Magnus Brunner - Ein Präsident für die Finanz

Magnus Brunner ist seit bald zwei Jahren als Staatssekretär im Infrastrukturministerium. Der umgängliche Vorarlberger wird als Nachfolger Gernot Blümels Herr über die österreichischen Finanzen. Der künftige Finanzminister ist eloquent, hat Humor und in seiner Sache firm. Käme er aus einer größeren Landesorganisation, wäre er wohl schon früher karrieretechnisch nach oben geschwommen. Im Infrastrukturministierum konzentrierte er sich auf eine raschere Abwicklung von UVP-Verfahren. Reibereien mit seiner Ressortchefin Leonore Gewessler gab es zwar, aber die hielten sich in engeren Grenzen, als man es in der Konstellation einer türkis-grünen Verbindung im Umweltbereich erwarten könnte.

Nunmehr sollte das Ziel der soliden Budgets beim verheirateten dreifachen Familienvater in guten Händen sein. Vielleicht könnte sogar wieder einmal ein neuer Finanzausgleich drin sein. Denn die Neu-Aufteilung der Steuermittel zwischen den Gebietskörperschaften hat noch fast jeder Finanzminister am liebsten auf den Sanktnimmerleinstag verschoben.

Gerhard Karner lenkte als Landesgeschäftsführer der niederösterreichischen ÖVP zwölf Jahre für Erwin Pröll die Geschicke und gemeinsam durfte man den ein oder anderen schönen Wahlerfolg feiern. 
- © apa / Helmut Fohringer

Gerhard Karner lenkte als Landesgeschäftsführer der niederösterreichischen ÖVP zwölf Jahre für Erwin Pröll die Geschicke und gemeinsam durfte man den ein oder anderen schönen Wahlerfolg feiern.

- © apa / Helmut Fohringer

Gerhard Karner - Ein Mann fürs Grobe im Innenressort

18 Jahre nach seinem Abschied aus dem Innenministerium, wo er mit strenger Hand die Presseagenden von Ernst Strasser gelenkt hatte, kehrt der Niederösterreicher zurück, um das Ressort selbst zu übernehmen. Ernst Strasser hat bis heute das Image des Umfärbers und Karner war da eine seiner ausführenden Hände. Bei ihm hatte er davor schon als Pressereferent in Niederösterreich gelernt.

Auch eher ruppig ging es der neue Innenminister in seiner Paraderolle als Landesgeschäftsführer der niederösterreichischen ÖVP an. Doch der Erfolg gab Karner, wenn man so will, Recht. Zwölf Jahre lenkte er für Erwin Pröll die Geschicke und gemeinsam durfte man den ein oder anderen schönen Wahlerfolg feiern.

Nebenbei saß Karner auch seit 2003 ohne Pause im Landtag und engagierte sich mehr und mehr in der Kommunalpolitik. Seit 2015 ist der studierte Betriebswirt nach 20 Jahren im Gemeinderat Bürgermeister der tiefschwarzen Mostviertler Gemeinde Texingtal.

Welche Töne Karner künftig anschlägt, ist durchaus nicht unspannend. Aus seiner Zeit in der Landesgeschäftsführung ist man eher Brachialrhetorik gewöhnt. Aber vielleicht hat der mit viel Repräsentation verbundene Job des Landtagspräsidenten mittlerweile eine weicheres Seite Karners zum Vorschein gebracht. Schließlich zitierte ihn die "Presse" dereinst mit den Worten: "Ich bin nett."

Martin Polaschek folgt Heinz Faßmann als Bildungsminister nach. 
- © apa / Uni Graz / Kanizaj

Martin Polaschek folgt Heinz Faßmann als Bildungsminister nach.

- © apa / Uni Graz / Kanizaj

Martin Polaschek - Und wieder ein Professor

Mit dem Rechtshistoriker Martin Polaschek zieht nach Heinz Faßmann wieder ein Professor als Bildungsminister am Minoritenplatz ein. Der Rektor der Universität Graz kommt auch wie Faßmann direkt aus dem Uni-Management. 16 Jahre war der gut vernetzte Rechtswissenschafter bereits Vizerektor, 2019 schaffte er es schließlich im zweiten Anlauf an die Uni-Spitze.

