Die Mitglieder der Gecko-Kommission mahnen zu Vorsicht rund um den Jahreswechsel. "Wir müssen Zeit gewinnen und uns jetzt an die Maßnahmen halten. Lassen Sie sich testen, feiern Sie im kleinen Kreis", sagte die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Katharina Reich. Silvester werde mit großer Wahrscheinlichkeit auch "markanter Wendepunkt" in der Infektionskurve sein. "Wir lernen Omikron gerade erst kennen, wissen aber bereits, dass die Gefahren groß sind. Klar ist, dass wir mit einer neuen Dynamik der Pandemie rechnen müssen. Extrem rasche Entwicklungen sind zu erwarten."

Generalmajor Rudolf Striedinger warnte - wohl mit Blick auf die von Maßnahmen-Gegnern bereits angekündigten Demonstrationen rund um den Jahreswechsel - vor großen Zusammenkünften, auch wenn diese durch das Demonstrationsrecht gedeckt sind: "Die aktuellen globalen Entwicklungen von Omikron zeigen uns deutlich, dass es aus virologischer und medizinischer Sicht nicht ratsam ist, an großen Versammlungen, wie Demonstrationen, teilzunehmen. Wenn notwendig, dann mit Maske und ausreichend Abstand."

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres appellierte seitens Gecko an die Bevölkerung, die Maßnahmen einzuhalten: "Die Omikron-Welle wird kommen, es liegt aber an uns allen, wie schnell und wie groß sie wird. Wenn wir jetzt vorsichtig sind, dann können wir gemeinsam das Risiko eines weiteren Lockdowns reduzieren." Nehammer hatte die Kehrtwende bei den Silvesterfeierlichkeiten, für die die Regierung ursprünglich ja eine Ausnahme der Sperrstunde angedacht hatte, mit den Warnungen der Experten argumentiert.

Neuinfektionen innerhalb von zwei Tagen verdoppelt

Wie ansteckend die neue Virus-Variante ist, zeigen auch die Neuinfektionen. Deren Zahl lag am Mittwoch bereits wieder bei 3.251 Fällen. Damit haben sie sich innerhalb von zwei Tagen mehr als verdoppelt. Mit Mittwoch gibt es in Österreich 28.634 aktive Fälle, um 212 mehr als am Tag zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun bei 174 Fällen auf 100.000 Einwohner.

Derzeit sind 1.147 Personen mit Covid-19 in einem Spital, das sind um 52 weniger als am Vortag gemeldet waren. 353 Menschen werden auf Intensivstationen betreut und auch diese Zahl sank seit gestern. Ein Minus von 19 Personen bedeutet insgesamt eine Reduktion von 106 Patienten innerhalb einer Woche, das sind über 23 Prozent.

Siebzehn Todesfälle gab es seit gestern, was ziemlich genau im Sieben-Tages-Schnitt von 17,4 liegt, 122 Todesfälle waren es innerhalb einer Woche.

Ein Prozent positiver PCR-Tests

Mit der Zahl der Neuinfektionen stieg auch der Anteil an positiven Testergebnissen: Von den insgesamt 474.074 PCR- und Antigen-Schnelltests, die in den vergangenen 24 Stunden eingemeldet worden sind, wurden 335.071 mit dem aussagekräftigeren PCR-Verfahren durchgeführt, die Positiv-Rate lag bei einem Prozent und somit über dem Schnitt der vergangenen Woche von durchschnittlich 0,4 Prozent.

Relativ positiv ist auch das Impfverhalten der Österreicher, denn von den insgesamt 51.864 Impfungen am Dienstag lagen sowohl die 5.523 Erststiche über dem Sieben-Tages-Schnitt von 3.634, wie auch die 16.253 Zweitstiche über dem Sieben-Tages-Schnitt von 10.221 lagen. Die Mehrheit betraf Drittstiche, dies waren 30.088 oder knapp über 58 Prozent aller durchgeführten Impfungen. Auch diese Zahl liegt über dem Sieben-Tages-Schnitt, der in diesem Segment 22.202 beträgt.

Insgesamt 70,6 Prozent der Österreicher verfügen über einen gültigen Impfschutz.

Nehammer: Impf-Prämie vorstellbar

Für Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) ist die Zahl noch zu gering. Er will alles tun, was dazu beitrage, mehr Menschen zum Impfen zu bringen, bevor die Impfpflicht in Kraft tritt, sagte Nehammer im APA-Interview.

Geld für Stich kann sich nun auch Bundeskanzler Nehammer vorstellen. 
- © apa / Georg Hochmuth

Geld für Stich kann sich nun auch Bundeskanzler Nehammer vorstellen.

- © apa / Georg Hochmuth

Er halte es für einen "sehr guten Zugang", auf positive Art zur Impfung zu motivieren - "in welcher Höhe und in welcher Form, da sollen sich die Expertinnen und Experten Gedanken machen", findet Nehammer. "Aber eines ist auch klar: Es kann dann nicht nur die neu zu Impfenden treffen, sondern gilt natürlich für alle, die bereit waren, sich impfen zu lassen."

An der Impfpflicht ab Februar hält Nehammer aber jedenfalls fest. Er habe sich kürzlich selbst ein Bild im AKH gemacht, erklärte Nehammer: 90 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen seien nicht geimpft, die anderen zehn Prozent hätten aufgrund von Vorerkrankungen kein funktionierendes Immunsystem. Propaganda gegen die Impfung sei daher "zutiefst zynisch". Auf Durchseuchung zu setzen, ist für Nehammer keine Option: "Das ist ein Weg, den Österreich bisher immer abgelehnt hat, weil er ja sozusagen das Urteil in sich trägt, dass viele Menschen auch sterben müssen."

Frühere Sperrstunde zum Schutz der Gesundheit

Viel Kritik muss sich die Bundesregierung dieser Tage wegen der Silvester-Regelung anhören. Wollte man zunächst auch Silvesterpartys in Lokalen erlauben, ruderte man fünf Tage später zurück und setzte die Sperrstunde um 22 Uhr fest. Die Kehrtwende argumentiert der Kanzler mit den Warnungen der Expertinnen und Experten. In der "gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination", kurz "Gecko", seien im Lichte der rasanten Ausbreitung von Omikron in Europa noch einmal alle Maßnahmen evaluiert worden. Omikron sei hierzulande bereits angekommen, verwies Nehammer darauf, dass es in Wien bereits die dominante Variante ist.

Für den teils lautstarken Protest aus Gastronomie und Tourismus, der auch aus seiner eigenen Partei kommt, äußerte Nehammer zwar Verständnis. Gleichzeitig betonte er: Niemand wolle irgendwen "quälen" oder "Geschäftsbereiche von anderen vorsätzlich stören", aber "das Virus ist nach wie vor gefährlich". Bis 22 Uhr dürfe man außerdem unter Schutzauflagen ohnehin ins Gasthaus, erinnerte Nehammer.

Davon, dass Impfgegner die Silvester-Regelungen offenbar mit Kundgebungen unterlaufen wollen, hält der Kanzler gar nichts: "Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch vernünftig zu tun." Das Versammlungsrecht sei ein hohes Gut, aber es sei nicht vernünftig, es "zu unterwandern oder gar zu missbrauchen und sich dann einer neuerlichen Gefahr einer Infektionswelle auszusetzen". (apa)