Nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Donnerstag Grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren gegeben hat, wird die Impfung auch vom Nationalen Impfgremium (NIG) empfohlen. Das sagte die Leiterin des NIG, Ursula Wiedermann-Schmidt, bei einer Pressekonferenz in Wien. "Die Kinderimpfung ist sicher", betonte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).

258.000 Dosen des eigenen Impfstoffs mit neuer Formulierung sollen bis zum Jahresende nach Österreich geliefert werden. "Das ist die maximale Menge, die wir bekommen haben", sagte Mückstein. Hierzulande leben knapp 600.000 Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Bis zum eigenen Vakzine sollen die Kinder weiterhin mit einem Drittel der Erwachsenen-Dosis immunisiert werden.

Virologe Krammer zufrieden

Die gestern erfolgte Zulassung des Corona-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren bewertet der in den USA tätige Virologe Florian Krammer sehr positiv. Die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA sei sogar früher gekommen als von vielen erwartet. "Es ist gut, dass das jetzt schneller gegangen ist", so der Österreicher.

In den USA gibt es die Notfallzulassung schon seit Ende Oktober. Mittlerweile wurden dort rund 2,6 Mio. Kinder geimpft. Bisher geschah dies ohne größere Auffälligkeiten, was die Nebenwirkungen betrifft. Dass nun für die Altersgruppe neben der auch bereits seit kurzem etwa in Wien angebotenen Off Label-Option bald eine zugelassene Variante bereit steht, "finde ich gut und wichtig", sagte Krammer gegenüber der APA.

Freilich bezieht sich die EMA-Entscheidung auf den Kinderimpfstoff von BioNTech/Pfizer, der auf einer neuen Formulierung basiert, die durch entsprechende Verdünnung so angepasst wird, dass die für Kinder vorgesehene Dosis von zehn Mikrogramm leichter in 0,2 Milliliter verabreicht werden kann. Der Unterschied zur Erwachsenenimpfung liegt nicht im Wirkstoff, sondern in der Verabreichung. Wer die Off Label-Impfung an Kinder verabreicht, muss statt der dreifach höheren Dosis von 0,3 Milliliter für Über-Zwölfjährige die reduzierte Kinder-Dosis in 0,1 Milliliter verabreichen.

"Das ist aber für jemanden, der mit Impfungen gut umgehen kann, kein Problem", zeigte sich Krammer überzeugt. In der für Ende des Jahres angekündigten Kindervariante enthalten dann 0,2 Milliliter die richtige Menge an Wirkstoff, was leichter zu verabreichen ist. "Ich sehe da aber nicht so große Unterschiede. Es ist einfach etwas schwieriger 0,1 anstatt 0,2 Milliliter zu verimpfen", so der Wissenschafter, der von keinen Unterschieden bei der Immunantwort oder die Sicherheit gegenüber der "Off Label"-Variante ausgeht.

Ab Februar ist die Corona-Schutzimpfung in Österreich Pflicht. Ob sie auch für Kinder gelten wird, beantwortete Mückstein auch auf mehrfache Nachfrage nicht. Das müsse breit mit Experten besprochen werden. (apa)