Patienten und Bürgermeister klagen darüber, dass Planstellen für Hausärzte mit Kassenvertrag im ländlichen Raum längere Zeit unbesetzt bleiben. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) verweist darauf, dass es vor allem von Seiten der Krankenkassen seit Jahren Bemühungen um eine attraktive und gerechte Entlohung der Kassenärzte gebe. Aktuell liege das Jahreseinkommen vor Steuer für Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag im Durchschnitt bei 150.000 Euro, teilt er in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPÖ-Bundesräte mit. Dabei seien bereits alle Praxiskosten und die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen.

Zur Verschärfung der Problematik um die Besetzung von Hausarztstellen trägt bei, dass es bis 2025 zu einer Pensionierungswelle kommt. Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung habe für die Krankenversicherungsträger, der größte ist die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) für die Arbeitnehmer, oberste Priorität, versichert der Ressortchef. Außerdem weist er darauf hin, dass Österreich gemessen an der Bevölkerungszahl die zweithöchste Rate an Ärzten habe.

Knapp 4000 Hausärzte mit ÖKG-Vertrag

So habe die Gesundheitskasse, die Anfang 2020 durch die Zusammenlegung der neun Gebietskrankenkassen in den Bundesländern entstanden ist, mit Stand 1. Jänner 2020 insgesamt in Österreich über 3.839 Kassenverträge mit Allgemeinmediziner verfügt. Dazu kamen 3.132 Fachärzte. Davon seien gut 97 Prozent der Stellen besetzt gewesen. Das bedeutet umgekehrt, dass knapp drei Prozent der Kassenstellen unbesetzt waren. In Österreich sei die Zahl der Kassenärzte je 100.000 Einwohner von 71,6 auf 82,0 Mediziner erhöht worden, listet der Gesundheitsminister auf.

Es sei jedoch "nicht von der Hand zu weisen", dass es regional zu "Nachbesetzungs- und Verteilungsproblemen" bei den Kassenarztposten komme, räumt Mückstein ein. Unter Federführung der Gesundheitskasse habe man aber bereits Anstrengungen unternommen, um Ordinationen für Nachfolger attraktiver zu gestalten. Noch vor seinem Abschied als Wissenschaftsminister hat Heinz Faßmann im vergangenen November die stufenweise Aufstockung der Plätze für Medizinstudenten von 1.800 auf 2.000 Plätze bis 2028 angekündigt, damit trotz der Kontingentierung der Studienplätze mehr Mediziner ausgebildet werden.

Der Gesundheitsminister verweist weiters darauf, dass Maßnahmen zur Behebung des Mangels an Kassenärzten vor allem im ländlichen Raum bereits gesetzt wurden. Dazu zählt die Förderung von Lehrpraxen, um junge Mediziner an den Beruf heranzuführen. Außerdem gebe es flexiblere Modelle für die Führung von Ordinationen. Hintergrund dafür ist, dass es den Wunsch von Allgemeinmedizinern gibt, in Gemeinden nicht rund um die Uhr verfügbar sein zu müssen, wie das früher bei Hausärzten üblich war.

Weniger Primärversorgungszentren als geplant

Der Gesundheitsminister und die Gesundheitskasse setzen vor allem auch auf sogenannte Primärzversorgungszentren, in denen Allgemeinmediziner etwa mit Pflegekräften und Therapeuten zusammenarbeiten. Der Ausbau dieser Primärversorgungseinrichtungen hinkt aber deutlich hinter den Zeitplänen hinterher. Die gesetzliche Basis wurde dafür 2017 geschaffen. Ursprünglich war bis Ende 2021 die Schaffung von 75 Primärversorgungszentren vorgesehen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Letztlich wurden 28 eingerichtet. Der Ausbau soll aber vorangetrieben werden, allerdings keineswegs nur im ländlichen Raum, sondern auch in Wien. Dort sollen Primärversorgungseinrichtungen auch die Spitalsambulanzen entlasten.

Neun Monate Lehrpraxis ab Juni

Außerdem würden der Dachverband der Sozialversicherungsträger und die Ärztekammer zusammenarbeiten, um die Qualität der Ausbildung der Jungmediziner zu erhöhen. Für eine verstärkte Praxisausbildung sieht die Ausbildungsordnung 2015 bereits eine sechsmonatige Ausbildung in einer Lehrpraxis im Fach Allgemeinmedizin vor, um mehr praktische Erfahrung zu sammeln.  Mit Ausbildungsbeginn ab 1. Juni dieses Jahres wird diese Lehrpraxiszeit dann auf neun Monate erhöht. Ab 2027 ist schließlich eine nochmalige Verlängerung auf zwölf Monate vorgesehen.

Darüber hinaus wird die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin beziehungsweise zum Allgemeinmediziner finanziell unterstützt. Bund, Länder und Sozialversicherung fördern diese Ausbildung, wobei die Sozialversicherung seit 2018 mit 32,5 Prozent der geschätzten Gesamtkosten praktisch ein Drittel der Aufwendungen übernimmt, wie Mückstein in seiner Antwort an die SPÖ-Bundesräte erläutert. Heuer und 2023 wird der Finanzierungsschlüssel etwas geändert: Die Sozialversicherung übernimmt nun 30 Prozent, Bundesländern 25 Prozent und der Bund 15 Prozent für die Inhaber von Lehrpraxen. Damit sei es möglich, rund 450 Lehrpraktikantinnen und Lehrpraktikanten bei der Ausbildung zu unterstützen.