Die Zahlen sind erschreckend: Durch die Corona-Krise kämpfen mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Österreich an depressiven Sympromen, sechs von zehn haben Essstörungen, 47 Prozent leiden an Schlafstörungen. Und rund jeder sechste junge Mensch hat wiederkehrende suizidale Gedanken. Nun werde der erste Schritt zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie für junge Menschen gesetzt und der Zugang zur Psychotherapie für sie vereinfacht, sagte Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) bei der Präsentation des Projekts am Freitag.


Bereits im Juli 2021 hatte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) angekündigt, dass die Regierung bis Ende 2022 einmalig 13 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Davon fließen 12,2 Millionen Euro an das Projekt "Gesund aus der Krise". 800.000 Euro gehen an die Arbeitsgemeinschaft Frauengesundheitszentren, "damit die psychologische und psychotherapeutische Behandlung für Mädchen und junge Frauen verbessert wird", erläuterte Mückstein.

Plakolm: Es brennt an "allen Ecken und Enden"

Bereits im Vorfeld zur Präsentation des Projekts sagte Hedwig Wölfl, Leiterin von "Die Möwe" und Vizepräsidentin der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, zur "Wiener Zeitung", dass eine einmalig zur Verfügung gestellte Summe zwar begrüßenswert sei, die Problematik aber nicht an der Wurzel bekämpfe. "Die pandemiebedingten Probleme treten außerdem oft verzögert auf", sagt Wölfl zur "Wiener Zeitung". "Die Kinder und Jugendlichen bräuchten allein schon deshalb langfristige Hilfe."

Plakolm betonte am Freitag, dass es in der psychischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen "an allen Ecken und Enden" brenne. "Mit dem Paket beginnen wir an einem Ende zu löschen, nämlich konkret im Bereich des Zugangs zur Psychotherapie für junge Menschen bis 21 Jahre, indem wir einen One-Stop-Shop schaffen, der von der Erstberatung bis zur tatsächlichen Therapie jungen Menschen hilft." Diese müssten sich weder selbst um einen Therapieplatz umschauen, noch um Kostenerstattung kümmern, Hilfe soll schnell und unkompliziert erfolgen. Es werde eine einzige Hotline geben, von der man an die Beratungs- und Behandlungsstellen weiter verwiesen wird, ergänzte Mückstein.

Start Ende März

Dabei wird mit den Schulpsychologinnen und -psychologen, mit dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie und mit dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen zusammengearbeitet (BÖP). BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger erklärte, dass in einem ersten Schritt rund 7.500 Burschen und Mädchen bis zu einem Alter von 22 Jahren betreut würden - und zwar in einem Ausmaß von 15-plus-Stunden in Einzel- und Gruppentherapie, flächendeckend in ganz Österreich sowie von Experten unter Qualitätssicherung durchgeführt. Geplant sei der Start mit Ende März. Der BÖP agiere als Service- und Ansprechstelle für das ganze Netzwerk der Kinderpsychiater, Jugendeinrichtungen, Schulpsychologen etc., aber auch für Einzelpersonen. Die Betroffenen erhalten danach einen Behandlungsgutschein.

Besonders freute die Expertin an der Aktion, dass erstmals psychische und physische Gesundheit gleichgestellt würden. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, ergänzte: "Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit." (bs)