"Die Staus sind der größte Umweltverschmutzer." Dem Chef der Bau-Holz-Gewerkschaft und steirischen SPÖ-Parlamentarier Josef "Beppo" Muchitsch ging im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eine Entscheidung von Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) gehörig gegen den Strich. Auf der Pyhrnautobahn (A 9) südlich von Graz wird der weitere dreispurige Ausbau der Strecke nach Spielfeld zur slowenischen Grenze gestoppt, wie in ihrem Büro am Freitag bestätigt wurde. Das lässt in der Steiermark auch bei der Wirtschaftskammer die Wogen hochgehen.

Nach und nach wird jetzt publik, welche Straßenstücke nach der von Klimaschutz- und Infrastrukturministerin angeordneten Evaluierung von größeren Straßenprojekten nicht mehr umgesetzt werden sollen. In Niederösterreich war die S 8 zwischen Wien und Gänserndorf betroffen.

Teilstück in Richtung Spielfeld betroffen

In der Steiermark ist es nun jenes Autobahnstück der A 9, das auch von vielen Wiener Autofahrern auf der Fahrt nach Kroatien oder Slowenien meist benützt  wird. Gleichzeitig ist das Teilstück eine wichtige Route für den Nord-Süd-Fernverkehr auf dem Weg von Bayern über Oberösterreich durch den Bosrucktunnel und die Steiermark in Richtung Süden.

Der steirische Vizelandeshauptmann und Verkehrsreferent Anton Lang (SPÖ) teilte der "Wiener Zeitung" mit: "Wir müssen die Entscheidung der grünen Verkehrsministerin zur Kenntnis nehmen." Er muss den Baustopp zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, weil die Zuständigkeit für die Autobahngesellschaft Asfinag beim Bund liegt.

Das Klimaschutzministerium verweist darauf, dass es konkret um die "Fahrsteifenzulegung" auf der A 9 bei Graz-Wildon geht, wo drei Spuren geplant sind. Der Ausbau werde "aus verkehrlichen Gründen und im Sinne der Eindämmung des Bodenverbrauchs nicht weiterverfolgt. Gewessler setzt stattdessen auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Raum südlich von der steirischen Landeshauptstadt.

"Die Verkehrswende gelingt uns nur, wenn wir heute die passende Infrastruktur für unser klimafreundliches Österreich bauen", teilte die Ministerin mit. Das nehme sie sehr ernst, deswegen wolle sie den Öffi-Ausbau so schnell vorantreiben wie nie zuvor.

Warnung vor täglichen Staus

In der Steiermark werden durch den Ausbaustopp allerdings vermehrt Staus auf der Pyhrnautobahn südlich von Graz befürchtet. "Wenn man tägliche Staus verhindern will, sind auch Straßenbauprogramme notwendig", argumentiert Muchitsch, der aus dem südsteirischen Leibnitz kommt. Er versteht den Stopp auch deswegen nicht, weil bereits Brücken über die Autobahn für die Erweiterung auf drei Spuren errichtet worden seien.

Die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung Steiermark befürchten negative Folgen für den Standort. "Eine wirtschaftspolitische Geisterfahrt" mit einer intransparenten Entscheidungsfindung, kritisierten die Wirtschaftsvertreter.

Stopp auch für B 317 Steiermark-Kärnten

Schon am Donnerstag ist bekannt geworden, dass ein weiteres viel befahrenes Straßenstück zwischen der Steiermark und Kärnten ebenfalls nicht ausgebaut wird. Auch der Ausbau der B 317 von Scheifling in Richtung Friesach und St. Veit an der Glan in Kärnten wird nach der Evaluierung gestoppt. Begründung des Klimaschutzministeriums: der Bau einer rund 50 Kilometer langen Autobahn würde "mehr Verkehr anlocken" und "eine neue Transitroute in Kärnten" schaffen. Das bringe für Anrainer eine zusätzliche Schadstoffbelastung.

Es würden aber gemeinsam mit der Steiermark und Kärnten Alternativen geprüft, um Menschen vor Ort zu entlasten, statt die Verkehrsbelastung weiter zu erhöhen. Manche Orte, etwa der Knotenpunkt Scheifling in der Steiermark, leiden allerdings massiv unter dem starken Verkehrsaufkommen. In Gesamtzusammenhang mit dem Stopp der beiden Straßenprojekte verweist das Ministerium vor allem auch für den Bau der Korambahnstrecke zwischen Graz und Klagenfurt.