Die Dissonanzen in der SPÖ zwischen Wien und Eisenstadt gehen in eine neue Runde. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) kommt Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner in die Quere. Er rief dazu auf, sich auf vorgezogene Neuwahlen auf Bundesebene im ersten Halbjahren 2022 einzustellen. Zugleich betonte er, "keine Personaldebatte lostreten" zu wollen.

Vor Journalisten stellte sich Doskozil gegen die Linie der Bundes-SPÖ. Diese ist angesichts der Corona-Pandemie gegen eine Neuwahl. Das hat SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch via Austria Presseagentur bekräftigt. Zuvor hatte sich am Vormittag Burgenlands SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst für Neuwahlen 2022 ausgesprochen. Wiens Bürgermeister SPÖ-Landeschef Michael Ludwig bekräftigte seine Absage an Neuwahlen ebenfalls mit dem Hinweis des notwendigen Kampfes gegen die Pandemie.

Spitzenkandidatur offen

Zur Frage nach einer Spitzenkandidatur hielt sich Doskozil am Nachmittag in Eisenstadt bedeckt. Nur soviel: Dass die Sozialdemokratie noch eine so starke Partei sei, "dass sie weiß wie und mit wem sie Wählen gewinnt", meinte der SPÖ-Landeschef. Es geht für ihn aber nicht nur um die Spitzenkandidatur, sondern auch die Inhalte.

Die SPÖ müsse auch mit dem Anspruch antreten, stärkste Partei zu werden, erklärte Doskozil. Warum er mit Neuwahlen in der ersten Hälfte 2022 rechnet, begründete er mit dem Hinweis, dass noch mehr bei den Vorwürfen gegen die ÖVP und Parteichef und Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz zu erwarten sei. Das Machtzentrum habe sich lediglich vom Kanzleramt zum ÖVP-Klub verlagert. Vor allem aber werde durch bessere Umfragedaten der Grünen als Koalitionspartner der ÖVP der Druck auf Bundesebene steigen.