Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) wird als Vorsitzender des ÖVP-Untersuchungsausschusses für die Freiheitlichen zunehmend untragbar. Grund dafür sind die öffentlich gemacht wordenen Chats seines Kabinettschefs Michael Kloibmüller, in denen von Interventionslisten die Rede ist. Sobotka war früher Innenminister. "Wenn Sobotka Vorsitzender ist, dann macht man den berühmten Bock zum Gärtner", meinte der FPÖ-Fraktionsführer im U-Ausschuss, Christian Hafenecker, am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Die Nachrichten aus dem Handy Kloibmüllers sollen illegal abgesaugt worden sein: Nachdem bei einem Kabinettsausflug im Jahr 2017 sein Handy im Wasser gelandet war, übergab es der damalige Referent Michael Takacs zur Reparatur an einen IT-Experten im Verfassungsschutz. Dieser soll laut Staatsanwaltschaft Wien eine Kopie des Smartphone-Inhalts angefertigt und diese verbreitet haben. Jetzt, rund um den ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss, kursieren zahlreiche Chats aus Kloibmüllers Handy.

Bereits im vergangenen Ibiza-Untersuchungsausschuss war Sobotka als Vorsitzender umstritten, war er doch selbst Auskunftsperson. Nach der Veröffentlichung der Chats auf Kloibmüllers Handy verschärfen die Freiheitlichen ihre Kritik am erneuten Vorsitz durch den Nationalratspräsidenten. Die Unterhaltung zeige etwa die Beunruhigung einer Referentin darüber, dass am Server der Kabinettsmitarbeiter "unter Herr Bundesminister Sobotka eine Liste liegt, die Interventionen heißt und noch dazu alle Interventionen mit Stand anführt".

"Interventionsliste" im Visier

"Mich würde schon interessieren, ob auch diese Interventionsliste einmal den Weg in den Untersuchungsausschuss findet", fragt sich nun Hafenecker. Er will auch wissen, wie lange es noch dauert, bis die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft analog zu ÖVP-Klubobmann August Wöginger ein Auslieferungsbegehren Sobotka betreffend stellt.

Die Chats sind laut "Salzburger Nachrichten" auch der Grund dafür, dass die Opposition die Protokolle des früheren U-Ausschusses zum Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) noch einmal durchforstet, ob es dort doch zu einer Falschaussage Sobotkas gekommen sein könnte. Dort war er als ehemaliger Innenminister zu parteipolitischen Postenbesetzungen bei der Polizei befragt worden. Laut Hafenecker müsse man sich dies noch einmal anschauen, sollte die Staatsanwaltschaft nicht von selbst tätig werden. (apa)