6.102 Corona-Infektionen sind in Österreich in 24 Stunden registriert worden. Das ist der höchste Wert seit fast einem Jahr, als am 21. November 2020 mehr als 6.500 neue Fälle gemeldet wurden. Die meisten positiven Tests kamen mit 1.892 in Oberösterreich hinzu, ebenfalls vierstellig liegt Niederösterreich mit 1.076 Ansteckungen. 745 Neuinfektionen sind es in Wien, 742 in der Steiermark, 534 in Tirol, 367 in Salzburg, 358 in Kärnten, 260 in Vorarlberg und 128 im Burgenland.

Zwölf Todesfälle wurden von Freitag auf Samstag gemeldet. Im Krankenhaus lagen zu Beginn des verlängerten Wochenendes 1.406 Personen, das sind 36 mehr als am Vortag. 273 Menschen werden auf Intensivstationen betreut. Diese Zahl sank im Tagesvergleich um sieben Betroffene, ist aber innerhalb einer Woche um 46 Patienten gestiegen.

Verschärfungen kommen

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hat indessen im Ö1-"Journal" am Samstag neuerlich erklärt, er rechne damit, dass bereits Ende kommender Woche/Anfang übernächster Woche 400 Corona-Patienten auf den Intensivstationen liegen. Ab dann tritt Stufe 3 des Fünf-Stufenplans in Kraft und damit die 2,5G-Regel für alle 3G-Bereiche. Auch die Stufe 2, die eigentlich erst sieben Tage nach Erreichen von 300 Covid-19-Intensivpatienten schlagend werden sollte, würde dann sofort in Kraft treten.

Mückstein hatte bereits am Vorabend in der ORF-"Zeit im Bild" erklärt, er rechne mit Überschreiten der 400-Intensivpatienten-Marke Ende kommender Woche. Im Ö1-Radio untermauerte er am Samstag diese Erwartungshaltung: "Wichtig ist, dass wir reagieren, wenn die Intensivstationen zunehmend ein Problem bekommen. Das heißt, wir wissen, dass die Zahlen auf den Intensivstationen steigen, wir haben jetzt knapp 300 auf den Intensivstationen. Das heißt, hier wird die Stufe zwei ausgelöst (bei Überschreiten von 300 Corona-Patienten, Anm.) - mit einer Woche Verzögerung. Und wir wissen auch, dass wir wahrscheinlich Ende nächster Woche, Anfang übernächster Woche bereits die 400-Bettenauslastung auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten erreichen werden."

2,5G am Arbeitsplatz

Man habe sich in der Bundesregierung darauf verständigt, dass (bei Erreichen von 400 Corona-Intensivpatienten) die beiden Stufen zusammengezogen werden. Laut dem aktuellen Stufenplan würden Stufe zwei ja erst sieben Tage nach Erreichen von 300 Corona-Intensivpatienten in Kraft treten. Mit dieser Stufe gilt dann in der Nachtgastronomie (und "ähnlichen Settings") sowie bei Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze mit mehr als 500 Personen eine 2G-Regel, das heißt nur mehr Geimpfte oder Genesene haben dort Zutritt. Außerdem sind in Stufe zwei Antigentests mit Selbstabnahme ("Wohnzimmertests") österreichweit nicht mehr als Nachweis für Bereiche mit 3G-Eintrittsregel gültig.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein nennt die Aussagen von Herbert Kickl "brangefährlich". 
- © apa / Michael Gruber

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein nennt die Aussagen von Herbert Kickl "brangefährlich".

- © apa / Michael Gruber

Sollte aber schon vor Ablauf der genannten sieben Tage die 400er-Marke überschritten werden und damit (wie im Stufenplan vorgesehen) sofort Stufe 3 ausgelöst werden, tritt gleichzeitig auch Stufe 2 in Kraft, hieß es auf APA-Nachfrage aus dem Gesundheitsministerium. Neben den Maßnahmen der Stufe 2 kommt es laut dem Stufenplan in ganz Österreich dann in sämtlichen 3G-Bereichen zu einer 2,5G-Regel. "Da wird dann nur mehr ein PCR Test als Eintritt gelten", sagte Mückstein.

