Ein Dutzend Schülerinnen schlendert gemütlich auf dem Gehsteig in Richtung des Eingangs der Mittelschule im 17. Wiener Gemeindebezirk. Ihr Klassenkollege, der allein aus der anderen Richtung zum Schultor kommt, wird wie sonst auch immer begrüßt: noch ein bisschen müde statt putzmunter, aber mit grinsenden, freudigen Gesichtern. Der Unterrichtsbeginn am Montag, dem ersten Tag des Lockdowns bis 12. Dezember, war da nicht anders als jeder sonstige Schultag.

In der Wiener Bildungsdirektion wurde Montagmittag eine erste Bilanz gezogen. Demnach sind am ersten Tag des Lockdowns zwsichen 70 und 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler anwesend, wurde der "Wiener Zeitung" mitgeteilt. Das sei je nach Schulstandort unterschiedlich. Es gebe eben auch Abmeldungen vom Präsenzunterricht an Schulstandorten.

Nach einem ersten Überblick des Bildungsministerium sind am Montag rund 75 Prozent der Schüler in den Schulen anwesend. Das waren im Schnitt demnach drei von vier Schülerinnen und Schülern.

In Salzburg nur die Hälfte anwesend

In zwei Bundesländern gab es aber doch deutlich, wie im Büro von Bildungsminister Heinz Faßmann der "Wiener Zeitung" erläutert wurde: in Salzburg waren rund die Hälfte der Schüler anwesend, in Oberösterreich waren es 60 bis 70 Prozent. Der Grund dafür dürfte sein, dass es in diesen beiden Ländern besonders viele Corona-Neuinfektionen auch im Schulbereich gibt.

Freilich war die Präsenz je nach Schulstandort ganz unterschiedlich. In einer Klasse einer Höheren Schule in Wels fehlten nur vier Schüler. Gleichzeitig gab es etwa die Mitteilung, dass an einer Schule im 15. Wiener Bezirk eine ganze Klasse nach mehreren positiven Fällen in Quarantäne war.

Änderung im Laufe der Woche möglich

Möglicherweise sind aber am Montag auch mehr Schüler in den Schulen, weil es sich um den Übergangstag handelt. Das bedeutet, dass etwa Schulunterlagen abgeholt worden. Schon im Laufe dieser Woche könnte sich die Zahl der anwesenden Schüler ändern, war aus Oberösterreich zu erfahren.

Den Eltern und Schülern war grundsätzlich die Wahl gelassen worden, ob die Schulkinder an diesem 22. Novermber 2021 in die Schulen kommen. Bildungsminister Heinz Fassmann hatte aber bundesweit für die mehr als 5800 Schulstandort grundsätzlich Präsenzunterricht "nach Stundenplan" angeordnet, Bundesregierung und vor allem auch die Landespolitiker in Oberösterreich und Salzburg hatten aber Mütter und Väter eindringlich aufgerufen, ihre Schulkinder wegen der vielen Corona-Infizierten in den Schulen lieber daheim zu lassen, sofern das möglich sei.

Ein großer Teil der Schüler kam, soweit das Bild am Morgen des ersten Lockdowntages für die "Wiener Zeitung" zeigte, dennoch zum Präsenzunterricht statt daheim zu bleiben. In der Mittelschule in Wien-Hernals war das nicht anders. Die Schulen seien "offen für alle, die das brauchen", hatte der Bildungsminister schon am Freitag nach der Verkündung des Lockdowns für alle durch die türkis-grüne Bundesregierung versichert. Der stämmige Schüler der Mittelschulabschlussklasse in Hernals war überzeugt, dass er die Anwesenheit und seine Lehrer braucht: "Meine Noten sind nicht so gut."

Abwägung bei den Eltern

Eltern, Lehrergewerkschafter, aber auch andere Personen haben sich geärgert, dass die Bundesregierung die Entscheidung über Präsenzunterricht oder Daheimbleiben in erster Linie den Müttern und Vätern zugeschanzt hat. Bei Direktorinnen und Direktoren kam noch dazu, dass über das Wochenende die Eltern informieren sollten.

