Die Auszählung auch der Briefwahlstimmen in Graz hat keine größeren Verschiebungen mehr gebracht. Die SPÖ, langjährige Bürgermeisterpartei in Österreichs zweitgrößter Stadt, bleibt ohne Sitz im Stadtsenat. Die siegreiche KPÖ kommt auf 28,84 Prozent der Stimmen, die ÖVP fällt auf 25,91 Prozent.

Im Stadtsenat hätten die Kommunisten mit den Grünen, die einen Sitz erhielten, eine Mehrheit. Die übrigen drei Sitze verteilen sich auf die bisherige Bürgermeister-Partei ÖVP (2) sowie die FPÖ. Beide Parteien hatten eine Zusammenarbeit mit der KPÖ allerdings ausgeschlossen. Im Gemeinderat wird die KPÖ künftig mit 15 Abgeordneten vertreten sein (bisher 10), die Grünen mit 9, das ist ein Plus von vier Mandaten.

Damit würden KPÖ und Grüne exakt die Hälfte der Abgeordneten im Gemeinderat stellen, für eine Mehrheit bräuchten sie daher Unterstützung anderer Parteien. Das macht die Bildung einer Regierung in Graz nicht einfacher.

In der "ZiB 2" erklärte Elke Kahr, Chefin der Stadt-KPÖ, die über den Erfolg am Sonntag überrascht war, dass sie nun Bürgermeisterin werden wolle, da dies die Menschen in Graz wollten. Ab Dienstag werde sie "Kontakt zu allen Parteien aufnehmen", sagte Kahr, wobei sie "alle Parteien" dezidiert betonte. Im Vorfeld der Wahl hatte sie eine Zusammenarbeit ohne Koalitionsvertrag ins Spiel gebracht, die Grünen hatten dies allerdings abgelehnt.

Die ÖVP wird im neuen Gemeinderat auf 13 Mandate kommen (minus 6), die Freiheitlichen auf 5 (minus 3), und die SPÖ liegt nur mehr bei vier Abgeordneten.

Ehmann bleibt - vorerst

Der Grazer SPÖ-Chef Michael Ehmann wird - obwohl er sein Wahlziel, nämlich den Rückeroberung eines Stadtsenatssitzes, nicht geschafft hat - zumindest vorerst an der Spitze der Partei bleiben. Die anstehenden Gespräche mit Kahr wird er jedenfalls übernehmen. "Zum gegebenen Zeitpunkt wird er dann über eine Übergabe reden", hieß es Montagabend von einem Sprechers.

Bei der FPÖ war noch nicht klar, ob der bisherige Vizebürgermeister Mario Eustacchio weitermacht. Für seine Partei hatte er jedenfalls am Wahlabend schon die Oppositionsrolle definiert. Am Montag beging die FPÖ ihren traditionellen "blauen Montag"; die Stadtparteileitung wird erst am Donnerstagabend tagen.