Dreimal wöchentlich werden seit Montag dieser Woche nun in einer dreiwöchigen "Sicherheitsphase" auch die rund 650.000 Schülerinnen und Schüler in den südlichen und westlichen Bundesländern einem Coronatest unterzogen, davon einmal pro Woche mit dem zuverlässigeren PCR-Test. Der Fokus, um in Österreichs Schulen möglichst die Bildung von Corona-Infektionsherden zu vermeiden, liegt für Bildungsminister Heinz Faßmann eindeutig dabei, mögliche angesteckte Schüler und Lehrer aufzuspüren und abzusondern.

Der öffentliche Druck vor allem auch durch Eltern und ihre Vertreter hat in den vergangenen Monaten aber auch dazu geführt, dass im neuen Schuljahr 2021/22 auch verstärkt Luftreiniger in den Schulen zum Einsatz kommen, um die Verbreiterung des Coronavirus in Schulklassen zu unterbinden. Insgesamt rund 4000 derartiger Geräte sind von den Schulen bisher angefordert worden. Diese Zahl wurde der "Wiener Zeitung" im Bildungsministerium genannt.

Der Bildungsminister setzt zwar in erster Linie weiter auf das Stoßlüften in Klassenräumen, um die Ansteckungsgefahr möglichst zu reduzieren. Allerdings hat Faßmann selbst eingeräumt, dass das Lüften nicht in allen Schulklassen möglich ist. Entweder lassen sich die Fenster nicht öffnen oder es gibt andere Schutzvorrichtungen, wie in einer der größten Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) in Österreich, dem TGM in Wien. In dem mehrstöckigen Gebäude sind bei den Fenstern Schutzvorkehrungen getroffen, wie im Bildungsressort erläutert wird. Daher kommen mobile Luftreinigungsgeräte zum Einsatz.

Der Einsatz derartiger Luftfilter wird erst seit dem heurigen Sommer von Faßmann neben den schon seit dem vergangenen Schuljahr laufenden Corona-Antigentests, die seit diesem September in ganz Österreich um zumindest einen PCR-Test – in Wiens Schulen sind es sogar zwei pro Woche – erweitert worden. Deswegen erfolgte auch ein relativ kurzfristiger Aufruf an die Schulleiter, sie mögen den Bedarf an Luftfiltern melden.

Das vorläufige Ergebnis der Aktion steht nun fest: 4000 Geräte zur Luftreinigung wurden von den Schulen geordert. Rund 1000 seien inzwischen auch bereits ausgeliefert worden, wird im Büro des Bildungsministers erklärt. Dort sieht man sich allerdings durch Studien in der bisherigen Linie bestätigt, dass das Stoßlüften in den Schulklassen Vorrang hat, weil dies effizienter im Kampf gegen die Ansteckungsgefahr sei.

Ministerium übernimmt die Kosten

Allerdings gibt es eine entscheidende Änderung. Die Kosten für die 4000 mobilen Luftfilter werden jetzt zur Gänze vom Bildungsministerium getragen. Im August hatte es noch geheißen, der Bund werde einen Förderbeitrag für den Einbau von Luftreinigern zahlen, die weiteren Kosten müssten aber von den Schulen selbst getragen werden. Um einen möglichst raschen Einsatz im eben  beginnenden neuen Schuljahr zu gewährleisten, wird jetzt auf mobile Geräte auf Kosten des Bildungsressorts gesetzt.

Längerfristig bleibt es bei der angekündigten Strategie des Bildungsministeriums zur einfacheren Reinhaltung der Luft in den Schulen. Bereits beim Umbau und der Sanierung bestehender Schulgebäude soll auf diese Frage Rücksicht genommen werden, für den Neubau von Schulen gilt das ohnehin, um sich nachträgliche Einbauten oder mobile Luftfilter in Klassen zu ersparen.

Wiener Schulsprechern geht das nicht weit genug

Den Schulsprechern von gut 30 Gymnasien in Wien geht das allerdings nicht weit genug. Sie haben am Montag in einem Offenen Brief an die türkis-grüne Bundesregierung ihrem Ärger Luft gemacht, dass Anliegen der Jugend und der Schüler "ignoriert" würden. Die Forderung der Schülervertreter geht auch bei den Luftreinigungsgeräten über die bereits vom Bildungsministerium getroffenen und eingeleiteten Schutzmaßnahmen hinaus. Eine der Forderungen der Schulsprecher an Wiener Gymnasien lautet, es müsse zur flächendeckenden Anschaffung von Luftfiltern zur Sicherheit aller Schülerinnen und Schüler kommen. Ein Ansinnen, dem man im Bildungsressort mit dem Hinweis, dass Fachleute Stoßlüften für effizienter halten, wohl nicht nachkommen wird.

Die Forderungen der Schulsprecher aus Wien gehen aber über die Luftfilter hinaus. So verlangen sie einen konsequenten Schutz für Schulkinder durch eine Impfpflicht für das Personal in Kindergärten und Volksschulen. Hintergrund dafür ist, dass es Corona-Impfungen für Kinder erst ab dem Alter von zwölf Jahren gibt. Schon jetzt fordern die Schülervertreter in dem Offenen Brief an die Bundesregierung aber auch eine Entlastung durch die Streichung von Lehrstoff sowie beim Stoff für die Matura.

Schon 2020 und heuer hat es bei den Reifeprüfungen wegen der Einschränkungen durch die Coronagefahr Entschärfungen für die jährlich rund 40.000 Maturanten gegeben. Weiters werden klare Regeln bei der Quarantäne, wenn Kinder in Schulklassen positiv getestet werden, verlangt. Bildungsminister Heinz Faßmann drängt selbst darauf, dass sich Schulkinder schon nach fünf statt bisher nach zehn Tagen aus der Quarantäne "freitesten" lassen können. Dafür ist die Zustimmung von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) notwendig, mit dessen Ressort man diesbezüglich bis zuletzt intensiv in Kontakt war.