Es war ein noch ungewohntes Bild für eine Pressekonferenz, auf der neue Corona-Maßnahmen verkündet werden. Denn vor den Medienvertretern im Bundeskanzleramt standen am Mittwochnachmittag weder ein Bundes- noch ein Vizekanzler, kein Gesundheits- und noch nicht einmal ein Innenminister. Und das, obwohl die Regierungsvertreter sich in den Stunden zuvor beim jüngsten der schon bestens bekannten "Bund-Länder-Gipfel" mit den Landeshauptleuten und Corona-Experten beraten hatten. So wie man das eigentlich schon kennt.

Der Unterschied: Beim Krisengipfel am Mittwoch nahm erstmals die neu gegründete "gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination", kurz Gecko, eine zentrale Rolle ein. Der Krisenstab inklusive beratenden Expertengremiums soll das Pandemiemanagement künftig organisatorisch abwickeln und so die Bundesregierung auf einigen Ebenen entlasten. Pressekonferenzen dürften dazu gehören – und so stellte Gecko-Leiterin Katharina Reich, auch Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit, die in mehr als siebenstündigen Beratungen zuvor beschlossenen Änderungen gleich selbst vor.

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Und da kam vieles so, wie es im Vorfeld schon erwartet worden war: Statt einer früher einmal in Aussicht gestellten Aufhebung der Sperrstunde zu Silvester wird nun das Gegenteil der Fall sein. Ab dem 27. Dezember darf die Gastronomie nämlich nicht mehr wie bisher bis 23 Uhr, sondern nur noch bis 22 Uhr geöffnet haben. Die vorverlegte Sperrstunde erwartet die Gäste auch zum Jahreswechsel – ins Jahr 2022 lässt sich also nur auf Zusammenkünften zu Hause oder im Freien rutschen.

Schärfere Einreiseregeln

Darüber hinaus gibt es zusätzliche Regelungen für Veranstaltungen und die Einreiseregelungen aus Omikron-Risikoländern werden verschärft. Reich legte Wert darauf zu betonen, dass die Empfehlungen von Gecko, auch von den Bundesländern "einhellig mitgetragen" wurden. Denn: "Was wir wissen, ist, dass Omikron schnell ist und dass wir rasch reagieren müssen", sagte sie. Und: "Auch bei uns wird es zu drastischen Änderungen kommen." Man müsse die Zeit, die man sich verschafft habe, nun gut nützen. "Zum einen, um mehr über Omikron zu erfahren, zum zweiten, um den Intensivstationen die Möglichkeit zu geben, sich zu entlasten."

Zwar sprach die Gecko-Chefin von einem im internationalen Vergleich relativ hohen Schutzniveau in Österreich, wo weiterhin ein Lockdown für Ungeimpfte und weitreichende FFP2-Maskenpflicht besteht. Dennoch hielt man Gastronomie-Verschärfungen im Krisenstab offenbar für notwendig – die Vorverlegung der Sperrstunde erfolgt zusätzlich zur bereits bestehenden 2G-Regelung, nach der nur Genesenen und Geimpften Einlass gewährt werden darf.

Zudem betonte Reich, man sei sich einig, von Silvesterfeiern abzuraten. "Treffen Sie sich im kleinen Kreis und mit Geimpften", so die Krisenstab-Chefin. Sie empfahl auch Videokonferenzen statt persönlichen Treffen mit vulnerablen Personen und Ungeimpften, wenn möglich.

Einschränkungen bei Events

Bei Veranstaltungen wird weiterhin zwischen jenen in Innenräumen und jenen im Freien unterschieden. Indoor können an Veranstaltungen ohne zugewiesenen Sitzplätzen künftig maximal 25 Personen teilnehmen – geimpft oder genesen und zusätzlich mit FFP2-Maske.

Für Indoor-Veranstaltungen mit zugewiesenen Plätzen gilt außerdem bei einer Personenanzahl von bis zu 500 eine 2G-Regelung. Bei bis zu 1.000 gilt 2G plus, also ein zusätzliches negatives Testergebnis. Auch Veranstaltungen mit bis zu 2.000 Personen mit zugewiesenen Sitzplätzen sind möglich, das allerdings mit einer neuen Sicherheitsstufe: Zugelassen sind Personen, die bereits drei Mal geimpft sind und zusätzlich einen aktuellen, negativen Corona-Test vorlegen können.

Zwar wurden auch die Einreise-Regelungen aus Ländern, in denen Omikron bereits stark verbreitet ist, verschärft. So zählen Großbritannien, Norwegen, Dänemark und die Niederlande ab dem 25. Dezember ebenfalls zu den sogenannten Virusvariantengebieten. Neu ist allerdings eine Ausnahme von der bislang unbedingt notwendigen Quarantäne aus diesen Ländern. Und zwar für jene, die bereits dreifach geimpft wurden und einen negativen PCR-Test vorweisen können.

15.000 Ansteckungen täglich Anfang Jänner realistisch

Reich sagte weiters, dass die Bundesländer auch über die Feiertage hinweg ein breites Test- und Impfangebot versichert hätten. Damit in allen Bundesländern ausreichend Testkapazitäten gewährleistet sind, werde Anfang kommender Woche ein eigener Test-Gipfel stattfinden.

Noch ist der Anteil von Omikron unter den Neuinfektionen klein: Von insgesamt 29.424 Neuinfizierten mit dem Coronavirus wurde im Zeitraum vom 6. bis zum 12. Dezember 49 als Omikron-Fälle sequenziert, das sind laut Berechnungen der "Wiener Zeitung" zufolge also 17 von 10.000 Neuinfizierten. Es werden allerdings mehr: In der vergangenen Woche, in der die Neuinfektionen zurückgingen, waren es bereits 278 von 19.100. Das entspricht 146 von 10.000 Neuinfizierten.

Und: Das Covid-Prognosekonsortium warnt bereits, die Omikron-Variante könnte Österreich schon in der ersten Jänner-Woche breitflächig erfassen und zu einer massiven fünften Welle mit 15.000 Neuinfektionen pro Tag führen. Aufgrund der Datenlage sei das ein realistisches Szenario. Die Überlastung des Gesundheitssystems sehen die Experten als "realistische Gefahr", Test- wie Meldesystem könnten an ihre Grenzen geraten. Den Berechnungen liegt die Annahme zugrunde, dass Omikron sich doppelt bis drei Mal so schnell ausbreitet wie die Delta-Variante.