Bei den schulpflichtigen Kindern ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen stark angestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist bei den 0- bis 14-Jährigen mit 2.425,6 auf 100.000 Menschen doppelt so hoch wie in der allgemeinen Bevölkerung (1.108). Das entspricht einer Verdopplung innerhalb der letzten 14 Tage. Die 6- bis 14-Jährigen sind damit in dieser Hinsicht die am stärksten von Corona-Infektionen betroffene Altersgruppe. Das ist wohl auch der Grund, warum derzeit die Frage nach der Bedeutung der offenen Schulen während des Lockdowns thematisiert wird.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Durchimpfungsrate, die in dieser Altersgruppe - unter 12 Jahren wird nur "off label" gegen Covid-19 geimpft - bei 0,32 Prozent liegt. Das kann sich in den kommenden Tagen ändern. Einerseits haben neben Wien auch Tirol, Niederösterreich und Oberösterreich angekündigt, Kinderimpfungen anbieten zu wollen. Andererseits entscheidet die europäische Arzneimittelbehörde EMA demnächst über eine Empfehlung für die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren.

Die Zahlen steigen allerdings nicht nur bei den Corona-Infektionen. Sie steigen auch bei den Infektionen mit dem Humanen Respiratorischen Syncytial-Virus, kurz RS-Virus genannt. Diese geht mit einer zum Teil schweren Erkrankung der Atemwege einher und betrifft vor allem kleinere Kinder (die "Wiener Zeitung" hat berichtet).

Waren im August 2021 noch 102 Kinder unter 15 Jahren mit einer RSV-Infektion im Spital, waren es im September mit 224 bereits mehr als doppelt so viele. Beachtenswert ist auch, dass der Trend bereits früher begonnen hat, als die Zahl der hospitalisierten Kinder von fünf im Mai dieses Jahres auf 19 im Juni geradezu sprunghaft angestiegen ist.

Mehr Kinder mit RSV im Spital

Von Juni bis September 2021 mussten in dieser Altersgruppe insgesamt 384 wegen einer RSV-Infektion im Spital behandelt werden. Zum Vergleich: Mit Corona lagen in diesem Zeitraum 217 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 19 Jahren im Spital. Auch wenn der Vergleich durch die unterschiedliche Alterseinteilung etwas schwierig ist, zeigt sich doch deutlich, dass jüngere Kinder eher durch das RS-Virus gefährdet sind als durch Corona, im Spital zu landen. Das zeigt auch ein weiterer Vergleich: Im letzten "normalen" Jahr vor der Pandemie 2019 mussten im gesamten Jahr 2.445 Kinder unter 15 Jahren wegen einer RSV-Infektion im Spital behandelt werden. Wegen Covid-19 waren seit Beginn der Pandemie bis Ende September 2021 insgesamt 1.255 Kinder und Jugendliche im Spital. Dabei ist bei diesen Daten nicht nur der Zeitraum länger (20 Monate), sondern auch die Altersgruppen breiter (0- bis 19-Jährige).

Kinder leiden an Maßnahmen

Die Österreichische Kinderliga hat in einer Pressekonferenz am Mittwoch die Entscheidung grundsätzlich gelobt, Schulen während des Lockdowns offen zu lassen. Für Präsident Christoph Hackspiel zeichnet sich in der Pandemie ab, dass Kinder und Jugendliche eine vulnerable Gruppe seien. Mit dem Coronavirus infiziert würden sie zwar kaum schwerwiegende Erkrankungen entwickeln, allerdings durch Lockdown, Schulschließungen und Fernlehre Bildungschancen sowie soziale Kontakte verlieren, sagte der Präsident des Netzwerks mit mehr als 100 Mitgliedsorganisationen.

Hackspiel begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, Schulen trotz des Lockdowns offenzuhalten. Kinderliga-Vizepräsidentin Hedwig Wölfl sah allerdings Probleme dadurch, dass die Wahl, ob Kinder in Präsenzunterricht oder Distance Learning geschickt werden, unter anderen bei den Eltern liegt. Beide Entscheidungen können schamhaft besetzt sein. Jedoch plädierte auch Wölfl für offene Schulen: "Kinder brauchen Gemeinschaft", stellte sie fest.