Am Dienstag soll an manchen Schulen "gestreikt" werden. Dazu haben voneinander unabhängig die SPÖ-nahe Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) sowie ein Zusammenschluss von Schulsprecherinnen und Schulsprechern aufgerufen. Die Forderungen sind unterschiedlich - gemeinsam ist ihnen, dass die mündliche Matura auch heuer nicht verpflichtend absolviert werden muss. Die von der ÖVP-nahen Schülerunion dominierte Bundesschülervertretung (BSV) teilt das Anliegen, lehnt Streiks aber ab.

In den vergangenen beiden Jahren war die mündliche Matura nur freiwillig. Wer nicht antreten wollte, bekam in dem betreffenden Fach die Note der Abschlussklasse ins Maturazeugnis. Für heuer gibt es zwar ebenfalls diverse Erleichterungen, allerdings soll die mündliche Reifeprüfung wieder verpflichtend sein. Daran hält Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) nach einem Gespräch mit Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger (Schülerunion) am Montag Nachmittag auch fest. Er wolle keine "Zwei-Klassen-Matura", hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme. "Die Matura soll für alle Schülerinnen und Schüler gleich sein."

In Sachen Matura am weitesten geht die AKS - sie wünscht sich, dass diese für die Schüler heuer de facto freiwillig sein soll. Maturanten sollen die Wahl haben, ob sich ihr Maturazeugnis einfach aus den Noten der letzten beiden Schuljahre zusammensetzt oder ob sie eine reguläre schriftliche Matura sowie eine nur freiwillige mündliche Matura absolvieren. Auch die Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) bzw. Diplomarbeiten soll nur freiwillig stattfinden. "Der diesjährige Matura-Jahrgang ist von der Pandemie am stärksten betroffen, hat aber die geringsten Anpassungen bei der Matura bekommen", meinte die Wiener AHS-Landesschulsprecherin Maria Marichici bei einer Pressekonferenz am Montag.

Präsenzunterricht ohnehin aufgehoben

Im technischen Sinn streiken können die Schüler nicht. Derzeit ist die Präsenzpflicht an den Schulen pandemiebedingt ohnehin aufgehoben.

Die AKS ruft die Schüler auch dazu auf, regulär in die Schule zu kommen, aber für eine Stunde den Unterricht zu verlassen. An rund einem Dutzend Standorten in Österreich sind in dieser Zeit Versammlungen vor der Schule geplant, zu denen auch Schülerinnen und Schüler anderer Standorte kommen sollen. Darüber hinaus gebe es "kleine lokale Aktionen" anderer Schulen.

Damit gemeint ist wohl der "Streikaufruf" von etwa 100 Schulsprechern bzw. deren Stellvertretern um Mati Randow vom Gymnasium in der Rahlgasse. Sie fordern in einer Aussendung "nur" eine freiwillige mündliche Matura bzw. VWA/Diplomarbeit sowie die Kürzung der Themenbereiche bei der schriftlichen Reifeprüfung. Außerdem müssten (unabhängig von der Matura) ausreichend PCR-Tests für Schulen und Fast Lanes für Schülerinnen und Schülern an allen Teststraßen zur Verfügung stehen sowie langfristige Sicherheitskonzepte für Schulen erstellt werden.

Gemeinsam ist den Initiativen, dass sie es nicht bei den morgigen "Streiks" belassen wollen, wenn es kein Entgegenkommen Polascheks gibt. Insgesamt gibt es in Österreich rund 700 AHS und berufsbildende höhere Schulen (BHS).

Polaschek hat für die Schülerforderungen zwar Verständnis: Die Auswirkungen der Pandemie seien immer noch spürbar - daher habe man ja auch Erleichterungen wie eine Verlängerung der Arbeitszeit bei der Klausur bzw. der Abgabefristen für die VWA und eine Einschränkung der Themenbereiche bei der mündlichen Matura fortgeführt. "Wir nehmen also Rücksicht darauf, dass Corona noch immer Auswirkungen auf den Schulalltag hat - auch, wenn die Schulen durch ein engmaschiges Sicherheitsnetz dieses Schuljahr erfreulicherweise offen bleiben konnten."

Öllinger nannte Streiks einen "falschen Ansatz": "Wir setzen uns mit den politischen Entscheidungsträger:innen an einen Tisch und machen konstruktive Bildungspolitik statt destruktiver Showpolitik." Auch mit Polaschek wolle man weiter über eine "faire Matura" sprechen. (apa)