Die Zahl der Infektionen bewegt sich Omikron-bedingt auf einem Niveau, das Österreich in dieser Pandemie noch nicht erlebt hat. Die Impfung bietet keinen ausreichenden Infektionsschutz mehr, sehr wohl hilft sie nach wie vor gut vor schweren Erkrankungen. Dennoch stellt sich für derzeit rund 20.000 bis 30.000 Menschen pro Tage die Frage: Und jetzt? Das gilt zudem auch für jene, die einen engen Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Ein paar Antworten, da in den kommenden Wochen mit hunderttausenden Infektionen zu rechnen sein wird.

Auf welche Symptome ist bei Omikron zu achten?

Covid-19 offenbart seit Beginn der Pandemie ein breites Bouquet an Symptomen. Die Allgemeinmedizinerin Susanne Rabady, die auch der Corona-Kommission angehört, beobachtete etwa, dass einige Patienten nur über Kreuzschmerzen klagten. Als spezifisch erwiesen sich der trockene Husten und der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Gerade dieser ist bei der Omikron-Variante bisher nur selten beobachtet worden. "Man sieht ein ein bisschen anderes klinisches Bild", sagt der Innsbrucker Infektiologe und Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin, Günter Weiss. "Die Patienten klagen eher über die klassischen Beschwerden eines grippalen Infekts, wie rinnende Nase, Kopf- und Halsschmerzen und weniger über bronchitische Beschwerden."

Patienten im Spital zeigen zudem nicht so eine starke Lungenbeteiligung bei Omikron, berichtet Weiss. Möglicherweise setze sich das Virus eher im Nasenrachenraum fest. Weiss verweist auch auf eine aktuelle Studie aus Kalifornien, wonach 52 Prozent weniger Patienten ins Spital mussten als bei der Delta-Variante, um 74 Prozent seltener auf einer Intensivstation landeten und die Patienten durchschnittlich auch um rund drei Tage kürzer im Spital blieben. Ob es Unterschiede bei den Symptomen zwischen Geimpften und Ungeimpften gibt, sei noch nicht untersucht, erklärt Weiss.

Was tun nach Kontakt mit einer infizierten Person?

Allgemein gilt laut Weiss: "Je mehr Virus man abbekommt, desto eher wahrscheinlich ist eine Infektion. Und je weniger es dem Körper gelingt, das Virus zu eliminieren, desto schwerer ist der Verlauf." Bisher seien "Erste-Hilfe"-Maßnahmen bei Sars-CoV-2 nicht ausreichend untersucht, sagt der Mediziner. "Bei anderen Virusinfektionen hat man gesehen, dass zum Beispiel Inhalation etwas bringt, also Feuchtigkeit." Derzeit werde geprüft, ob lokale Antiseptika einen Nutzen haben. Das sind zum Beispiel Nasen- und Mundsprays oder Gurgellösungen. Die Idee dahinter: Vielleicht könnte man dadurch die Viruskonzentration reduzieren oder gar ein Festsetzen des Virus verhindern. "Das ist ein interessanter Ansatz und in-vitro gibt es dazu ganz gute Daten, aber es gibt noch keine klinischen Studien", sagt Weiss. Ein großer Vorteil wären die gute Verfügbarkeit und einfache Handhabung. Nach einem Kontakt mit Infizierten, dem Aufenthalt in einem heiklen Setting oder gar nach einem positiven Test, allerdings noch bevor Symptome eingesetzt haben, könne man zu diesen Mitteln greifen, sagt Weiss. Aber vorerst eben, mangels entsprechend großer klinischer Studien, eher nach dem Motto: Nutzt’s nichts, schadet’s nichts. Viel mehr als eine Idee (und ein paar ganz kleine Arbeiten) ist die Wirksamkeit nicht.

Was tun bei einer Covid-19-Erkrankung?

Der klassische Weg bei einer Erkrankung, nämlich oftmals direkt zum Hausarzt, ist bei Covid-19 nicht angeraten. Die Allgemeinmediziner bleiben zwar erste medizinische Ansprechpartner, nur sollte der Kontakt zunächst per Telefon passieren. Die Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) hat einen Behandlungsbogen entwickelt, wichtig ist vor allem ein Monitoring des Verlaufs, wobei die Ärztinnen und Ärzte auf Impfstatus und Risikofaktoren achten müssen.

