Michael Linhart, ehemals Botschafter in Paris, ist neuer österreichischer Außenminister. Er folgt Alexander Schallenberg (ÖVP) nach, der zum Kanzler aufgestiegen ist, nachdem sich ÖVP-Chef Sebastian Kurz wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Amt zurückgezogen hat. Mit der Entscheidung konnte Bundespräsident Alexander Van der Bellen heute Montag zu Mittag (13 Uhr) bereits den neuen Kanzler und den neuen Außenminister offiziell angeloben. Davor wurden Kurz als Bundeskanzler und Schallenberg als Außenminister ihrer Ämter enthoben.

Es gehe um das gegenseitige Vertrauen, betonte Van der Bellen gleich zu Beginn der Angelobung Schallenbergs zum Bundeskanzler. Es gehe aber auch um die Rettung des Klimas - und: um das Bundesbudget.

Van der Bellen erinnerte an die Verantwortung, die Projekte der türkis-grünen Regierung weiterzuführen. Dafür brauche es ernsthafte, konzentrierte Arbeit sowie echte Resultate. "Ich meinerseits vertraue darauf, dass es den Koalitionspartnern gelingt, eine tragfähige Basis für eine stabile Regierungszusammenarbeit zu schaffen", so der Bundespräsident.

Auch Linhart gelobte bei seiner Angelobung zum Außenminister, "die Verfassung und alle Gesetze der Republik getreulich zu beobachten und meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen" zu erfüllen. 

Notwendig geworden war die Personalrochade, weil der bisherige Kanzler Kurz nach tagelangem auch innerparteilichen Druck wegen der Untreue- und Bestechungsvermittlungen gegen ihn schließlich am Samstag doch die Notbremse gezogen hatte und seinen Rückzug aus dem Kanzleramt bekannt gegeben hatte. Er wechselt als Klubchef ins Parlament. Als seinen Nachfolger im Kanzleramt schlug Kurz Außenminister Schallenberg vor, weshalb für das Außenministerium ein neuer Chef gesucht wurde.

Linhart gilt als klassisch-konservativer Karrierediplomat

Linhart ist einer breiten Öffentlichkeit kaum geläufig, im diplomatischen Dienst ist er als konservatives Urgestein altbekannt. Der 63-Jährige ist ein klassischer Karrierediplomat vom korrekt gezogenen Scheitel bis zur Sohle. Da er von 1995 bis 2000 im Kabinett des damaligen ÖVP-Außenministers und späteren Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel auch als außenpolitischer Berater wirkte, ist seine politische Heimat klar abgesteckt.

Dazu trägt auch bei, dass er laut einem Interneteintrag seit 1977 Mitglied der katholischen Studentenverbindung KHV Babenberg Wien im Österreichischen Cartellverband ist. Wie seinem zum Bundeskanzler avancierten Vorgänger Schallenberg wurde auch Linhart die Diplomatie quasi in die Wiege gelegt. Er kam am 31. August 1958 in Ankara zur Welt, weil sein Vater seinerseits in der türkischen Hauptstadt als Diplomat stationiert war.

Vor seiner Tätigkeit als Botschafter in Paris war Linhart ab 2013 Generalsekretär im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA), war damals also der ranghöchste Beamte im BMEIA. Bis dorthin hatte er nach der in Feldkirch (Vorarlberg) absolvierten Matura (1976) und dem Abschluss eines Studiums der Rechtswissenschaften (Promotion 1985) eine klassische, aber steile Laufbahn im Auswärtigen Dienst durchlaufen.

1986 trat Linhart in das Außenministerium ein und absolvierte Tätigkeiten in mehreren Abteilungen (OSZE, Konsularangelegenheiten, multilaterale Wirtschaftspolitik) sowie an der Botschaft in Addis Abeba (Äthiopien). Es folgten Zuteilungen an die Botschaften in Syrien (1988-1992) und Kroatien (1992-1995).

"Internationale Friedenseinsätze eine Visitkarte"

Nach dem Engagement im Büro von ÖVP-Minister Schüssel avancierte Linhart selbst zum österreichischen Botschafter in der syrischen Hauptstadt Damaskus (2000 - 2003). Damals trat er laut Medienberichten auch als Fürsprecher von Einsätzen des Bundesheers im Nahen Osten hervor. Die internationalen Friedenseinsätze" seien "eine wesentliche außenpolitische Visitkarte", kommentierte er etwa das Engagement österreichischer Soldaten am Golan zur Überwachung des Truppentrennungsabkommens zwischen Israel und Syrien. Der Einsatz wurde 2013 wegen einer Gewalteskalation in der Pufferzone beendet.

Ab 2003 übernahm Linhart bis 2007 die Agenden des Geschäftsführers der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenamt. "Vor allem in den Wirtschaftskooperationen wurden neue Akzente gesetzt", sagte er damals. Unter anderem seien Unternehmenspartnerschaften unter seiner Ägide auf Schienen gebracht worden.

Von 2007 bis 2012 war Linhart als Botschafter nach Athen entsandt, eher er in Wien zum Leiter der Sektion für Entwicklungszusammenarbeit und internationale Entwicklungspolitik bestellt wurde. Ab 2. Dezember 2013 war Linhart dann Generalsekretär im Außenministerium. Unter der FPÖ-Außenministerin Karn Kneissl (2017-2019) wurde er jedoch durch Johannes Peterlik ersetzt. Infolge trat er im Sommer 2018 den Posten als österreichischer Botschafter in Paris an.

Ein Privatleben führt Linhart abseits seiner Karriere natürlich auch. Seine Ehefrau ist laut BMEIA-Angaben Mittelschulprofessorin, zudem hat er zwei Töchter (Anna und Agnes) sowie einen Sohn (Johannes). Sein um rund ein Jahr jüngerer Bruder Markus Linhart (ÖVP) ist ebenfalls in türkis-schwarze Wolle gefärbt. Er war von 1998 bis 2020 Bürgermeister in Vorarlbergs Landeshauptstadt Bregenz. (apa)