Das letzte Wort ist für die Grünen in der Diskussion um die von Bildungsminister Martin Polaschek für heuer angekündigte Rückehr zur verpflichtenden mündlichen Matura nicht gesprochen. "Man muss abwarten, wie sich die nächsten Wochen entwickeln", sagte die grüne Bildungssprecherin Sibylle Hamann unter Hinweis auf die Coronasituation in den Schulen im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Eines steht für sie fest: "Soviel wie möglich Stress herausnehmen."

Die SPÖ-nahe Aktion Kritischer Schüler ruft für diesen Mittwoch erneut zu einem Maturastreik auf. Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) tritt offen für eine freiwillige statt einer verpflichtenden mündlichen Matura ein.

In den beiden vergangenen Jahren gab es neben anderen Erleichterungen wegen der Einschränkungen des Unterrichts aufgrund der Pandemie jeweils nur eine freiwillige mündliche Matura. Für heuer pocht der seit Dezember im Amt befindliche Minister Polaschek hingegen wieder auf ein verpflichtendes Antreten bei der mündliche Reifeprüfung Mitte Juni. Von AHS-Direktorenvertretern wird das grundsätzlich begrüßt.

"Viel wesentlicher sind die Kürzungen beim Stoff", betont, die grüne Bildungssprecherin Hamann zur heurigen Matura. Außerdem müsse auch auf die Abschlussprüfungen im Bereich der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), die schon vor dem Termin der schriftlichen Matura in den AHS am 2. Mai beginnen, Rücksicht genommen werden.

Jugendvertreter sind gegenläufiger Meinung

Grundsätzlich sind die Grünen weiter für eine freiwillige mündliche Matura. Die grüne Jugendsprecherin Barbara Neßler, Klubkollegin von Hamann, hat sich im "Standard" offen für deren Beibehaltung ausgesprochen, weil ein Abgehen davon angesichts der psychischen Situation für Jugendliche in der Coronakrise und dem Leistungsdruck wenig Sinn mache. Sie reagierte damit auf Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP), die sich am Sonntag in der "ZiB2" auf einen verpflichtende mündliche Matura festgelegt hat.

Von außerhalb der türkis-grünen Koalition wird der Druck auf den Bildungsminister im zu Ende gehenden ersten Semester des Schuljahres 2021/22 erhöht. Mit Kärntens Landeshauptmann Kaiser bekommen Schülervertreter und die SPÖ-nahe Aktion kritischer Schüler jetzt namhafte Schützenhilfe. Er hält als Bildungsreferent in der Kärntner Landesregierung das Beibehalten der freiwilligen mündlichen Matura angesichts der anhaltenden Corona-Einschränkungen für vertretbar, meinte Kaiser am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt. Sollte die mündliche Matura trotz allem wieder verpflichtend sein, so müssten die in Aussicht gestellten Erleichterungen so umgesetzt werden, dass sie die Maturanten im Bemühen um einen positiven Abschluss bestmöglich unterstützen.

Erleichterungen beim Stoff bereits fix

Auf die bereits von Bildungsminister Polaschek geplanten Erleichterungen verweist auch die grüne Bildungssprecherin. Das betrifft etwa die Einschränkung der Stoffgebiete um ein Drittel, außerdem sollen nur jene Themen geprüft werden, die im Unterricht auch durchgenommen worden sind.

Nach einem Warnstreik am vergangenen Dienstag hat die AKS für den morgigen Mittwoch einen "Großstreik" angekündigt. Die von der ÖVP-nahen Schülerunion dominierte Bundesschülervertretung mit Susanna Öllinger an der Spitze ist zwar auch heuer für eine freiwillige mündliche Matura. Einen Streik lehnt sie jedoch ab. (ett)