Polaschek hat in Graz als Uni-Insider Karriere gemacht, nur kurze Forschungsaufenthalte führten in von dort weg. Seine inhaltlichen Steckenpferde sind rechtliche Zeitgeschichte und die Föderalismus- und Kommunalforschung, seit 2006 ist er Präsident der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz. Von 2003 bis 2019 war er dann zudem als Vizerektor für Studium und Lehre und als Studiendirektor für die Anliegen der mehr als 30.000 Studierenden zuständig.

Beim Verfolgen seiner Karriereziele zeigte sich Polaschek, der 1965 in Bruck/Mur geboren wurde, zielstrebig: Nachdem er 2011 noch Christa Neuper bei der Rektorswahl noch unterlag, schaffte er es im zweiten Anlauf 2019 an die Spitze. Als eindeutig parteipolitisch zuordenbar hatte Polaschek, der mit seiner Frau und deren zwei in die Ehe mitgebrachten Kindern in Graz lebt, bis dahin nicht gegolten. Dafür wird ihm von Wegbereitern viel Dialog- und Kompromissbereitschaft attestiert, die wird er beim umstrittenen Umgang mit den Schulen während der Pandemie wohl auch brauchen können. Für den steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) erfüllt er alle Voraussetzungen, "um das Schlüsselressort Bildung und Wissenschaft in diesen herausfordernden Zeiten gut zu führen".

Modisch mag Polaschek es bisweilen extravagant, von - bei männlichem Uni-Führungspersonal selten gesehenen - langen Haaren bis zum Gehrock. Auch mit Aktionismus hat er wohl keine Probleme. Das Foto, bei dem Polaschek und die damaligen Rektoren der Technischen Uni Graz und der Montanuni Leoben mit herausgezogenen leeren Taschen auf ihre Finanzsorgen aufmerksam machten, ist Kult. In früheren Jahren zählte auch die bildende Kunst zu seinen Leidenschaften, mittlerweile greift der passionierte Radfahrer in seiner schon bisher wenigen Freizeit lieber zu einem Buch.

Claudia Plakolm wird Staatssekretärin im Bundeskanzleramt. 
- © apa / Georg Hochmuth

Claudia Plakolm wird Staatssekretärin im Bundeskanzleramt.

- © apa / Georg Hochmuth

Claudia Plakolm - Nicht ganz eine Kurz

Chefin der Jungen ÖVP, überraschend Staatssekretärin. Das kennt man von wo. Doch bei genauerem Hinsehen ist Claudia Plakolm dann doch ein anderer Typ als Sebastian Kurz. Die leutselige Oberösterreicherin stammt aus einer Polit-Familie, scheut auch den Gebrauch von Dialekt ganz und gar nicht und ob es sie dereinst ins Bundeskanzleramt zieht, steht sowieso noch in den Sternen.

Als Talent gilt die 26-Jährige freilich schon seit einiger Zeit. Landesschulsprecherin für die AHS war sie in Oberösterreich, Landesobfrau der Union Höherer Schüler ebenso, Gemeinderätin in ihrem Heimatort Walding wurde sie mit 20. Also brachte sie durchaus schon politische Routine mit, als sie 2017 mit 22 Jahren zur jüngsten Nationalratsabgeordneten wurde. Zwei Jahre später stand Plakolm schon auf Platz zwei der Landesliste hinter Klubchef August Wöginger.

Der nächste Karriere-Schritt war die Obfrauschaft in der Jugendorganisation der Volkspartei, deren oberösterreichischen Teil sie schon davor leitete. Der Amtsantritt war freilich ein ungewöhnlicher. Die neue Chefin konnte ihrer Kür nur aus der Ferne zusehen, war sie doch just zum dümmsten Zeitpunkt in Corona-Quarantäne geraten.

Plakolm stammt aus bäuerlichem wie politischem Umfeld. Ihre Familie betreibt im Mühlviertel eine kleine Landwirtschaft, ihr Vater ist Bürgermeister in Walding. Sie selbst studiert Wirtschaftspädagogik. Als eines ihre Hobbys gilt das Posaunen-Spiel.

Anzunehmen ist, dass Plakolm vor allem die Jugend-Agenden betreuen wird. Denn Jugendsprecherin war sie schon im Nationalrat. Ein erster Schritt ins Kanzleramt ist mit Freitag jedenfalls schon getan. (apa)