Ein Beschäftigter fährt knapp vor dem Ende seines Berufslebens auf Kur. Drei Wochen lang spult er in einer Kuranstalt ein Standardprogramm ab. Nicht selten verbunden mit Besuchen in der örtlichen Konditorei. Nach der Kur geht die Arbeit im alten Trott weiter - samt neuerlicher gesundheitlicher Belastung.

Zumindest was den medizinisch-gesundheitlichen Teil betrifft, möchte die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) über den für Arbeitnehmer die meisten Kuren abgewickelt werden, künftig wegkommen. Statt der schon antiquittiert wirkenden Form der Kur, setzt die Pensionsanstalt jetzt verstärkt auf Rehabilitation, kurz Reha - und zwar in Modulform, sodass möglichst weitgehend auf die persönlichen Bedürfnisse eines jeden eingegangen wird. Das ist Teil des Konzepts "PVA 2030", wie Vizegeneraldirektorin Canan Aytekin zur "Wiener Zeitung" sagt: "Im Vordergrund steht, dass wir mehr Menschen, die erwerbsfähig sind, wieder ins Arbeitsleben bringen."

Die neue Vizedirektorin der PVA, Canan Aytekin. - © PVA
Die neue Vizedirektorin der PVA, Canan Aytekin. - © PVA

Im Jahr 2019 wurden mittels Pensionsversicherungsanstalt 214.520 Heilverfahren durchgeführt. Davon erfolgten 112.557 bei Reha-Aufenthalten. 60.151 Versicherte waren noch berufstätig, 52.406 Pensionisten in stationären Einrichtungen. Zusätzlich wurden weitere 14.914 in ambulanter Form der Rehabilitation behandelt. Das Kostenvolumen wird mit einer Milliarde Euro pro Jahr beziffert. Generell soll das "verstaubte Image" mit der längerfristigen Strategie bis 2030 geändert werden. Vielfach sei gar nicht bekannt, dass die PVA und nicht die Krankenversicherung für Reha-Aufenthalte zuständig sind.

Seit Jahren, spätestens seit der unter Rot-Schwarz fertiggestellten Pensionsreform ab 2014, gilt das Augenmerk diverser Bundesregierungen dem Ziel, dass weniger Menschen in Frühpension gehen und auch nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiter berufstätig sein können. Allerdings wurden diese Bestrebungen später durch eine teilweise Lockerung des Zugangs zu Frühpension und Invaliditätspension der Arbeiter und der Berufsunfähigkeitspension für Angestellte konterkariert.

Die Pensionsversicherung, die mit Abstand größte Pensionsanstalt, nimmt nun bei den Heilverfahren im Sinne ihrer Strategie einen kräftigen Anlauf. Schon während der Berufstätigkeit soll verstärkt getrachtet werden, die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten, "damit sie nicht berufsunfähig oder unvermittelbar oder arbeitslos werden", wie Aytekin unterstreicht.

Dafür wird künftig noch mehr auf Rehabilitation in Modulform gesetzt. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, eine individuell auf jeden Patienten zugeschnittene Rehabilitation mit einem bio-psychosozialen Modell anzubieten. So wird dabei gezielt berücksichtigt, wie das Arbeitsumfeld des Betroffenen aussieht und wo der "größte Leidensdruck" besteht, der künftig wegfallen soll.

Mit pflegebedürftiger
Person vier Wochen weg

In der PVA wendet man sich daher auch gegen eigene Reha-Zentren für Post-Covid-Patienten, die besonders lang an Spätfolgen der Viruserkrankung leiden. Denn das Modulsystem erlaubt es, bei jedem Fall in den bestehenden Einrichtungen individuell Heilverfahren zur Genesung zu nützen, egal ob Probleme beim Atmen bestehen, weiter Schmerzen zu spüren sind oder psychische Folgen im Vordergrund stehen. Über die PVA werden Personen, die mit Langzeitschäden einer Covid-Erkrankung kämpfen, vor allem in zwei Einrichtungen betreut: in Hochegg im südlichen Niederösterreich und in Weyer im oberösterreichischen Ennstal.

Was das Personal betrifft, so kämpft die Pensionsversicherungsanstalt in ihren 17 Heimen und Reha-Einrichtungen inzwischen vor allem in entlegeneren Regionen mit einem Mangel an Ärzten und Pflegepersonal. Wobei eine Reihe von Einrichtungen allein aus dem Umstand, dass derartige Heime früher in gesunder Umgebung und mit frischer Luft eingerichtet wurden, abseits der Ballungszentren liegen. Dazu kommt, dass im ärztlichen Bereich und auch bei Pflegekräften in diesen Regionen geeignetes Personal Mangelware ist.

"In manchen Regionen haben wir ein Problem", stellt die Vizegeneraldirektorin unumwunden fest. Betroffen sind davon derzeit die Zentren in Bad Aussee und in Gröbming in der Obersteiermark Eine weitere Änderung ist zum Teil bereits vollzogen: Anders als in der Vergangenheit werden auch Führungskräfte von außen in die PVA geholt, um frischen Wind in die Pensionsversicherungsanstalt, die 2003 aus der Fusion der Anstalten für Arbeiter und Angestellte hervorgegangen ist, zu bringen. Nach außen hin sichtbar geworden ist das bereits im Zuge der im Mai erfolgten Neubestellung der Direktoren.

PVA-Generaldirektor ist Winfried Pinggera, der unter dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der schwarz-blauen Bundesregierung zu Beginn der 2000er-Jahre die Pensionsreformen zum Einbremsen der Frühpensionen und zum Eindämmen der Pensionskosten durch Verschärfungen maßgeblich mitgestaltet hat. Neu ist, dass es nunmehr zwei weiblich Stellvertreter gibt. Neben Aytekin selbst ist das Eva Gollubits. Insgesamt sind in der PVA 67 Prozent der rund 6500 Mitarbeiter weiblich. Bei den Spitzenposten sind es hingegen erst 38 Prozent.