Manche Lehrer machten ihrem Ärger Luft, andere erkundigten sich bei Kolleginnen und Kollegen. Mitten im Lockdown, in dem ganze Schulklassen wegen Coronainfektionen in Quarantäne geschickt werden müssen, werden in manchen Schulen noch die Endgeräte für Digitalunterricht vermisst. Allerdings sind mit Stand vom heutigen Freitag 85 Prozent der Laptops - das sind 111.900 Geräte - bereits ausgeliefert, lautet die Bilanz des Bildungsministeriums auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Jene Schulen, die Tablets geordert haben, müssen allerdings noch bis Anfang des Sommersemesters warten.

Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten ist im September dieses Jahres tatsächlich angelaufen. Der Plan von Bildungsminister Heinz Faßmann und die dafür geschaffene gesetzliche Basis sieht vor, dass ab dem heurigen Schuljahr 2021/22 die fünften und sechsten Schulstufen mit Laptops und Tablets ausgerüstet werden. Davon profitieren demnach Schülerinnen und Schüler in den ersten beiden Klassen der Mittelschulen und der AHS-Unterstufe.

Wegen des Lockdowns und der Schulschließungen seit März des Vorjahres ist die türkis-grüne Bundesregierung aufgrund des flächendeckenden Heimunterrichts massiv unter Druck geraten. Speziell in sozial schwachen Familien fehlten häufig IT-Endgeräte, mehrere Schulkinder mussten Geräte gemeinsam benützen. 200 Millionen Euro werden nun für die schrittweise Aufrüstung in den kommenden drei Jahren locker gemacht. Eltern müssen einen Selbstbehalt von 25 Prozent zahlen, wobei es für jene mit niedrigem Einkommen Ausnahmen gibt.

8000 weitere Geräte bis nächsten Freitag

Bei der Ausstattung mit Laptops soll bis Freitag kommender Woche die Marke von 120.000 ausgelieferten Geräten überschritten werden, heißt es im Büro des Bildungsministers. Das sind zusätzlich gut 8000 Endgeräte. Damit wären 92 Prozent oder der bestellten Laptops ausgeliefert.

Jene Schulen, die Tablets geordert haben, müssen sich noch bis zum Beginn des Sommersemesters gedulden. Insgesamt 43.000 Tablets für Schüler und aucch Lehrer sollen mit Februar 2022 zur Auslieferung kommen, so der derzeitige Plan. Die Ausschreibung für diese Geräte ist am 15. November zu Ende gegangen.

Leihgeräte können angefordert werden

Zugleich verweist das Bildungsministerium darauf, dass jene Schulen, die noch auf die Lieferung der Laptops und vor allem der Tablets warten, die Möglichkeit besteht, vorübergehend IT-Endgeräte auszuleihen. Direktorinnen und Direktoren aller betroffenen Schulen können diese über die Plattform www.weiterlernen.at anfordern.

Am Präsenzunterricht nach Stundenplan in den Schulen wird sich im allgemeinen Lockdown bis 12. Dezember grundsätzlich nichts ändern. Einen flächendeckenden Heimunterricht wird es entgegen anderslautenden Meldungen und Gerüchten nicht geben. Ausnahmen gibt es nur in jenen Fällen, in denen ganze Schulklassen oder Schulen wegen Coronainfektionen in Quarantäne geschickt wurden. Das haben Minister Faßmann und die Bildungslandesräte nach einer Videokonferenz am Donnerstag bekräftigt.

Schulärzte sollen bei Kinderimpfung helfen

Was die Impfung von Kindern betrifft, so hat Bildungsminister Heinz Faßmann den Bundesländern angeboten, dafür auch die rund 640 Bundesschulärzte einzusetzen. In einem Brief an die Landeshauptleute hat der Ressortchef auf diese Möglichkeit ausdrücklich hingewiesen. Die Schulärzte könnten auch abseits der Schulen bei der Durchführung und Beratung für die Impfung von Kindern helfen.

Die Bundesländer haben inzwischen die auf Bundesebene von Faßmann mit Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) ausgehandelte Neuregelung begrüßte, dass Klassen ab zwei Coronafällen in Quarantäne geschickt werden. Nach Auskunft des Bildungsministeriums bleibt Wien dennoch bei der strengeren Regelung. Bereits nach einem Coronafall in einer Klasse soll diese in der Bundeshauptstadt in Quarantäne gehen.