Ihre "Vision" war an sich, erste weibliche Bürgermeisterin in Graz zu werden. Daraus wird nichts, denn das wird die Kommunistin Elke Kahr, die am kommenden Mittwoch zur Grazer Bürgermeisterin gewählt werden soll. Die bisherige FPÖ-Gemeinderätin Claudia Schönbacher wird aber neue Grazer FPÖ-Stadtparteichefin und Stadträtin. 

Die nach der Niederlage bei der Gemeinderatswahl am 26. September und nach der Finanzaffäre arg gebeutelte Grazer Stadtpartei hat damit eine Personalentscheidung getroffen. Die Gremien wählten Mittwochnacht Schönbacher, die Nummer drei der Gemeinderatskandidatenliste, zur blauen Stadtparteichefin. Sie wird auch den durch den Rücktritt des bisherigen Parteichefs Mario Eustacchio freigewordene Stadtsenatssitz übernehmen, wie ein Grazer FPÖ-Sprecher am Donnerstag der APA bestätigte.

Schönbacher war Mittwochnacht in einer fünf Stunden dauernden Sitzung zur neuen interimistischen Stadtparteiobfrau gewählt worden. Über den Grad der Zustimmung in der Abstimmung gab es keine Angaben. Sie soll beim nächsten regulären Stadtparteitag im Februar oder März 2022 bestätigt werden.

Die kommende Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ hatte am Dienstag die Ressortzuteilungen bekanntgegeben. Die FPÖ wurde dabei ziemlich gerupft, ihr blieb lediglich das Bürgeramt, das nun aufgrund der Proporzregelung Schönbacher übernehmen wird. Vizebürgermeister Eustacchio, der bis zur konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 17. November noch im Amt bleibt, hatte seit 2017 u.a. die Magistratsdirektion, die Ordnungswache, das Personalamt, das Bürgeramt, das Gesundheitsamt, die Wohnen Graz und das Amt für Wohnungsangelegenheiten unter sich.

Auch neuer FPÖ-Klubchef bestellt

Schönbacher hatte u.a. im Wahlkampf in Vertretung von Sippel für die FPÖ das Fairnessabkommen inklusive einer Beschränkung der Wahlkampfkosten auf höchstens 400.000 Euro unterschrieben. Die ÖVP war dem als einzige Partei nicht beigetreten.

Schönbacher ist 1975 in Graz geboren, sie ist ausgebildete Friseurin und Lehrlingsausbilderin. Die verheiratete Politikerin, die einen Sohn hat, ist in der Wirtschaftskammer tätig und Mitglied des Landesparteivorstandes der FPÖ Steiermark.

Die Agenden des Grazer FPÖ-Klubobmanns wird Alexis Pascuttini (25) von Armin Sippel übernehmen. Der studierte Jurist Pascuttini, FPÖ-Bezirksobmann von Gösting, war auf Platz acht der Gemeinderatswahlliste. In Gösting ist er bisher stellvertretender Bezirksvorsteher gewesen. (red./apa)