1.300 Polizisten aus Wien und den Bundesländern stehen bereit, bis zu 10.000 Teilnehmer werden erwartet: Am morgigen Samstag kommt es in Wien zur Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, zu der die FPÖ aufgerufen hat. FPÖ-Parteiobmann Herbert Kickl wird - außer es passiert ein Wunder - nicht physisch dabei sein, weil er nach einer Corona-Infektion in Quarantäne ist.

Die derzeit ständig neuen Rekordzahlen an Corona-Neuinfektionen, der Konflikt in der türkis-grünen Bundesregierung um einen Lockdown auch für Geimpfte und die dramatische Lage in den Intensivstationen der Spitäler haben zwar die FPÖ-Querschüsse stark in den Hintergrund gedrängt. Dass Kickl Anfang November im Rahmen des von ihm propagierten "Plans B" auch "frühzeitige Behandlungen" empfohlen und dabei unter anderem das Entwurmungsmittel Ivermectin erwähnt hat, blieb aber nicht ohne Konsequenzen.

Nach Warnungen von Experten und von der Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich am Mittwochabend sogar der Hersteller des Medikaments, MSD, selbst den massiven Vorbehalten angeschlossen. In einer Aussendung des Arzneimittelherstellers hat sich dieser "im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen klar gegen die Einnahme von Ivermectin (Stromectol) bei Covid19" ausgesprochen.

Eine "Ohrfeige" des Ärztekammerpräsidenten

Der FPÖ-Obmann hat nach der Übernahme des Postens von Norbert Hofer heuer im Juni die Angriffe gegen die Bundesregierung noch verstärkt. Dies ganz offensichtlich in der Hoffnung, damit jene Menschen anzusprechen, die Corona-Impfungen und der Regierungslinie äußerst kritisch gegenüberstehen. Bei der Demonstration am Samstag hält das Innenministerium aber auch die Teilnahme von Rechtsextremen für wahrscheinlich.

Unmissverständliche Kritik an Kickl hagelte es von Ärztevertretern. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres wertete dessen Äußerungen als "schallende Ohrfeige" für das Spitalspersonal: "Es ist purer Hohn und Missachtung ihrer Leistung, wenn sie von Politikern, die noch nie einen Patienten behandelt haben, via Medien Behandlungsempfehlungen zugerufen bekommen."

Schon davor hatte der steirische Ärztekammerchef Herwig Lindner in einer Aussendung diagnostiziert: "Die Quacksalberei-Vorschläge von FPÖ-Obmann Kickl können Menschenleben gefährden." Dessen "Plan B" stehe für "bescheuert, für einen Teil der von Corona betroffenen Menschen ist es aber auch bedrohlich", warnte der Infektiologe. Manche Experten meinen aber, dass Kickl gerade mit diesen Aussagen den Bogen bei manchen Skeptikern überspannt habe.

Dass Ivermectin im Klinikum Rohrbach im Mühlviertel zum Vergiftungstod von Patienten geführt haben soll, wie das in Sozialen Medien verbreitet wurde, ist von Oberösterreichs Gesundheitsholding als unrichtig dementiert worden. Vielmehr hätten die Familienmitglieder im Krankenhaus ihre schwere Corona-Erkrankung damit begründet, dass sie zu wenig von dem Entwurmungsmittel eingenommen haben. Das passierte vor eineinhalb Wochen. Zwei Mitglieder der Familie starben, zwei überlebten die Infektion laut Gesundheitsholding.

Kopfschütteln über
häufige Verschreibung

In Oberösterreich erfreut sich Ivermectin offenbar besonderer Beliebtheit. Die Apothekerkammer berichtete, das Anti-Wurmmittel sei immer wieder ausverkauft. Seither schütteln Experten den Kopf, weil das Mittel rezeptpflichtig ist und daher von Ärzten verschrieben werden muss.

In Oberösterreich ist die FPÖ Koalitionspartner der ÖVP. Vizelandeshauptmann FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner musste nach einer Covid-Erkrankung selbst im Frühjahr im Spital intensiv behandelt werden. Er rüttelt dennoch an Corona-Maßnahmen wie dem Lockdown für Ungeimpfte, den er juristisch prüfen lassen will. In Oberösterreich wird dieses Vorgehen in Teilen der Bevölkerung und nicht nur bei SPÖ, Grünen und Neos nicht goutiert.

Der FPÖ-Parlamentsklub marschiert auch in Kickls Abwesenheit auf dessen Marschroute gegen die Regierungsmaßnahmen. Wenige blaue Abweichler sind bekannt wie FPÖ-Funktionär Michael Wagner aus Bad Gleichenberg. Dieser musste laut "Krone" nach einer Covid-Erkrankung im Spital Feldbach um sein Leben kämpfen. Er appellierte, Covid könne "extrem zuschlagen", er wolle sich jedenfalls impfen lassen.