaticket für ganz Österreich und eine Jahreskarte der Wiener Linien würden mit 1.314 Euro mehr als doppelt so viel kosten.

Eine Studentin mit Hauptwohnsitz in Wien und einer ÖBB-Vorteilscard Jugend, die einmal pro Monat ihre Familie in Graz besucht, bezahlt aktuell rund 718 Euro pro Jahr. Das Klimaticket plus die Kosten für die Wiener Linien würden hingegen 908 Euro kosten. Auch für Personen, die nur selten öffentliche Verkehrsmittel nutzen, stellt das Klimaticket keine Vergünstigung dar. Wer beispielsweise eine Jahreskarte der Wiener Linien und eine ÖBB-Vorteilscard besitzt und mehrmals pro Jahr von Wien nach Salzburg und wieder zurück fährt, müsste dies mehr als fünfzehn Mal pro Jahr machen, um mit dem Klimaticket um 949 Euro Geld zu sparen - sofern die Ostregion nicht doch noch zu einer günstigeren Lösung mit Gewessler findet.