Die Anzeichen mehren sich, dass der Schritt von Sebastian Kurz aus dem Kanzleramt hinaus und in den Nationalrat hinein nur ein erster gewesen sein dürfte, dem womöglich in absehbarer Zeit weitere Schritte folgen könnten. Eine baldige Rückkehr als Kanzler dürfte jedenfalls kein Thema sein, zumindest nicht aus Sicht der Landeshauptleute und zumindest nicht für die ÖVP.

Am Sonntag hatte zuerst Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner noch eher unkonkret davon gesprochen, dass die strafrechtlichen Vorwürfen "lückenlos" aufgeklärt werden müssen. Und Wallner sprach auch von "roten Linien", die diese darstellen würden. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer wurde am Abend in der "Kleinen Zeitung" dann konkreter. Er rechne nicht mit einer baldigen Rückkehr von Kurz und auch nicht damit, dass seine Partei Kurz in absehbarer Zeit wieder als Spitzenkandidaten bei einer Wahl ins Rennen schicken werde. "Wir konzentrieren uns jetzt auf den Alexander Schallenberg. Die gerichtlichen Verfahren, die es abzuwarten gilt, werden mehrere Wahlen überleben. Insofern halte ich Ihre Frage für theoretisch."

Schallenberg "keine Puppe"

Kurz werde laut Schützenhöfer auch nicht Schattenkanzler, wie das die Opposition vermutet. Es werde auch keine Fernsteuerung geben, wie einst unter Jörg Haider, der aus Kärnten heraus die blaue Regierungsmannschaft lenkte. "Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Schallenberg ist keine Puppe und keine Schachfigur, die man vor und zurückschiebt. Er wurde nominiert, weil er als konsensfähiger und harmonieorientierer Politiker mit dem Koalitionspartner die drängenden Zukunftsprojekte der Regierung weiterführen soll", sagte Schützenhöfer.

Der Landeshauptmann erklärte in den Interview mit der "Kleinen Zeitung" auch, dass die drohende Vier-Parteien-Regierung ohne ÖVP bei einer Abwahl des Kanzlers eine Rolle gespielt hatte, sie sei "Triebfeder des Handelns" gewesen, so Schützenhöfer, der die SPÖ kritisierte, mit Kickl eine Anti-Kurz-Viererkoalition angestrebt zu haben. Der Druck aus der Basis sei groß gewesen, so der Landeschef.

Der Amtsverzicht von Kurz ringe ihm großen Respekt ab, als Klubobmann werde Kurz "gute Arbeit im Parlament" leisten, "so wie Wolfgang Schüssel nach seiner Kanzlerschaft", so Schützenhöfer. Kurz war nur einmal, für wenige Monate, Abgeordneter. Gleich am Anfang seiner Laufbahn 2010 zog er in den Wiener Gemeinderat ein, im Sommer 2011 wechselte er dann als Integrationsstaatssekretär in den Bund. Nach seiner Abwahl 2017 verzichtete Kurz auf sein Mandat im Nationalrat. Dass Kurz als ehemaliger Kanzler längerfristig im Nationalrat verbleiben wird, wäre jedenfalls eine Überraschung.