Da wurden Erinnerungen wach. Im Jahr 2020 war Karl Nehammer noch nicht wie jetzt Bundeskanzler, sondern Innenminister. Damals verstärkte der Reserveoffizier seine im Kasernenton gehaltene Warnung mit dem Ausspruch, die Polizei werde die "Flex" zur Trennung von Personen während der Ausgangssperren im Lockdown sein.

Bei der Pressekonferenz nach den Bund-Länder-Beratungen am Dreikönigstag übernahm Generalmajor Rudolf Striedinger, der neben Nehammer saß, diese Rolle. Im Heerestarnanzug zeigte sich der 60-Jährige, der seit dem vergangenen Sommer stellvertretender Generalstabschef des Bundesheeres ist, betont militärisch-zackig. Das Coronavirus sei "Gewalt gegen unsere Gesundheit", sagte er. Daher sei "Gewaltfreiheit" nicht angesagt.

Heer als Stütze in der Krise

Der Generalmajor ist seit Mitte Dezember im Duo mit der Spitzen-Gesundheitsbeamtin Katharina Reich Leiter der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination, kurz Gecko. Der Vater von sechs Kindern koordiniert dort die operativen Aufgaben.

Das Heer ist spätestens seit den im Eiltempo aus dem Boden gestampften Corona-Massentests vor Weihnachten 2020 Stütze im Kampf gegen die Corona-Krise, ohne Unterstützung hunderter Soldaten hätte es bei Tests, Impfungen und Kontaktnachverfolgung düster ausgesehen.

Der in Wiener Neustadt geborene Striedinger hatte 2006 das Kommando in der multinationalen Einsatzgruppe Eufor Althea in Bosnien und Herzegowina inne. Seine militärische Laufbahn erreichte 2011 einen ersten Höhepunkt. Da wurde er bis 2016 Militärkommandant in Niederösterreich. Auch wenn Striedinger als ÖVP-nahe gilt, wurde er 2016 vom damaligen SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil zum Leiter des Abwehramtes ernannt.

Aufgefallen ist Striedinger vor seinem Auftritt als Krisenmanager aber schon früher. So musste er sich Kritik gefallen lassen, weil er in Heeresuniform bei einer Veranstaltung der Europäischen Volkspartei mit Ex-ÖVP-Obmann Sebastian Kurz war. Die Uniform darf bei parteipolitischen Aktivitäten nicht getragen werden. Striedinger argumentierte, der parteiische Charakter der Veranstaltung sei auf der Einladung nicht ersichtlich gewesen.

Als Stabschef der amtierenden Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) ab Jänner 2020 ließ er mit einer Art Maulkorberlass für Soldaten, die auch Corona-Verschwörungstheorien verbreiteten, aufhorchen. Sein Erlass wurde vom Ministerium so entschärft, dass die Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt wurde. Gegner der Corona-Maßnahmen der Regierung wird auch sein Bekenntnis zur Corona-Impfung als "Waffe" gegen die Pandemie nicht geschmeckt haben.(ett)