Bei einem milden Verlauf, vor allem bei jüngeren Personen, ist eine symptomatische Behandlung wie bei anderen viralen Infekten gängig. "Von anderen Viren weiß man, dass fiebersenkende Mittel mitunter die Krankheitsdauer verlängern können. Dafür erhalte ich aber mehr Komfort", sagt Weiss. Bei den bisherigen Varianten wurde auch eine Atemgymnastik zur Vorbeugung einer Pneumonie empfohlen sowie, zumindest bei Risikogruppen, die Überwachung mittels Pulsoxymeter, der den Sauerstoffgehalt im Blut misst. Covid-19 hat sich als tückisch erwiesen, da sich oftmals nach Abklingen der ersten Symptome, nach 7 bis 10 Tagen, die Lungenentzündung entfaltet, wobei dies oft gar nicht zu bemerken war. Vielleicht auch, so Internist Weiss, weil das Virus auch das Nervensystem angreifen kann.

Welche Medikamente gibt es?

Erst seit kurzer Zeit stehen gewisse Medikamente zur Verfügung, die sehr vielversprechend schwere Verläufe verhindern. Sie sind aber noch nicht in großer Menge vorhanden und zudem sehr teuer. Die vielen Mutationen der Omikron-Variante haben einigen vom Bund bereits beschafften monoklonalen Antikörper-Präparanten, die einmalig intravenös verabreicht werden, die Wirksamkeit genommen. Beim Wirkstoff Sotrovimab ist man zwar zuversichtlich, aber durch die geringe verfügbare Menge wird sie Personen mit sehr hohen Risikofaktoren, etwa Organtransplantierten, bevorzugt gegeben.

Mit dem Präparat Molnupiravir und (bald) Paxlovid gibt es auch zwei Medikamente in Tablettenform, die die Virusvermehrung behindern. Sie müssen aber, wie die monoklonalen Antikörper, sehr früh, also binnen weniger Tage nach Ausbruch der Symptome verabreicht werden. Wenn erst einmal das Virus die bedrohlichen Immunreaktionen ausgelöst hat, ist es zu spät. Eine frühe Gabe ist Voraussetzung für die Wirksamkeit, was logistisch schwierig ist. In Tirol, erzählt Weiss, werden beim Contact Tracing Impfstatus und Risikofaktoren abgeklärt, und dadurch wird entschieden, ob eine medikamentöse Behandlung angeraten ist, um die Gefahr eines schweren Verlaufs möglichst zu reduzieren. Das wird in jedem Bundesland anders gehandhabt.

Rabady hält das vor allem bei Paxlovid für problematisch, das sich noch in der Zulassung befindet. Bei diesem Präparat von Pfizer dürfte es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben, weshalb die behandelnden (Haus-)Ärzte eingebunden werden sollten, schlägt Rabady vor. Die große Herausforderung, der sich auch die Gecko-Kommission widmet, ist, dass aufgrund der noch geringen Verfügbarkeit meist eine recht zentrale Steuerung nötig ist, abseits des niedergelassenen Bereichs, die Hausärzte als oftmalige erste Ansprechpartner aber über den Gesundheitszustand ihrer Patienten am besten Bescheid wissen.

Eine breite Abgabe dieser Medikamente, wenn sie einmal in ausreichender Anzahl vorliegen, hält Weiss nicht für zielführend. "Da habe ich dann mehr mit den Nebenwirkungen zu kämpfen", sagt er. Abwarten, ob sich ein Krankheitsverlauf verschlimmert, ist bei diesen Medikamenten aber eben auch nicht möglich. Weiss weist auch darauf hin, dass die Wirksamkeit auch nur bei Ungeimpften untersucht wurde und unklar ist, ob es einen Nutzen bei Geimpften auch gibt.

Was bedeutet das kürzere serielle Intervall?

An Omikron ist die kürzere Inkubationszeit auffallend. Das ist vor allem für das in Österreich gepflegte "Sicherheitstesten" eine Herausforderung. "Wenn das Virus in Gang kommt, geht es schnell", sagt Weiss. Das ist also immer mitzudenken. Da auch im günstigen Fall die Auswertungen der PCR-Tests 15 bis 24 Stunden dauern, kann ein negatives Ergebnis selbst bei diesen genauen molekularbiologischen Tests nicht mehr aktuell sein. Andererseits bietet das kürzere serielle Intervall den Vorteil, nach wenigen Tagen nach einem Kontakt Gewissheit über eine Infektion zu erhalten. Das heißt, wer sich zwei bis drei Tage nach einem Aufenthalt in einem kritischen Setting mit vielen Menschen isoliert und anschließend testet, kann das Risiko, unerkannt infiziert zu sein, stark minimieren. Umgekehrt ist allerdings durch Omikron auch mehr Vorsicht bei der Interpretation von Testergebnissen geboten, jedenfalls mehr als bisher. Wer etwa am Mittwoch viele Kontakte hatte und am Samstagnachmittag Freunde trifft, kann bereits hoch infektiös sein, auch wenn der PCR-Test vom Freitag noch negativ war.