Die Erhöhung des Familienbonus von 1.500 auf 2.000 Euro pro Kind und Jahr ab 1. Juli 2022 wird nach Berechnungen von EcoAustria bis 2025 6.400 Menschen in Beschäftigung bringen. Das Bruttoinlandsprodukt wird 2025 um 700 Millionen Euro höher sein aufgrund dieser Erhöhung. "Der Familienbonus ist ein Meilenstein", sagte Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna.

Schon bisher wurden mit dem Familienbonus Plus rund 950.000 Familien und etwa 1,6 Millionen Kinder im Ausmaß von 1,5 Milliarden Euro steuerlich entlastet. Zusätzlich zur Erhöhung des Familienbonus hebt die Bundesregierung auch den Kindermehrbetrag um 200 Euro auf 450 Euro pro Kind an. Mit dem höheren Familienbonus und dem Kindermehrbetrag werde eine Entlastung von insgesamt 600 Millionen Euro mehr pro Jahr erreicht, von der 1,75 Millionen Kinder profitieren, rechnete Raab vor. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass uns hier ein wirklich großer und wichtiger Schritt in der Entlastung der Menschen in Österreich gelungen ist", so die Ministerin.

Raab verteidigt Kurz

Die Familienministerin wies neuerlich den Vorwurf zurück, dass Sebastian Kurz als Außenminister im Jahr 2016 versucht hätte, den Ausbau der Nachmittagsbetreuung zu verhindern, um Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) den Erfolg zu vermasseln. "Dieser Vorwurf ist absolut haltlos und nicht durch Fakten belegbar. Es werden hier absichtlich verschiedene Aspekte miteinander vermischt und gezielt Unwahrheiten verbreitet", so Raab. In der Debatte sei es damals nicht um den Ausbau von Betreuungsplätzen gegangen, sondern um die Nachmittagsbetreuung an Schulen. "Die SPÖ wollte die Ganztagsschule einführen und wir waren dagegen." Insgesamt seien seit 2017 sogar 1,6 Milliarden Euro für die Tagesbetreuung bereitgestellt worden.

Kritik von FPÖ und Neos

FPÖ-Familiensprecherin Edith Mühlberghuber kritisierte die geplanten Entlastungen als zu gering."Die österreichischen Familien spüren gerade in dieser Pandemie, dass ihre monatlichen Fixkosten permanent steigen und der Anteil des verbleibenden Haushaltseinkommens immer mehr sinkt. So wäre eine gesetzliche Verankerung einer jährlichen automatischen Anpassung der Familienbeihilfe analog dem Pflegegeld an die Inflationsrate zur Abdeckung der ständig steigenden Lebenshaltungskosten ein Gebot der Stunde."

Neos-Familiensprecher Michael Bernhard reagierte auf die Aussagen von Ministerin Raab mit Kritik. "Die Familienministerin feiert es als großen Wurf, wenn sie Familien Cash in die linke Tasche steckt, das ihnen der Finanzminister davor aus der rechten Tasche gezogen hat, statt echte Wahlfreiheit zu schaffen. Bei den großen Brocken Anreiz zur Teilzeit und fehlende Kinderbetreuung geschieht nichts, im Gegenteil: Der Familienbonus setzt neuerlich Anreize für Teilzeitarbeit und im Budget sind keinerlei Mittel für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen."(apa)