Seit rund zwei Wochen meldet Wien stabile Belagszahlen von den Intensivstationen, und auf den Normalstationen hat sich die Zahl der Covid-Patienten von 448 auf 417 reduziert. Da auch die Fallzahlen sinken, ist damit zu rechnen, dass Wien im Spitals-Stufenplan nicht mehr auf die sechste von acht Stufen hinaufschalten muss. Das ist wichtig. "Bis zur Stufe fünf müssen elektive Operationen nicht im großen Stil verschoben werden", sagt Markus Pederiva, Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes.

In anderen Bundesländern zeigt sich eine andere Lage. Wegen der Extremsituation auf den Intensivstationen müssen sogar immer häufiger dringend nötige Herzoperationen verschoben werden, berichtete Christoph Holzinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie (ÖGHTC), am Mittwoch. In Kärnten liegen etwa bereits 60 Covid-Patienten auf einer Intensivstation, vor einem Jahr waren es maximal 40. Auch in Salzburg benötigten noch nie so viele Personen wegen Covid-19 eine intensivmedizinische Behandlung.

In immer mehr Bundesländern befinde man sich jenseits der systemkritischen Auslastung, warnte Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). Menschen mit Herzklappenerkrankungen, koronaren Herzerkrankungen oder Aortenaneurysmen, die alle einem hohen Leidensdruck haben, sind von den Verschiebungen betroffen.

Auch Vierjährige betroffen

"Besonderes Augenmerk müssen wir auch auf Kinder mit angeborenen Herzfehlern und auf Personen mit Herzinsuffizienz legen, die unter schwerer Atemnot leiden und auf ein Kunstherz oder eine Transplantation warten", sagte Holzinger. So ist am Mittwoch auch bekannt geworden, dass die Operation eines vierjährigen Mädchens mit angeborenem Herzfehler im Linzer Kepler Uniklinikum auf Februar verschoben wurde.

Man befinde sich jetzt - so Hasibeder - "in der Situation, vor der wir schon seit Monaten gewarnt haben, dass nämlich durch die Überlastung der Intensivkapazitäten alle von Leistungseinschränkungen im Krankenhaus betroffen sein können, Nicht-Covid-Patienten genauso wie von Covid-19 Betroffene."

Nach Herzoperationen benötigen Patienten in jedem Fall einen Platz auf der Intensivstation. Möglichkeiten, sie in andere Krankenhäuser zu verlegen, sind begrenzt - insgesamt gibt es in Österreich nur neun herzchirurgische Zentren.

In Österreich gibt es ein Netzwerk von Intensivkoordinatoren der Bundesländer, die sich einmal pro Woche abstimmen. Dabei werden auch Operationen besprochen. Nicht alle elektiven, also planbare Operation sind tatsächlich aufschiebbar oder nur kurz. "Wenn eine Operation notwendig ist, die ein Intensivbett im Hintergrund erfordert, ist es möglich, anderswo zu operieren", sagt Pederiva vom Wiener Gesundheitsverbund.

So wurde Anfang diese Woche etwa ein Oberösterreicher wegen eines Tumors in Wien operiert, wobei sich auch dieser Eingriff kurzfristig verschoben hat, da ein zusätzlicher Intensivpatient mit Covid-19 aufgenommen werden musste. Statt am Mittwoch fand die Operation dann fünf Tage später am Montag statt. Derartige Verzögerungen können in Einzelfällen allerdings immer passieren, wenn zum Beispiel Eingriffe länger dauern als geplant oder Chirurgen erkranken.

Was in Wien auch in Stufe fünf passiert, ist das Verlegen von Patientinnen und Patienten innerhalb der Stadt. Die Lage ist auch hier zweifellos angespannt, aber doch weniger als im November 2020 mit maximal 162 mit Covid belegten Intensivbetten und im Frühling mit sogar 245. Aktuell liegen 115 Personen wegen dem Coronavirus in Wien auf einem Intensivbett.

Mehr Tote als vorige Woche

Die Inzidenz ist in Wien auf 423 zurückgegangen, in Kärnten, Vorarlberg und Salzburg liegt sie noch über 1.000. Insgesamt müssen in Österreich 637 Covid-Patienten auf Intensivstationen betreut werden. Die Anzahl der Sterbefälle bleibt währenddessen aber noch unter dem Niveau von 2020. Laut vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria sind in der 46. Kalenderwoche (15. bis 21. November) 2.112 Personen verstorben, alsu um 58 mehr als in der Vorwoche, aber um 171 weniger als in der 46. Kalenderwoche 2020. "In der dritten Novemberwoche 2021 - vor Beginn des aktuellen, allgemeinen und bundesweiten vierten Lockdowns - sind insgesamt 2.112 Menschen in Österreich verstorben. Damit sind in der zweiten Woche in Folge um rund 36 Prozent mehr Personen gestorben als im Fünfjahresdurchschnitt der gleichen Kalenderwoche des Vorkrisenzeitraums 2015 bis 2019", präzisierte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. (apa/ett/sir).