Lehrerinnen, die schon überlegen, in der Schule zu übernachten, weil die Abwicklung so aufwendig ist; Kritik in Gesprächen mit der "Wiener Zeitung" daran, dass wegen der doppelten Corona-PCR-Tests in Wien die ersten beiden Schulwochen für Direktoren und Pädagogen sogar noch schwieriger waren als im Vorjahr; Probleme mit Eltern von Migrantenkindern, die kaum Deutsch können: Die Herausforderungen für Schulen zur Bekämpfung der Coronainfektionen werden zwei Wochen nach dem Schulbeginn in Ostösterreich vor allem in der Bundeshauptstadt offenkundig nicht weniger. Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer appelliert daher jetzt in einem gemeinsamen Brief mit dem früheren Schuldirektor und jetzigen Kolumnisten Niki Glattauer, der der "Wiener Zeitung" vorliegt, an den für die Coronamaßnahmen zentral zuständigen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Ihr Hauptziel dabei ist, dass sich die Lehrer endlich wieder mehr dem Schulunterricht widmen können. 

Auslöser war, dass sich Glattauer und Himmer am Freitagabend in der ORF-Sendung "Drei am Runden Tisch" mit Patricia Pawlicki verständigt haben, gemeinsam einen Brief zu verfassen. Das ist bereits am Samstag passiert. Eine der Forderungen in dem Schreiben an Mückstein lautet: "Wir fordern Sie daher auf, so bald wie möglich wieder in einen möglichst testungs-, masken- und quarantänefreien Normalbetrieb zu wechseln." Grund dafür ist der einhellige Tenor der Beschwerden von Lehrern aus Wiener Pflichtschulen wie auch aus Höheren Schulen, dass in den ersten beiden Schulwochen einfach zuviel Zeit für die Organisation der Coronatests aufgewendet werden musste. Dafür werden unterschiedliche Gründe genannt: Schüler an Höheren Schulen, die mit der Technik der Onlineplattformen für die Tests nicht zu Rande kommen; viele Schüler, deren Eltern wegen mangelnder Deutschkenntnisse den Ablauf nicht verstehen; verspätet einlangende Testergebnisse. 

Der Gesundheitsminister hat gemeinsam mit Bildungsminister Heinz Faßmann den Plan zur Bekämpfung der Pandemie in den Schulen im Schuljahr 2021/22 erarbeitet. In Wien gibt es eine zusätzliche organisatorische Herausforderung durch die verlässlicheren PCR-Tests, die in der Bundeshauptstadt auf Betreiben der Stadt Wien zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Das Bildungsministerium macht geltend, dass die "Alles spült"-Tests, die an Wiens Volksschulen durchgeführt werden, für Schüler einfacher zu handhaben seien. Mehr als 600 Schulklassen wurden in den ersten beiden Wochen in Quarantäne geschickt. Der Bildungsminister hat inzwischen die Folgen für Schüler in Quarantäne erleichtert, weil sich diese nun schon nach fünf statt zuvor nach zehn Tagen in Absonderung "freitesten" können. 

Kritik an langsamer Reaktion des Gesundheitsamtes

 

Ein zentrales Problem, das auf die Kappe des Gesundheitsministers und der Stadt Wien geht, wurde aber gegenüber dem Vorjahr anscheinend nicht gelöst. Auch heuer gibt es von Schulleitern wieder jede Menge Beschwerden und Unmut darüber, dass das Gesundheitsamt nach der Meldung von positiven Coronatests stundenlang nicht reagiert. Dabei sollte das Gesundheitsamt an sich die Entscheidung über den weiteren Ablauf treffen. Schuldirektorinnen und -direktoren müssen daher selbst über das weitere Vorgehen entscheiden, wie sie mit Schulklassen umgehen, in denen es positive Coronatests gegeben hat. Oft ist zu Mittag Unterrichtsende – ohne dass Mitarbeiter des Gesundheitsamtes reagiert haben, wie mehrfach geschildert wird. Inzwischen sind Schulleiter dazu übergegangen, betroffenen Schülern anzuordnen, am nächsten Tag jedenfalls nicht in die Schule zu kommen, bis eine Klärung durch das Gesundheitsamt erfolgt ist. Die weitere Folge ist, dass die Nachverfolgung der Kontakte infizierter Schüler und Lehrer damit auch nicht beginnen kann. Auch das ist nicht neu. Im Vorjahr hat es ebenfalls teilweise Tage oder noch länger gedauert, bis diesbezügliche Mitteilungen der Gesundheitsbehörden eingelangt ist. 

Deswegen rufen Wiens Bildungsdirektor Himmer und Glattauer in dem gemeinsamen Schreiben den Gesundheitsminister auch auf: "Geimpfte Schülerinnen sollten unabhängig von Infektionsfällen, die in ihren Klassen auftreten, selbstverständlich in denselben verbleiben. Auch aus diesem Grund haben Hunderttausende Eltern sich selber und ihre Kinder inzwischen impfen lassen." Geimpfte Schüler würden damit gegenüber Ungeimpften bevorzugt. Allerdings will man in Wien Ungeimpfte nicht im Regen stehen lassen "Auch ungeimpfte Kinder haben ein Recht auf Unterricht. Wir wollen, dass Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen und im Rahmen einer Informations-Kampagne direkt an den Schulen nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden. Immerhin 1 von 3000 – 5000 Kindern droht nach einer COVID-Infektion eine schwere Erkrankung bis hin zum medizinischen Intensiv-Fall", wird in dem Brief festgehalten. 

Konkret gibt es darüber hinaus zwei Empfehlungen. "Was es braucht, sind mobile Impfteams an den Schulen und vorgefertigte Einverständniserklärungen in mehreren Sprachen für Impfungen unmittelbar in bzw. vor den Schulen, die von allen Eltern einfach und formlos unterschrieben werden können." Die Stadt Wien hat bereits angekündigt, dass verstärkte Impfbusse für die Schulen zum Einsatz kommen werden.  Besondere Probleme gibt es seit dem Schulbeginn offensichtlich in Ballungszentren, aber nicht nur in Wien. Auch Lehrervertreter appellieren an den Bildungsminister Verbesserungen bei Teststruktur und Organisation vorzunehmen.