Wie sieht die typische gegen Covid-19 geimpfte Person in Österreich aus? Sie hat einen Hochschulabschluss, in dieser Gruppe haben 84 Prozent einen aufrechten Immunschutz. Sie arbeitet in der Medien- oder Kommunikationsbranche, da sind 87 Prozent geimpft, genesen oder beides. Sie verdient besser als der Durchschnitt, im Fünftel mit den höchsten Einkommen sind es 87 Prozent. Die Person ist aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 50 und 59 Jahren alt, denn trotz höchster Impfquote unter den 75- bis 84-Jährigen gibt es in dieser Altersgruppe die höchste Anzahl an Geimpften - und sie könnte in der Türkei geboren worden sein.

Denn 73 Prozent der Menschen, die in der Türkei geboren wurden, aber in Österreich leben, haben sich laut Statistik-Austria-Erhebung impfen lassen. Das ist ein höherer Anteil als in der Türkei selbst, wo der Anteil an Geimpften bei 61 Prozent liegt. Es sind auch mehr als in Österreich generell. Zu den vier Prozent ungeimpften Genesenen kommen weitere 67 Prozent, die gegen Covid-19 geimpft oder genesen und außerdem geboostert sind - "mit 16,2 Millionen Impfstichen". Diese haben laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) "tausende Todesfälle und zigtausende Erkrankte, die ins Spital mussten, verhindert".

Am meisten von der Schutzimpfung überzeugt sind übrigens jene, die Medizin an den heimischen Unis studieren: 92 Prozent haben hier einen aufrechten Impfschutz. Es sind insgesamt trotzdem zu wenige: "Das Coronavirus wird nicht einfach verschwinden. Die Wissenschaft hat uns ein wesentliches Werkzeug in die Hand gegeben: die Impfung", stellt Bildungs- und Wissenschaftsminister Martin Polaschek (ÖVP) fest.

Die Regierung beauftragte die Statistik Austria, die soziodemografischen Merkmale von Geimpften, Genesenen und Ungeimpften festzustellen. Nun ereilt die gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination Gecko ein Auftrag: Sie muss die Impfung "zielgruppenspezifisch" an den Mann und die Frau bringen.

Viele Ungeimpfte aus Serbien, Russland und Rumänien

Die Auswertung der Statistik Austria erfolgte übrigens in "pseudonymisierter Form", wie Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas bei der Präsentation mehrmals betont. Das heißt, der Impfstatus lässt sich nicht mehr auf konkreten mit Namen identifizierbare Menschen zurückverfolgen. "Die Motivlage, die hinter der Entscheidung steckt", bleibt folglich unklar, erläutert Thomas. Man weiß also nicht, warum sich Menschen bislang für oder gegen die Schutzimpfung entschieden haben.

"Es gibt nicht die eine migrantische Community, es geht aber um Überzeugungsarbeit in spezifischen", sagt Mückstein. Denn unter Menschen aus Serbien, der Russischen Föderation und Rumänien, die in Österreich leben, sind die Impfquoten mit 52, 45 und 43 Prozent besonders gering. Zwar dürften nicht alle Impfungen im Ausland auch ins Nationale Impfregister eingetragen worden sein. Allerdings sind die Quoten auch in den drei Ländern selbst sehr niedrig. Ein Beispiel: Der Anteil an in Österreich Geimpften mit Geburtsland Rumänien liegt bei 43 Prozent. Und der Anteil jener, die in Rumänien geimpft wurden, liegt bei ebenfalls niedrigen 39 Prozent.


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Aktiv Erwerbstätige sind häufiger geimpft als andere

Sind Menschen aktiv erwerbstätig, ist die Impfquote höher. Arbeiten sie in den Medien, der Verwaltung, der Energieversorgung oder an Schulen wie auch Kindergärten, liegt der Anteil jener, die weder geimpft noch genesen sind, bei weniger als 15 Prozent. Auch in der zum Gesundheits- und Sozialwesen zusammengefassten Branche, wo auch die Altenpflege dabei ist und Menschen mit durch Covid-19 besonders Gefährdeten arbeiten, sind noch 18 Prozent komplett ungeschützt.

Besonders viele Ungeimpfte und noch nicht Erkrankte gibt es am Bau mit 30 Prozent und in der Landwirtschaft mit 28 Prozent. Überzeugungsarbeit braucht es allerdings auch noch in Branchen mit sehr vielen Kontakten zu anderen: Im Handel sind 27 Prozent weder geimpft noch genesen. Und in der Gastronomie und Hotellerie ist es mit 21 Prozent ebenfalls noch fast ein Fünftel.

Jüngere Frauen müssen noch überzeugt werden

Frauen zwischen 25 und 35 Jahren sind weniger häufig geimpft als Männer in diesem Alter. Der genauere Blick auf die Alterskurven zeigt allerdings, dass junge Frauen in diesem Alter genauso häufig wie ihre Altersgenossen geimpft sind, solange sie erwerbstätig sind. Bei jenen in Karenz oder Arbeitslosigkeit klafft allerdings eine große Lücke. Mückstein will deshalb junge Frauen noch mehr aufklären und sagt: "Die Impfung ist für das zweite und dritte Schwangerschaftsdrittel sogar empfohlen."

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Deutlich mehr Aufklärung braucht es offenbar auch noch bei Kindern und Jugendlichen. Zwar ist der Anteil der geimpften Schülerinnen und Schülern im Alter ab 12 Jahren seit Schulbeginn von damals 43 auf 55 Prozent angewachsen. Bei Zehn- bis 14-Jährigen sind zwei Drittel, bei Fünf- bis Neunjährigen 90 Prozent weder geimpft noch genesen.