Andreas Rabl von der FPÖ hat seinen Bürgermeistersessel in Wels klar verteidigt. Mit 60,1 Prozent - laut vorläufigem Endergebnis nach 90 Prozent der ausgezählten Stimmen - muss der FPÖ-Politiker, der das traditionell rote Wels 2015 auf Blau umgefärbt hat, nicht einmal in die Stichwahl. Im Gemeinderat in der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs erreichte die FPÖ demnach 46,08 Prozent, ein Plus von drei Prozentpunkten und fast doppelt soviel wie die SPÖ mit 23,71 Prozent.

Nicht nur wegen seines Wahlerfolgs 2015 ist der 48-Jährige seit langem eine wesentliche Stütze von Landesparteichef Manfred Haimbuchner: Als dieser schwer an Corona erkrankte, übernahm Rabl interimistisch die Parteiagenden. Zuvor hatte er bereits die nach Ibiza und der Wahlschlappe 2019 eingerichtete FPÖ-interne Reformgruppe zur Zukunft der Bundespartei geleitet. Dabei musste er seinen Standpunkt revidieren, nachdem er einen unbedingten Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und den Identitären bestritten hatte. Nur wer seine Aktivitäten bei den Identitären beende und seine Meinung geändert habe, könne bei den Freiheitlichen andocken, stellte er später klar.

Im Umgang ist Rabl ruhig und freundlich im Ton, er fällt weniger durch verbale Ausritte oder Fettnäpfchentritte als durch Eloquenz auf. Doch gilt der stets korrekte Rechtsanwalt als Hardliner in Sachen Integration, fordert Anpassung und Deutschkenntnisse von Migranten - "Unser Land, unsere Werte" - vehement ein. Aufregung verursachte 2016 ein Wertekodex für Kindergärten, der am Ende die umstrittene Vorgabe, jedes Kind müsse fünf deutsche Lieder und Gedichte auswendig können, nicht enthielt. Für Aufsehen sorgten Haimbuchner und Rabl 2018 mit einer Einladung an den italienischen Innenminister Matteo Salvini zu Urlaub in Wels, nachdem dieser vom Inselrat der spanischen Insel Mallorca wegen seiner Migrationspolitik zur "unerwünschten Person" erklärt worden war.

In Sachen Corona-Management führte Wels im Februar noch vor Linz einen Coronatest-Bus ein. Persönlich versuche er die Regeln mit Hausverstand anzuwenden und sei sich der Ernsthaftigkeit der Krankheit bewusst, sagte Rabl. Verschwörungstheorien oder Impfmythen hört man von ihm nicht. Im Wahlkampf fiel er mit einem vom ehemaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder abgekupferten Werbevideo auf, mit dem er rote Wähler ansprechen wollte.