Mehr als 30 Wissenschafter mahnen im Fachmagazin "British Medical Journal (BMJ)" ein europaweites Vorgehen zur Eindämmung der neuen Omikron-Variante ein. Der Eindruck sei entstanden, dass es sich um eine "milde" Variante handle, deren Eindämmung keinen Sinn mehr mache. Der an dem Aufruf beteiligte IHS-Forscher  warnt in dem Zusammenhang vor einem "unangebrachten und gefährlichen" Fatalismus.

An dem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag war aus Österreich neben Czypionka auch die Politologin Barbara Prainsack von der Uni Wien beteiligt. Beide hatten zuletzt auch an einem internationalen Aufruf der Forschungsgemeinschaft gearbeitet, eine Niedriginzidenzstrategie anzustreben, um die Belastungen in allen Lebensbereichen gering zu halten.

Europaweites Vorgehen

Diese Strategie steht und fällt aber mit einem koordinierten Vorgehen Europas, da eine niedrige Fallzahl für ein Land nicht haltbar wäre, wenn das Nachbarland, bei offenen Grenzen, eine große Welle erlebt. "Eine Niedriginzidenz ist bei Omikron nicht trivial, aber wir wollten darauf aufmerksam machen, dass sie nach wie vor Gültigkeit hat und Überlastungen nach wie vor relevant sind", sagt Prainsack. Klar sei aber auch, dass die angestrebte Niedriginzidenz im Winter ein anderes Niveau habe als im Sommer.

Man müsse dem fortschreitenden Fallzahlenanstieg in Europa gemeinschaftlich entgegenzutreten. "Es ist an der Zeit, die europäische und auch die globale Dimension dieser Pandemie endlich auch in der Politikgestaltung ernst zu nehmen. Das Problem kann nicht auf nationaler Ebene gelöst werden", sagt Prainsack.

Die Forscher weisen auf drei Handlungsfelder hin: Den weiter entscheidenden Zusammenhang zwischen hohen Infektionszahlen und drohenden hohen Belastungen im Gesundheitssystem, den besonderen Schutz der weiter großteils ungeimpften Kinder sowie das Hintanhalten der Welle, um Zeit für das Vorantreiben der Drittimpfungen zu schaffen.