Viel bescheidener als in Vor-Corona-Zeiten, aber ein wenig umfangreicher als noch im Vorjahr sind am Dienstag die Feierlichkeiten zum österreichischen Nationalfeiertag in Szene gegangen. Bei der traditionellen Angelobung der Rekruten waren heuer 100 Soldaten zugelassen, dazu gab es ein kleines Freiluft-Programm vor Innen- und Außenministerium und eine Impfaktion in der Hofburg. Auch die Corona-Maßnahmen-Gegner gingen auf die Straße. Politisch dominierten Impfung und Spaltung.

Beim Sonderministerrat gab es diesmal sogar einen Beschluss zu feiern. Im Innenministerium soll ein modernes, ressortübergreifendes Lagezentrum gebaut werden, das auch laufend Lagebilder erstellt. Ein eigener Regierungskoordinator soll sich außerdem im Bundeskanzleramt um Krisenvorsorge kümmern. Die Opposition reagierte für einmal vorsichtig positiv, der Bundespräsident sogar ausdrücklich erfreut.

Forsch ging Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) seine erste Ansprache zum Nationalfeiertag an, nahm er doch indirekt die FPÖ in die Pflicht. Wer glaube, sich bei der Bekämpfung der Pandemie einseitig aus der Verantwortung stehlen zu können, "der betrügt sich selber", mahnte der Kanzler. Es gehe um die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen. Er wäre froh, wenn auch staatspolitisch alle an einem Strang ziehen würden, "aber leider Gottes ist das noch nicht der Fall". FP-Generalsekretär Michael Schnedlitz replizierte, dass Schallenberg Opfer der eigenen Impf-Propaganda sei.

Koalitionsklima blieb nicht unerwähnt

Auch das Koalitionsklima blieb am Nationalfeiertag nicht unerwähnt. Natürlich müsse man aufeinander zugehen und man gehe "auf dünnem Eis, wenn einer aufstampft, dann sind wir beide im kalten Nass", befand der Kanzler. Gleichzeitig betonte Schallenberg aber, "der Wille ist da, von beiden Seiten, dass man zusammenarbeitet". Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) zeigte sich ebenso optimistisch, man habe eine sehr gute Kooperationsbasis aufgebaut. "Alle Achsen", ob zwischen Kanzler und Vizekanzler, den Klubobleuten oder auch den Parteichefs funktionierten.

Die Regierung war danach auch bei der traditionellen Kranzniederlegung am Äußeren Burgtor sowie bei der Rekruten-Angelobung am Heldenplatz präsent. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hob bei letzterer die Worte "Dem Land dienen" hervor. "Ich mag diesen Begriff, weil er von einer gewissen Demut getragen ist", meinte der Bundespräsident. Es gehe darum, anzuerkennen, dass es außerhalb der persönlichen Bedürfnisse noch einen höheren Zweck gebe, befand das Staatsoberhaupt nach den jüngsten turbulenten politischen Wochen. Bei seiner traditionellen TV-Ansprache will sich Van der Bellen gegen die Spaltung in der Gesellschaft wenden.

Publikum war auch in diesem Jahr kaum zugelassen, das Areal um den Festakt am Heldenplatz war abgesperrt. Ein paar Schaulustige fanden sich trotzdem ein. Dies war letztlich sogar ein Glück, da nur dank Kurzentschlossener das Kontingent von 300 Corona-Impfungen in der Hofburg komplett ausgeschöpft werden konnte. Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer öffneten persönlich die Tür im Schweizerhof für die wartenden Besucher. Auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) schaute vorbei und freute sich, dass sich so viele Menschen "dem Charme des Bundespräsidenten nicht entziehen konnten".

Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen

Definitiv keine Lust auf einen Besuch in der "Impfburg" hatten jene Demonstranten, die einmal mehr gegen die Corona-Maßnahmen durch die Stadt zogen. Laut Polizei waren es rund 1.700 Teilnehmer. Geschwenkt wurden am Nationalfeiertag sowohl österreichische als auch deutsche Flaggen. Aus Lautsprechern ertönte der FPÖ-Wahlkampf-Klassiker "Immer wieder Österreich" von John Otti. (apa)