Bei vielen Eltern und Schülern dürfte die Sorge, ihre Schulkinder könnten ohne Anwesenheit zuviel Lernstoff verpassen den Ausschlag gegenüber den Ängsten vor einer möglichen Corona-Infektion überwogen haben. Auch der Freund des Mittelschülers in Hernals sagt eindeutig: "In der Schule zu sein ist besser als Homeschooling." Wobei, flächendeckender Heimunterricht ist im Gegensatz zu den österreichweiten coronabedingten Schulschließungen im vergangenen Schuljahr gar nicht erlaubt.

Ermahnung an Oberösterreichs Direktoren

In Oberösterreich musste Bildungsdirektor Alfred Klampfer in einem eilig am Sonntag verschickten Rundschreiben an die Schulleiter eigens daran erinnern. Dort war von manchen Direktoren nämlich gleich Distance learning angekündigt worden, was Empörung bei Eltern ausgelöst hatte.

"Der Großteil der Schüler ist da", berichtete auch der Direktor einer Höheren Schule in Wien-Liesing schon knapp nach Unterrichtsbeginn Montagfrüh der "Wiener Zeitung". Die PCR-Tests an den Wiener Schulen würden "schon sehr viel bringen", um Corona-infizierte Schüler herauszufinden, betonte er. Die Lehrer an seiner Schule seien ohnehin zu fast hundert Prozent geimpft, strich er darüber hinaus hervor.

Schularbeiten und Tests würden auch stattfinden, erklärte der Schulleiter aus Liesing. Zwar hat das Bildungsministerium "grundsätzlich" empfohlen, Schularbeiten nicht während des Lockdowns bis 12. Dezember abzuhalten. Aber zugleich wurde auch betont, dass dies jeder Schulstandort nach epidemologischer Lage - also der Zahl der wegen Erkrankung fehlenden Schüler - entscheiden könne.

Dennoch sorgte gerade die Frage Schularbeiten oder nicht über das Wochenende für Kopfzerbrechen in so manchen Schulen und bei etlichen Lehrerinnen und Lehrern. Diese kämpften mit dem Problem, dass es knapp vor Weihnachten und in der knappen Zeit im Jänner bis zum Semesterende schon kaum mehr Alternativtermine für Schularbeiten gab.

Auch in Volksschulen wurde in einem ersten Überblick ein großer Teil der Kinder in die Schule zum Präsenzunterricht geschickt. Teilweise war es sogar die ganze Schulklasse.

Ärger über "politisches Missmanagement"

Der Lockdown hielt aber auch die Lehrergewerkschafter auf Trab. Die schwarzen Christgewerkschafter verwiesen in einem Rundschreiben in allen Bundesländern ausdrücklich darauf, dass es keine Verpflichtung gebe, Lernpakete zu korrigieren. Die rote Lehrergewerkschaftsfraktion griff den von der ÖVP gestellten Bildungsminister an und warf diesem "politisches Missmanagement" in den Schulen beim neuerlichen Lockdown vor. Auch die Schule könne "in einer Pandemie dem Wunschkonzert von Politik und Gesellschaft nicht Folge leisten", heißt es in einem Schreiben an die Direktoren.

In den Schulen selbst war man, wie der Lokalaugenschein zeigte, besonders auf die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen bedacht. "Wo ist die Maske", machte eine Lehrerin am Schuleingang der Mittelschule in Hernals einen Burschen aufmerksam, seine schwarze Schutzmaske über Mund und Nase zu ziehen. Mit der Sprühflasche in der Hand wurden die Hände aller Mittelschülerinnen und Mittelschüler beim Eintritt in das Schulgebäude desinfiziert.

Eine Zeichnung in einem der Schaukästen neben dem Eingang passt dazu. Neben etlichen Schülerzeichnungen herbstlich-bunter Blätter sticht ein Blatt mit FFP2-Schutzmaske hervor. "Bei uns gilt Maskenpflicht", steht daneben, "fighting virus".