"Werden Straßen ausgebaut, nimmt der Kfz-Verkehr zu. Wird die Schiene ausgebaut, fahren mehr Menschen mit der Bahn. Wird die Rad-Infrastruktur verbessert, wird mehr Rad gefahren", fasst VCÖ-Experte Michael Schwendinger die heute veröffentlichten VCÖ-Studie "Infrastrukturen für die Verkehrswende" zusammen. Allein bei den Autobahnen und Schnellstraßen hätten sich die Erhaltungskosten von 284 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 527 Millionen im Jahr 2020 fast verdoppelt.

Er rechnet vor: Österreich wird von rund 126.000 Kilometer Straßen durchzogen. 2.257 Kilometer davon sind Autobahnen und Schnellstraßen, fast 34.000 Kilometer Landesstraßen und rund 90.000 Kilometer Gemeindestraßen. Dem gegenüber stehen rund 5.600 Kilometer Schiene. "Während zwischen 2000 und 2021 das Autobahn- und Schnellstraßennetz um rund 320 Kilometer länger und auch deutlich breiter wurde - der Anteil der Strecken mit drei oder mehr Spuren pro Fahrtrichtung stieg von 5 auf 18 Prozent - schrumpfte das Schienennetz im gleichen Zeitraum um 535 Kilometer", so Schwendinger.

Schwendinger verweist auf Berechnungen des Umweltbundesamtes: Die mit Pkw zurückgelegten Personenkilometer müssen zur Erreichung der Klimaziele bis zum Jahr 2040 um rund ein Viertel im Vergleich zum Jahr 2018 reduziert werden. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahrenen Kilometer um die Hälfte von 27 auf 40 Prozent zu erhöhen und der Anteil der aktiven Mobilität von drei auf sechs Prozent zu verdoppeln.

Bezogen auf die zurückgelegten Wege müsste der Anteil des Öffentlichen Verkehrs von 16 auf 23 Prozent steigen und der Anteil von Gehen und Radfahren von 23 auf 35 Prozent. Der Anteil der Autofahrten sei von 61 auf 42 Prozent zu reduzieren, um das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 zu erreichen.

Angebot bestimmt Nachfrage

Das Infrastruktur-Angebot bestimmt die Nachfrage. Ausbau des Schienennetzes, häufigere Verbindungen und eine kürzere Reisezeit führen zu einem Umstieg vom Auto auf die Bahn und zu mehr Fahrgästen. In der Schweiz nahm das Angebot von Bahn, Straßenbahn und Linienbus um rund 40 Prozent seit dem Jahr 2000 zu. Im gleichen Zeitraum sind die Fahrten mit dem Öffentlichen Verkehr um das Eineinhalbfache gestiegen, die Anzahl der Generalabonnements hat sich auf fast eine halbe Million verdoppelt. Das gleiche gilt für die Radinfrastruktur: Ausbau und Verbesserung sowie mehr Platz für das Radfahren erhöhen den Anteil des Radverkehrs. (apa, red)