Der Lockdown für alle in Österreich hat jetzt auch Folgen für die katholische Kirche, die über die Einschränkungen zum Schutz während der Gottesdienste hinausgeht. Österreichs Bischöfe haben um die Verlegung des sogenannte Ad-limina-Besuchs im Vatikan, der am kommenden Montag begonnen hätte geboten, der Heilige Stuhl ist dem am Dienstag nachgekommen.

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, hat am Vormittag in einer Kathpress-Aussendung informiert, dass man Papst Franziskus um eine Verschiebung bitten werden. Der sogenannte Ad-limina-Besuch in Rom ist im Kirchenrecht verpflichtend vorgeschrieben. Dabei wird Auskunft über die Situation der katholischen Kirche durch die Bischöfe gegeben. Der bisher letzte derartige Besuch beim Papst durch Österreichs Bischöfe fand im Jänner 2014 statt. Die Visite musste bereits einmal im Februar dieses Jahres wegen der Pandemie verschoben werden.

"Bei den Menschen im Land bleiben"

Erzbischof Lackner begründete die neuerliche Verschiebung mit dem seit Montag verhängten Lockdown für alle in Österrreich. Da die Situation dadurch "sehr angespannt ist, wolle wir Bischöfe jetzt als Zeichen der Verbundenheit im Land bei den Menschen bleiben", teilte der Vorsitzende der Bischofskonferenz mit. Österreichs Oberhirten haben sich diesbezüglich am Montagabend in einer Videokonferenz abgestimmt.

Bei der Visite in Rom wären auch unerfreuliche Tatsachen Thema gewesen. Dazu zählen die anhaltenden Kirchenaustritte und die Vorgänge in der Diözese Klagenfurt-Gurk.

Den Bischöfen bereitet aber auch die Konfrontation in der Gesellschaft um die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung Sorge. "Bleiben wir daher einander gewogen trotz aller Gereiztheit, stehen wir einander helfend bei und handeln wir so, dass wir nach der Pandemie einander noch in die Augen schauen können", appellierte Erzbischof Lackner.

Am Nachmittag erhielt der Vorsitzende der Bischofskonferenz die erwartete Zustimmung des Heiligen Stuhls zur Verschiebung der Rom-Visite. Man werde nun einen neuen Termin suchen, der wohl 2022 sein werde. Unterstützung kam auch von Wiens Kardinal Erzbischof Christoph Schönborn. In der derzeit belastenden Situation sei es notwendig, zusammenzustehen, meinte er via Twitter. (red./ag.)