Der Lockdown für Ungeimpfte endet zwar am Montag, nicht aber der Ausschluss dieser Gruppe von Geschäften, Lokalen und Veranstaltungen. Die Bundesregierung will vorerst an der 2G-Regel festhalten, ebenso an den Kontaktbeschränkungen, die alle treffen - der Sperrstunde um 22 Uhr und dem Verbot loser Veranstaltungen von mehr als 25 Personen (etwa Hochzeiten).

Dagegen regt sich nun zunehmend Widerstand. Zum einen kommt er aus der Wirtschaft. Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer, wählte für seine Kritik deftige Worte. Die Sperrstunden-Regelung nannte er "Schnapsidee", die kein anderes Land verfolge. "Aber wir sind da anscheinend die Einzigen, die zum Kontroll- und Einsperrterror neigen", sagte Mahrer.

Die Bundesländer sind in der Frage gespalten, und zwar unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit. Die lautesten Rufe für ein Ende von 2G, einer Aufhebung der Sperrstunde und nach lockereren Regeln für Veranstaltungen kommen aus Tirol, Salzburg und Vorarlberg, wobei Landeshauptmann Markus Wallner derzeit Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz ist. Alles außer 3G am Arbeitsplatz, Impf- und Maskenpflicht sei "zügig zu beseitigen", sagte er.

Risiko von Überlastung durch viele Krankenstände

Während sich Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) ebenfalls diesen Rufen anschloss, ist Steiermarks Landeschef Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zurückhaltender. Er will über Lockerungen vorerst nur "nachdenken". Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) will erst mit Experten einen Stufenplan für Lockerungen erarbeiten. Wien sieht derzeit keinen Anlass für Lockerungen und will erst den weiteren Verlauf beobachten.

Hintergrund der bestehenden Maßnahmen ist, die Zahl der Infektionen zur gleichen Zeit zumindest etwas reduzieren zu können, um zum Beispiel Personalengpässe in der medizinischen Versorgung zu verhindern. Der Epidemiologe Gerald Gartlehner sieht, trotz der Maßnahmen, ein "unkontrolliertes Infektionsgeschehen". "Die Maßnahmen reduzieren die Höhe der Welle, aber werden sie etwas in die Breite ziehen." Dennoch sei es sinnvoll, die Maßnahmen zu behalten, um das Risiko von medizinischen Versorgungsproblemen zu reduzieren. Anders als bei bisherigen Infektionswellen könnte in den Spitälern dieses Mal nicht die gestiegene Nachfrage, sondern das durch zu viele Krankenstände verringerte Angebot zum Problem werden.

Thomas Czypionka vom IHS sieht in ganz Europa derzeit eine fehlerhafte Interpretation und Kommunikation der Herausforderungen durch Omikron. Auch er hält die Lockerungsdebatten für verfehlt. Allerdings sind diese oder bereits tatsächliche Öffnungsschritte kein österreichisches Unikum. In Dänemark steigen die Fallzahlen nach wie vor beträchtlich. In Großbritannien ist nach einem Absinken nun wieder eine Stagnation eingetreten: Trotz des milderen Verlaufs sind in der Omikron-Welle auf der Insel in nur einem Monat mehr als 10.000 Menschen am Coronavirus gestorben. Auch Dänemark registrierte zuletzt eine "deutliche Übersterblichkeit" bei Personen über 75 Jahren.(sir/apa)