Hunderte Schüler und Pädagogen sind wegen einer Corona-Infektion erkrankt oder zumindest daheim in Quarantäne. Den Vorsitzenden des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrer, Thomas Krebs, hat es selbst erwischt. Die Corona-Lage habe die Lage für die Lehrer vor allem an Volks- und Sonderschulen, aber auch an Mittelschulen "massiv verschärft", sagt er im Telefonat mit der "Wiener Zeitung". In Wien gehe es nicht mehr um einen Personalmangel. "Wir sprechen von einem Personalnotstand", sagt der Christgewerkschafter (FCG).

Der bis 12. Dezember bundesweit verhängte Lockdown strapaziert nicht nur die Nerven der Eltern und belastet die 1,1 Millionen Schüler in Österreich. Nicht nur in Wien, sondern auch in Oberösterreich und Kärnten sind die Lehrer durch Ausfälle zusätzlich stark gefordert. "Sie gehen wirklich am Zahnfleisch", formuliert Krebs.

Erschwerend kommt hinzu, dass Direktoren wie auch Lehrer schon seit März 2020 mit Corona-Schutzmaßnahmen, Heimunterricht und Tests unter Druck sind. "Man merkt auch hier die körperliche und psychische Belastung", bilanziert der Wiener Pflichtschulgewerkschafter.

So gebe es in Wien eine Volksschule, in der ein Drittel der Klassenlehrerinnen coronabedingt ausfalle. Gerade beim System der Klassenlehrer in Volksschulen macht sich jeder Ausfall besonders stark bemerkbar. So manchen Lehrervertreter kostet deswegen die von Bildungsminister Heinz Faßmann und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein für die kommenden Tage angekündigte Corona-Sonderregel ein eher müdes Lächeln.

Einigung auf Bundesebene

Auf Bundesebene hat man sich verständigt, dass künftig schon bei zwei Corona-Fällen in einer Schulklasse die Schüler in Quarantäne und damit Heimunterricht geschickt werden. Denn grundsätzlich bleibt bundesweit der von Faßmann angeordnete Präsenzunterricht nach Stundenplan während des Lockdowns aufrecht.

Von Seiten der Lehrer wie auch von Personalvertretern wie Krebs wird darauf verwiesen, dass das hohe Durchschnittsalter der Lehrer österreichweit, aber auch in Wien, wegen der stärkeren Corona-Gefährdung mit steigendem Alter manch zusätzlichen Ausfall zur Folge hat. Dazu räche sich die neue Lehrerausbildung, weil viele neben dem Masterstudium nicht voll unterrichten.

"Es brennt der Hut." Mit drastischen Worten beschreibt Stefan Sandrieser, Vorsitzender der Personalvertretung der Pflichtschullehrer und Gewerkschaftschef in Kärnten (SPÖ), die Situation. Nicht nur die steigende Zahl an Schülerinnen und Schüler mit Corona-Infektionen bringt den Schulbetrieb inzwischen an die Grenzen, sondern auch die wachsende Personalnot bei Lehrkräften. In Kärnten sei das bereits in "zahlreichen" Volksschulen so. Mit dem gleichen Problem kämpft man etwa auch in Oberösterreich, allen voran in Linz, wie am Mittwoch geschildert wurde.

Dabei haben sich in Oberösterreich Bildungsdirektion und Gesundheitsbehörden bereits in der Vorwoche verständigt, wie in Linz zu erfahren war, dass schon nach einem positiven Corona-Fall in einer Klasse die Schüler in Quarantäne geschickt und auf Fernunterricht umgestellt wird.

Linzer Bürgermeister für Heimunterricht

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) hat am Mittwoch die Forderung an den Bildungsminister nach einem flächendeckenden Heimunterricht bekräftigt. Nach seinen Angaben sind allein in Linz hundert Corona-Infektionen bei Schülern dazugekommen, ein Drittel der Neuinfektionen hat in der Landeshauptstadt schon zuvor Schüler betroffen. In Salzburg und Oberösterreich ist die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Fällen in den Schulen eingestellt worden beziehungsweise zusammengebrochen.

"Es wird langsam eng. Noch wurschteln wir uns durch", schildert Franz Bicek, Gewerkschafter der SPÖ-Fraktion und Mitglied des Zentralausschusses der Personalvertretung der Pflichtschullehrer in Oberösterreich. Er verweist darauf, dass die Entwicklung aus der generell angespannten Personalsituation resultiere. Denn es habe schon bisher einen Lehrermangel gegeben.

Für die Direktoren sei das Personalproblem an den rund 300 Pflichtschulen des Bundeslandes mitten in der Pandemie bereits "unlösbar", urteilt der Kärntner Lehrervertreter Sandrieser: "Wir haben einfach keine Lehrer mehr." Die Bildungsdirektion könne niemanden mehr für Nachbesetzungen finden.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde um 17:05 aktualisiert.