Dies gelte auch für den Arbeitsplatz, wo ab 1. November die 3G-Regel greift. Nach Ablauf der geplanten 14-tägigen Übergangsfrist, während der alternativ zum Test noch FFP2-Masken am Arbeitsplatz akzeptiert werden, gilt dann ab 15. November eine 2,5G-Regelung am Arbeitsplatz.

Mückstein über Kickl: "Brandgefährlich"

Als "definitiv gefährlich" bezeichnete Mückstein im "Mittagsjournal" die Aussagen von FPÖ-Chef Herbert Kickl, der erst Anfang dieser Woche das Anti-Wurmmittels Ivermectin, das etwa für Pferde eingesetzt wird, als mögliches Medikament empfohlen hatte. "Das ist definitiv gefährlich", so Mückstein. Es gebe für das Präparat von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA keine Zulassung, und es sei bekannt, dass eine derart hohe Dosis zur Bekämpfung von Covid-19 notwendig wäre, "dass es toxisch ist". "Das ist brandgefährlich" - genauso wie die Aussagen, dass etwa Spurenelemente gut wirken würden.

Gefragt, ob er mit Kickl diesbezüglich das Gespräch suchen will, sagte Mückstein, er habe sich das tatsächlich überlegt. "Ich werde Kontakt mit ihm aufnehmen, weil ich glaube, dass das tatsächlich brandgefährlich ist für unsere Gesellschaft." Grundsätzlich will der Minister weiterhin verstärkt auf Aufklärung hinsichtlich der Impfung setzen: "Wir brauchen jeden Stich", sagte er.

Niederösterreich verschärft ab 8. November

Niederösterreich ist indessen am Samstag dem Vorbild mehrerer anderer Bundesländer gefolgt und hat Verschärfungen der Corona-Maßnahmen angekündigt. Wie LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) per Aussendung mitteilten, ist für die Nachtgastronomie und bei Großveranstaltungen ab 500 Personen ab dem 8. November 2G-Pflicht vorgesehen. Die Bereiche können also ab diesem Zeitpunkt nur geimpft oder genesen betreten werden.

Ebenfalls ab dem 8. November kommt eine FFP2-Maskenpflicht für alle im gesamten Handel sowie in Museen und Bibliotheken. Begründet wurde der Schritt unter anderem mit der Lage in den Spitälern. "Nach Aussagen von unseren Verantwortlichen in der niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur kann aktuell für manche Bereiche nicht mehr ausgeschlossen werden, dass in absehbarer Zeit Routineoperationen verschoben werden müssen", führte Landesvize Pernkopf ins Treffen.

In Vorarlberg soll die Corona-Lage hinsichtlich neuer Verschärfungen Anfang der Woche neu beurteilt werden. Dies hänge von der Entwicklung der Sieben-Tages-Inzidenz sowie von der Situation in den Spitälern ab, sagte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) dem ORF Vorarlberg am Samstag. Auf den Intensivstationen könne derzeit kein Anstieg beobachtet werden, sehr wohl aber auf den Normalstationen. Sollte man sich im Vorarlberger Landhaus für weitere Maßnahmen entscheiden, werde man sich an jenen orientieren, die bereits andere Bundesländer geplant haben. Die genaue Ausgestaltung hänge jedoch von den Vorarlberger Corona-Zahlen ab, kündigte Rüscher an.

Im Burgenland sind vorerst keine Verschärfungen geplant. Die Belegung der Intensivstationen halte sich derzeit noch in Grenzen. Man werde die Situation aber genau im Auge behalten, hieß es aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). (apa/red)

Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde gegenüber der Erstversion um die Aussagen Mücksteins über Kickl sowie die neuen Maßnahmen in Niederösterreich ergänzt.