Für die in der Coronakrise eingeführte Sommerschule in den letzten beiden Sommerferienwochen wurde zwar vor Weihnachten eine gesetzliche Basis geschafft. Dennoch drohen im heurigen Jahr Schwierigkeiten. Denn die obersten Lehrergewerkschafter vermissen eine Gesetzesgrundlage für die Besoldung. "Das ist ein Problem, das kann ich bestätigen", sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der Chef der SPÖ-Fraktion, Thomas Bulant, kündigt aus diesem Grund Widerstand an und stemmt sich wie Kimberger dagegen, dass auf Schuldirektoren und Lehrer Druck zur Teilnahme an der Sommerschule ausgeübt wird.

In den Sommerferien 2020 und 2021 gab es jeweils an bestimmten Schulstandorten, vor allem an Volks- und Mittelschulen, ab Ende August zwei Wochen Unterricht. Damit sollten vor allem Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen wegen des coronabedingten Heimunterrichts eine Unterstützung dabei erhalten, diese wieder aufzuholen. Im Dezember wurde die Sommerschule dann als Dauereinrichtung im Nationalrat beschlossen. SPÖ und auch die Neos drängen jedoch auf eine Ausweitung.

Regelung vor dem Sommer ist ausständig

Der Haken dabei wird jetzt offenkundig. Wie Kimberger, schwarzer Christgewerkschafter und auch Vorsitzender der Arge Lehrer, erläutert, wurde die Dienstrechtsnovelle, die die Besoldung für die Sommerschule regeln soll, nämlich im Spätherbst des Vorjahres nicht beschlossen. Noch besteht die Möglichkeit, dass dies im Zuge einer weiteren Novelle im Frühjahr nachgeholt wird. Zuständig dafür ist der für den öffentlichen Dienst verantwortliche Vizekanzler Werner Kogler (Grüne).

"Wer weiß, wann das im Frühjahr kommt", meint Kimberger. Daher stehe man derzeit ohne gültige Rahmenbedingungen für die Sommerschule da. Gleichzeitig sind offensichtlich Direktorinnen und Direktoren sowie auch Pädagoginnen und Pädagogen damit konfrontiert, sich heuer in den Ferien für die Sommerschulen zur Verfügung zu stellen. Faktum sei, dass er bereits mit Ex-Bildungsminister Heinz Faßmann Freiwilligkeit bei der Teilnahme vereinbart habe, stellt Kimberger dazu fest: "Das gilt." Das sei ihm inzwischen auch aus dem nun von Minister Martin Polaschek geführten Ressort zugesichert worden.

Ablehnung wegen "rechtlichem Torso"

Sein Gewerkschaftskollege von den SPÖ-nahen Pflichtschullehrern, Thomas Bulant, beklagt in einem Schreiben, er lehne als Personalvertreter die Sommerschule ab, weil das Bildungsministerium über die Schulqualitätsmanager (SQM), die früheren Schulinspektoren, dazu "veranlasst" habe, Schulleiter und Lehrkräfte zur Teilnahme an der Sommerschule "zu bewegen". 

Es sei richtig, dass von Bildungsdirektionen Druck gemacht werde, erläutert Kimberger, der sich aber entschieden dagegen verwahrt: "Freiwillig ist freiwillig. Das ist absolut inakzeptabel." Schon in den vergangenen beiden Jahren war im Schulbereich berichtet worden, dass Direktoren angehalten worden seien, ihre Schule als Standort für eine Sommerschule zur Verfügung zu stellen. Zur Betreuung wurden vor allem auch Lehramtsstudenten zusätzlich zu Lehrerinnen und Lehrern, die freiwillig unterrichtet haben, eingesetzt.

Bulants Ablehnung der Sommerschule geht aber über das Faktum der offenen Besoldungsfrage hinaus. Es handle sich um eine "Verheißung, mit ihr wird alles gut". Damit werde eine Erwartungshaltung geweckt, "der die Schule von der Sprachförderung über die Nachhilfe bis zur Begabtenförderung in zwei Wochen nicht gerecht werden kann", argumentiert er.

Personalsuche ist im Laufen

Die Aufregung bei den Lehrern und deren Vertretern fällt genau in eine Phase, in denen die Verzögerung der Ergebnisse der PCR-Coronatests ohnehin für massive Verärgerung sorgen. Deswegen finden in manchen Bundesländern PCR-Tests auch diese Woche nur einmal statt, während das Bildungsministerium ab Montag zwei PCR-Tests in allen Bundesländern angekündigt hatte, wie das in Wien bereits der Fall ist.

Die Wiener Bildungsdirektion hat, wie die "Wiener Zeitung" bereits berichtete, mit der Ankündigung aufhorchen lassen, dass nicht nur zusätzliche Lehramtstudenten als Ersatz für Personalausfälle durch Coronainfektionen in den Schulen gesucht werden, sondern auch 600 pensionierte Lehrerinnen und Lehrer telefonisch kontaktiert werden. Auch diese Lehrer, die zwischen 2019 und 2021 in den Ruhestand gegangen sind, sollen als Reversepool bereit stehen, um kurzfristig als Ersatz im Falle vieler Coronaerkrankungen von Lehrern an Schulstandorten einzuspringen.

"Pensionierte Lehrer nur als Notmaßnahme"

"Das ist eine absolute Notmaßnahme, die jetzt getroffen wird", erklärt dazu der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft. Kimberger fordert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eine differenzierte Betrachtungsweise: "Mit Lehramtsstudenten und pensionierten Lehrern werden wir das Problem nicht lösen." Es sei vielmehr angesichts der Situation in den Schulen so, "dass wir dringendst, dringendst Personal brauchen". Was die Belastung betrifft, sei man "weit über dem Limit". Dabei sei Wien nur der "absolute Hotspot". Es müsse regulär mehr Personal eingestellt werden.

Auch bei der Rückholaktion pensionierter Lehrerinnen und Lehrer sieht der oberste Lehrergewerkschafter noch ein ungelöstes Problem: "Ein Junglehrergehalt wird nicht rasend attraktiv sein." Die Forderung sei daher, entsprechende Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Besoldung für eine Rückkehr zu schaffen. Die Wiener Bildungsdirektion bietet den 600 Pädagoginnen und Pägagogen, die in nächster Zeit angerufen werden, eine Anstellung in der ersten Gehaltsstufe an.