Manchmal geht es auch in der katholischen Kirche schnell. Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn hat nur wenige Tage nach einem öffentlichen Auftritt des Wiener Diakons, Psychotherapeuten und Polizeiseelsorgers Uwe Eglau reagiert und die Notbremse bezogen. Nachdem Eglau zunächst am 11. Jänner als Mitunterzeichner eines sehr kritischen Offenen Briefes von mehreren hundert Polizisten gegen die Covid-Impfpflicht für Aufregung gesorgt hatte und dann auch noch am 15. Jänner bei einer Corona-Demo mit den amtsbekannten Maßnahmengegnern Martin Rutter und Hannes Brejcha als Redner aufgetreten war und dabei auch die Bundesregierung verbal angegriffen hatte, zog der Kardinal am 19. Jänner die Notbremse und berief ihn als Polizeiseelsorger ab. Ehrenamtlicher Diakon darf Eglau aber bleiben. 

Während er nun von militanten Impfgegnern als "mutiger Diakon" und Vorkämpfer gegen den "Impfzwang" gefeiert wird, sorgt die ganze Causa für Unverständnis unter Diakonkollegen. Konkret soll sich Eglau bei der Corona-Demo laut der Tageszeitung "Standard" auf den Spuren des von ihm verehrten Franz Jägerstätter gesehen haben, der als Kriegsdienstverweigerer von den Nazis hingerichtet worden war. Andere würden sich vor möglichen dienstrechtlichen Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie ihre Meinung offen sagten, aber, so Eglau: "Franz, wenn ich jetzt in deine Fußstapfen trete und ein bisschen zum Bekenner werde, dann macht's nichts – und deswegen habe ich meinen Namen hergegeben. Ich erkenne mein geliebtes Vaterland nicht wieder. Die Spaltung geht bis in die Familien, auch in meine." Er wolle mit den anderen dafür sorgen, "dass diese Form der Regierung ein Ende hat", zitierte ihn der "Standard".

Schönborn: "Deine Privatmeinung kann als offizielle Position der katholischen Kirche missverstanden werden"

  

Sein öffentlicher Auftritt bei der Corona-Demo und der vorangegangene Offene Brief, in dem es unter anderem hieß, dass die Impfpflicht "den Zweck der Pandemiebeendigung wohl nicht erfüllen" könne und die Unterzeichner sie als "medizinischen Versuch" bezeichneten, an dem sie nicht teilnehmen möchten, waren dem Erzbischof zu viel. Schönborn schrieb in der Eglaus Abberufung: "Deine öffentlichen Meinungsäußerungen hinsichtlich der Regierungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Form eines Offenen Briefes an den Herrn Bundesminister für Inneres bzw. durch Deinen öffentlichen Auftritt im Rahmen der Corona-Demonstration am 15. Jänner sind geeignet, dass Deine Privatmeinung als offizielle Position der katholischen Kirche missverstanden werden kann und dadurch in weiterer Folge Schaden für das von gegenseitigem Vertrauen geprägte Verhältnis von Kirche und Staat im Bereich der Polizeiseelsorge nach sich ziehen kann."

Die Haltung der Kirche zur Covid-Impfpflicht ist jedenfalls klar: Als Ultima Ratio unterstützen sie die österreichischen Bischöfe. Und im Vatikan hat Papst Franziskus, für den das Impfen "ein Akt der Nächstenliebe" ist, sogar schon im Februar 2021 eine Impfpflicht für alle Bewohner und dort beschäftigten Angestellten verfügt. Das kleinste Land der Welt war somit eines der ersten mit einer allgemeinen Impfpflicht. 

Eglau: "Es wird eigentlich von der wesentlichen Absicht meines Auftritts abgelenkt"

 

Gegenüber der "Wiener Zeitung" meint Diakon Eglau nun über seinen Demo-Auftritt, dass es seine Intention war, "dem Namen unter dem Brief ein Gesicht zu geben". Er sei bereits vorher im Sigmund Freud Park auf der Bühne gestanden, "auf der auch Frau Dr. Petrovic und Roland Düringer gesprochen haben". Rutter habe er hinter der Bühne am Heldenplatz zum ersten Mal persönlich getroffen, "und er ist mir freundlich begegnet". Mit der Diskussion um seine Aussagen werde "eigentlich von der wesentlichen Absicht meines Auftritts abgelenkt". Ihm und seinen Kollegen sei es in ihrem Offenen Brief darum gegangen, "auf die massive Spaltung in der Gesellschaft nochmals aufmerksam zu machen, die sich auch auswirkt in der Polizei und auch in meinen Gemeinden".

Eglau betont, dass er sich als "Seelsorger für jeden Menschen" sieht, "ob Maßnahmenbefürworter oder Maßnahmengegner". Beide Seiten nehme er in ihrer Sorge ernst und wünsche sich wieder ein "sowohl als auch" und nicht weiter ein "entweder oder" in der Diskussion miteinander. "Ich fürchte aber, dass der Versöhnungsweg ein langer werden und viel Eingeständnis von beiden Seiten verlangen wird."

Die Erzdiözese Wien, sagt Eglau, habe ihm nach dem Offenen Brief "einen Maulkorb verpasst". Die Abberufung als Polizeiseelsorger durch den Erzbischof sei dann per E-Mail ohne vorherige Gespräche mit ihm gekommen. Er will nun seine Möglichkeiten abwägen, "mich beraten und dann darauf reagieren". Er möchte aber auch in dieser Causa "einen Versöhnungsweg einzuschlagen. Ich würde mir aber wünschen, dass die Kirche wieder zur Kirche Gottes und der Menschen wird und nicht zum Partner des Staates", so Eglau. "Das ist auch der Grund, warum dieses Schreiben nun so viral geht, da genau dieses Argument darin den Menschen aufstößt."

(red)