Die Allgemeinmedizinerin Gabriele Sprickler-Falschlunger (65) ist am Samstag beim 44. ordentlichen Parteitag der SPÖ Vorarlberg nach dreijähriger Unterbrechung zum zweiten Mal zur Parteichefin der SPÖ Vorarlberg gewählt worden. Sie erhielt 115 von 162 Stimmen der Delegierten (70,99 Prozent). Damit überflügelte sie Klubobmann Thomas Hopfner (33 Stimmen) und die auch in der Partei eher unbekannte Angelika Mayr (14 Stimmen) klar.

Das Antreten Sprickler-Falschlungers war durch eine entsprechende Abstimmung beim Parteitag möglich geworden - sie hatte erst am vergangenen Montag bekannt gegeben, kandidieren zu wollen. 140 der 162 Delegierten hießen die Bewerbung der 65-Jährigen gut, erforderlich war eine Zweidrittelmehrheit.

Sprickler-Falschlunger hat die Partei bereits zwischen 2016 und 2018 geführt, ihre primäre Aufgabe war damals wie heute, innerparteiliche Konflikte auszuräumen und Gräben zuzuschütten. Nicht zuletzt geht es darum, bis zur Landtagswahl 2024 eine Persönlichkeit zu finden, die die SPÖ langfristig führen kann und will.

Eigentlich hatte Sprickler-Falschlunger ihre politische Karriere nach dem Votum 2019 beendet. Sie praktizierte – bis heute - weiter als Ärztin und blieb ein "politischer Mensch", wie sie selbst sagte. Die Vorgänge in der SPÖ Vorarlberg in den vergangenen Wochen und Monaten - offener Streit um den Parteivorsitz und Misstrauen - bewogen sie nun, den Schritt zurück in die Politik zu wagen. Der Wunsch aller in der SPÖ sei es, "uns endlich wieder auf Inhalte zu konzentrieren und persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen", konstatierte sie.

Suche nach Nachfolge

Sprickler-Falschlungers Begeisterung für die Sozialdemokratie entspringt ihrem Aufwachsen in einer Eisenbahner-Siedlung. "Mich erschüttert, dass nach wie vor vielfach die Herkunft entscheidet, was aus einem wird", erzählte sie einst im Gespräch mit der Austria Presseagentur. Schon ihr Vater Karl hatte es in den 1990er-Jahren bis an die Spitze der Vorarlberger Sozialdemokratie geschafft.

Sprickler-Falschlungers Parteimitgliedschaft geht auf das Jahr 1999 zurück, im Jahr darauf wurde sie Stadträtin in Dornbirn. 2009 kam sie in den Landtag, wo sie durch Kompetenz und Geradlinigkeit auffiel. Inhaltlich scheute sie keine Konfrontation, blieb hart und setzte sich zur Wehr, wenn sie sich persönlich angegriffen fühlte. Als ihr Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im Landtag "einfältige Argumentation" unterstellte, forderte sie eine Entschuldigung dafür: "Was glauben Sie eigentlich? Wo sind denn Sie sozialisiert?"

Mit derselben Resolutheit wird Sprickler-Falschlunger den Neuaufbau der Partei versuchen und eine Persönlichkeit für ihre Nachfolge bestimmen. Verbesserungspotenzial gibt es zuhauf. Seit der Landtagswahl 2019 stehen die Vorarlberger Sozialdemokraten bei 9,46 Prozent Stimmenanteil (vier Mandate), was eine Verbesserung gegenüber 2014 bedeutete. Lediglich vier von 96 Vorarlberger Bürgermeistern sind Sozialdemokraten. (apa)