In den vergangenen Sommerferien erreichte die Diskussion ihren Höhepunkt. Nach wachsendem Druck von Seite der Eltern und der Lehrergewerkschafter hat Bildungsminister Heinz Faßmann dann vor dem Beginn des Schuljahres 2021/22 im September grünes Licht für die Ausstattung von Klassenräumen mit Luftfiltern im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona-Infektionen in Schulen gegeben. Nach Ansicht der SPÖ aber nicht in ausreichendem Maß.

Aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPÖ an Bildungsminister Faßmann geht hervor, dass in den Bundesschulen 777 Klassenräume mit Luftfiltergeräten ausgestattet wurden, das entspricht einem Anteil von 6,2 Prozent, wobei größere Klassenräume zum Teil mit mehreren Geräten bestückt werden mussten. Damit soll in den betroffenen Räumen dafür Vorkehrung für entsprechende Frischluft gesorgt werden, auch wenn sich die Fenster in den Klassenzimmmern nicht öffnen lassen. Keine Angaben finden sich zu Pflichtschulen, also Volks- und Mittelschulen.

"Es wurde nicht alles unternommen"

Petra Vorderwinkler, die Bildungssprecherin der SPÖ im Nationalrat, bewertet den Umstand, dass in nur gut sechs Prozent der Klassen von Bundesschulen Luftfiltergeräte aufgestellt wurden kritisch. "Es wurde eben nicht alles unternommen, um die aktuelle Chaossituation an Österreichs Schulen zu verhindern", ließ sie die "Wiener Zeitung" wissen. Während es bei der Wirtschaft von Seiten der ÖVP immer heiße "koste es, was es wolle", heiße es bei den Schulen immer nur "Hauptsache, es kostet nix".

Für die Maßnahme waren von Bildungsminister Faßmann im August dieses Jahres zehn Millionen Euro budgetiert worden. Von vorneherein wurden aber praktisch alle Klassenräume mit Fenstern, die man öffnen kann, von dem Vorhaben ausgeklammert. In einer der größten HTL Österreichs, dem TGM in Wien, wurden allerdings beispielsweise auch in Klassenzimmern mit Fenstern Luftfiltergeräte aufgestellt, weil diese kaum geöffnet werden können.

Das Bildungsministerium hat als Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus Stoßlüften in Räumen mit Fenstern empfohlen. Dagegen gibt es auch von SPÖ keinen Widerspruch. Allerdings wird das Öffnen der Fenster in der kalten Jahreszeit als Problem angesehen.

In manchen Schulen und Klassen ist es schon vor dem seit Montag geltenden Lockdown zu besonders vielen Fällen von Coronainfektionen gekommen. Bei den Sechs- bis 14Jährigen, bei denen Kinder bis zum zwölften Lebensjahr nicht geimpft werden konnten, war die Inzidenz zuletzt doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung.

Die SPÖ-Bildungssprecherin führt das auf Versäumnisse schon im Laufe des Sommers zurück. Während Bildungsminister Faßmann die Schulen wegen der vielen Coronatests grundsätzlich als "kontrollierte Orte" betrachtet und deswegen auch den Präsenzunterricht nach Stundenplan bis zum Ende des Lockdowns am 12. Dezember verteidigt, kritisiert Vorderwinkler, dass es - außerhalb Wiens - nur ein- statt dreimal PCR-Tests an den Schulen gebe.