Alles schaut auf die 1,1 Milionen Schulkinder, für die drei Coronatests pro Woche vor dem Unterricht verpflichtet sind. Für die Eltern zigtausender Mädchen und Buben ist jedoch der Besuch des Kindergartens angesichts der steigenden Infektionszahlen aufgrund der Omikronvariante eine ständige Zitterpartie - mangels verpflichtender Tests.

In der 2300 Einwohner zählenden Marktgemeinde Sommerein im Bezirk Bruck an der Leitha ist das anders. Dort hat Bürgermeister Karl Zwierschitz bereits ab 13. Dezember für alle 96 Kindergartenkinder als "Hausherr" Schlecker- beziehungsweise Lollipoptests angeordnet. "Bei uns, wo jeder jeden kennt, tut man sich leichter", räumt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ein: "Es ist eine gute Sache."

"Ich habe auch mit mehr Widerstand gerechnet", erinnert sich der SPÖ-Bürgermeister der niederösterreichen Gemeinde nahe der burgenländischen Grenze knapp ein Monat nach dem Beginn der verpflichtenden Coronatests im örtlichen Kindergarten. Die Alternative ist, dass nichtgetestete Kinder daheim bleiben müssen. Von neun oder zehn Kindern, deren Eltern die Teilnahme zunächst verweigert haben, haben schon nach einem Tag sechs weitere mitgemacht. Zwei, drei Eltern hätten "geschimpft" über die Anordnung des Gemeindechefs, erzählt der SPÖ-Politiker, der seit gut einem Vierteljahrhundert Bürgermeister ist. Schließlich habe nach Gesprächen mit den Eltern aber auch das letzte Kind nach drei, vier Tagen noch vor Weihnachten an den Tests teilgenommen.

Die Coronasituation der Unter-Sechs-Jährigen und ihrer Eltern gerät regelmäßig in den Hintergrund, auch wenn in den Familien die gleichen Sorgen wegen einer möglichen Ansteckung wie bei Schulkindern herrschen. Der Hauptgrund dafür ist, dass für die Kindergärten im wesentlichen die Bundesländer zuständig sind. Der Bildungsminister kann lediglich Empfehlungen aussprechen, letztlich legt jedes Bundesland seine Vorgangsweise fest.

"Es kann nicht nur Rechte geben"

Der Bürgermeister von Sommerein hat die verpflichtende Maßnahme als "Hausherr" über den Kindergarten, der auch für die Finanzierung und Erhaltung verantwortlich ist, angeordnet, auch wenn das gesetzlich nicht ganz auf sicheren Beinen steht. "Es kann nicht nur Rechte geben, es muss auch Pflichten geben", betont Zwierschitz. Der Druck für verpflichtende Tests kam zunächst von anderen Eltern, aber auch vom Personal selbst.

Die notwendigen Lollipops für die Coronatests werden vom Land Niederösterreich zur Verfügung gestellt. Zwierschitz sagt aber auch ganz offen, dass erst diese für kleinere Kinder einfachen Schleckertests die Voraussetzung waren. Nasenbohrertests hätte er weder den Kindern, noch dem Personal zur Durchführung verordnet.

Land hält an Freiwilligkeit fest

In Niederösterreich haben sich Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) noch vor Weihnachten nach einem Treffen mit Expertinnen und Experten hingegen darauf festgelegt, dass es landesweit dabei bleiben wird, Schleckertests in den Kindergärten freiwillig anzubieten. Eltern erhielten für Weihnachten ein Testpaket für daheim. Über das weitere Vorgehen wird je nach Coronaentwicklung entschieden.

Der Bürgermeister von Sommerein kann auch der umstrittenenen Corona-Impfpflicht etwas abgewinnen: "Grundsätzlich stehe ich dem positiv gegenüber." Allerdings hält er nichts davon, wie das nach dem Regierungsentwurf nun mit Verwaltungsstrafen kombiniert sei.