Die Privatwirtschaft lockt mit teils höheren Gehältern, durch Pensionierung freiwerdende Planstellen sind längere Zeit unbesetzt. Der für den öffentlichen Dienst zuständige Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ist deswegen bemüht, den Bundesdienst durch mehr Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zugkräftiger zu machen. Ab dem Sommer 2023 wird deswegen das Angebot mit der Schaffung einer neuen Plattform, die sogenannte Austrian School of Government, gebündelt. Als Konkurrenz zur bestehenden Verwaltungsakademie des Bundes ist diese aber nicht gedacht. Die Verwaltungsakademie bleibe bestehen, wurde der "Wiener Zeitung" in Koglers Büro versichert.

Der Weg für die Einrichtung der neuen "Verwaltungsschule" auf österreichisch wurde am Mittwoch mit einem Beschluss der entsprechenden Vorlage des Beamtenministers im Ministerrat beschritten. Kogler beruft sich im Vortrag an den Ministerrat darauf, dass die Sicherstellung "gemeinsamer Standards" für die Aus- und Weiterbildung der allgemeinen Verwaltung auch in dem von ihm verhandelten türkis-grünen Regierungsprogramm festgeschrieben wurde.

Wobei der Begriff Verwaltungsschule insofern irreführend ist, weil es sich im Wesentlichen um eine Art Drehscheibe handelt, bei der Möglichkeiten für die höhere Qualifizierung an Fachhochschulen und Universitäten gebündelt werden, nicht um die Errichtung eines (Schulungs-)Gebäudes.

Umsetzung bis August 2023

Bis zur Verwirklichung dauert es auch noch. Der konkrete Plan zur Umsetzung muss gemäß dem Ministerratsvortrag bis August 2023 ausgearbeitet werden. Fest steht, dass die neue österreichische Verwaltungsschule drei Schwerpunkte zum Ziel hat: die Kooperation mit den Verwaltungsakademien der Ministerien und der Bundesländer sowie mit bildungsnahen Wissenschaftspartnern; eine systematische Umsetzung notwendiger Ausbildungsbedürfnisse für das Personal des öffentlichen Dienstes sowie die Berücksichtigung aktueller Entwicklungen und schließlich die Beobachtung und Bewertung von Inhalten der Weiterbildung.

Hintergrund ist vor allem, dass im Bundesdienst bereits seit Jahren und auch noch in den kommenden Jahren tausende Mitarbeiter in allen Bereichen in den Ruhestand treten werden. Schon jetzt mussten teils Führungskräfte reaktiviert werden, um jüngere Mitarbeiter in die konkrete Arbeit einzuschulen. Gleichzeitig rücken in vielen Dienststellen neue Mitarbeiter nach, die der Bund als Dienstgeber mit Weiterbildungsangeboten auch bei der Stange halten möchte.

Ein wesentlicher Vorteil des öffentlichen Dienstes besteht darin, dass dort auch längerfristig eine einmal erfolgte Anstellung gesichert ist. Das ist gerade angesichts der Unwägbarkeiten durch die Folgen der Corona-Krise für den Arbeitsmarkt nicht unwesentlich. Für internes Murren sorgt allerdings im öffentlichen Dienst, dass Ministerinnen und Minister ihre Kabinette zusehends vergrößern, und in der Vergangenheit erhielten diese immer wieder nach ihrer Zeit im Kabinett Führungsposten in der Verwaltung, wo sie langgedienten, bewährten Beamten und Verwaltungsbediensteten vorgezogen beziehungsweise direkt vor die Nase gesetzt wurden.(ett)