Die gute Nachricht: Das Wachstum der Corona-Fälle schwächt sich ab. Die schlechte: Wachstum. Es geht nach wie vor hinauf, und die Zahl der Covid-19-Patienten im Krankenhaus wächst mit, und zwar ungefähr im selben Tempo. Alle zwei bis drei Wochen verdoppelt sich derzeit die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19, am Montag betrug sie 77. Ab etwa 200 Covid-19-Patienten muss damit begonnen werden, planbare Operationen zu verschieben.

Die Phase des Anstiegs dauert nun schon mehr als 50 Tage. Das verläuft nicht überall gleich. In den Niederlanden explodierte das Infektionsgeschehen, binnen 20 Tagen drehte die Kurve. Nun liegt man etwa auf dem Niveau Österreichs. Auch in Spanien flaute es nach einem sommerlichen Höhepunkt ab, in Großbritannien ebenso, doch dort steigen die Zahlen wieder. Das Bild, das die Delta-Variante zeichnet, ist nicht einheitlich, auch wenn in den meisten EU-Ländern die Lage ähnlich jener Österreichs ist.

Was sich auch zeigt: Die vierte Welle wird von den Ungeimpften angetrieben. Österreich wird in dieser Woche bei der Sieben-Tages-Inzidenz die 100er-Grenze überschreiten, in Wien, Vorarlberg und Oberösterreich liegt sie bereits darüber. Unter Geimpften ist sie jedoch viel tiefer, unter 40, während sie in der ungeimpften Population beinahe bei 200 liegt.

Erste Auffrischungen
in Wien ab September

Von den derzeit 4.035 Corona-Infizierten in Wien sind 80 Prozent ohne Impfung, 12 Prozent haben bereits beide Teilimpfungen erhalten, also knapp 500 Fälle. Als Impfdurchbruch wird allerdings nur eine Infektion in Verbindung mit klinischen Symptomen bewertet, da im Fokus der Schutzimpfung auch der Erkrankungsschutz steht. Exakte Zahlen gibt es dazu aus Wien nicht, aber fast alle Infektionsfälle nach zwei Impfungen weisen gar keine oder nur leichte Symptome auf, heißt es aus dem Stadtrat-Büro.

Heute, Dienstag, wird Bürgermeister Michael Ludwig am Vormittag mit Expertinnen und Experten zusammentreten, um über das weitere Vorgehen der Stadt zu beraten. Wien geht vor allem seit heuer etwas eigene Wege, beginnend mit dem "Oster-Lockdown" (gemeinsam mit dem Burgenland und Niederösterreich) bis zur Beibehaltung der Maskenpflicht in allen Geschäften. Dass Wien von sich aus eine 1G-Regel beschließen wird, ist nicht zu erwarten. Dies bräuchte auch einen Vorlauf, da zwischen erster und zweiter Impfung drei (Pfizer) bis vier Wochen (Moderna) vergehen.

Ab Anfang September wird die Stadt Wien auch aller Voraussicht nach mit den ersten Auffrischungsimpfungen beginnen, zunächst bei Bewohnern von Pflegeheimen und sehr Betagten. Da die Impftermine der zweiten Impfung gespeichert sind, können die Kandidaten sechs Monate nach dem Zweitstich wie empfohlen zur dritten Impfung eingeladen werden.(sir)