Es erinnerte an glorreichere Zeiten, aber auch an harte Oppositionszeiten der SPÖ Anfang der 2000er Jahre: Der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann war gekommen, Ex-Bundespräsident Heinz Fischer war Laudator, dazu kamen Ex-Minister wie Erwin Buchinger und noch aus der Kreisky-Ära Erwin Lanc und Peter Jankowitsch, dazu aus jüngerer Zeit Gabriele Heinisch-Hosek, aber auch Alt-ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Sie alle waren der Einladung des Gastgebers, Niederösterreichs SPÖ-Chef Franz Schnabl, zum Sommerempfang und zur Ehrung von Alfred Gusenbauer, der von Jänner 2007 bis Ende 2008 Bundeskanzler war, mit der höchsten SPÖ-Auszeichnung, der Viktor-Adler-Plakette, gefolgt.

Für die erste Frau an der Spitze der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner, war es am Donnerstagabend im NÖ-Landhaus in Wien eine besondere Freude. Zwei Ex-Kanzler und ein Ex-Staatsoberhaupt aus den Reihen der SPÖ hat sie noch nicht gemeinsam empfangen. "Das ist traurig genug, dass ich das zum ersten Mal nach drei Jahren erlebe", bedauerte die seit November 2018 im Amt befindliche SPÖ-Bundesparteivorsitzende, die zuletzt im Juni mit mageren 75 Prozent wiedergewählt worden ist.

Beschworen und gelobt wurde bei dem Festakt vor allem, dass Gusenbauer ab 2000 acht Jahre lang die Sozialdemokratie in der schwarz-blauen Ära Schüssel nach 30 Jahren roter Kanzlerschaft von den harten Oppositionsbänken zurück ins Kanzleramt geführt hat. Rendi-Wagner knüpfte da bereitwillig an, denn die SPÖ sei Anfang 2000 "am Boden" gewesen. "Ich kann Teile davon oder sehr viel nachzuvollziehen", meinte sie in Anspielung auf die jetzige wenig rosige Lage für die SPÖ. "Du hast bewiesen, dass sich langer Atem auszahlt." Zwischen Wolfgang Schüssel und dem jetzigen ÖVP-Obmann Sebastian Kurz sah sie die Parallele, dass beide "den Menschen nicht nahe gewesen" seien. Ihre Schlussfolgerung: "Es ist meine Aufgabe und es ist unser aller Aufgabe, zu zeigen, dass uns die Menschen nicht egal sind."

SPÖ-Landeschef Schnabl betonte bei der Begrüßung, dass es unter Gusenbauer in der Opposition gelungen sei, die "geistigen Tanks" der Sozialdemokratie wieder aufzufüllen. Er verhehlte auch nicht, dass es da und dort kritische Stimmen zur Ehrung gegeben habe. Dabei habe der aus Ybbs in Niederösterreich stammende Gusenbauer sogar "ausserordentliche Verdienste" erbracht, so Schnabl, es gehe "vor allem darum, Visionen zu artikulieren."

Festredner Heinz Fischer zeichnete nicht nur Gusenbauers Lebensweg nach, der wie schon seinerzeit zu Kanzlerzeiten auch von seiner betagten Mutter Gertrude beim Festakt begleitet wurde. Der frühere SPÖ-Vizechef Fischer zollte vor allem auch der "unbeirrbaren" Arbeit Rendi-Wagners ausdrücklich Lob: "Ich bewundere das aufrichtig."

Gusenbauer selbst sagte, dass er an sich auf Auszeichnungen keinen grossen Wert lege. Die Viktor-Adler-Plakette sei die Ausnahme. Seit 13 Jahren gebe er keine Ratschläge, weil dies "zum Schaden der SPÖ instrumentalisiert" werde. Umso mehr Applaus erhielt er dann für seine Feststellung, dass man die - bisweilen totgesagte - SPÖ nicht "zu früh aufgeben" solle. Das Lied der Arbeit bildete den passenden Schlusspunkt.