In Oberösterreich und der Steiermark geht es für die Schüler in die Semesterferien. In Wien und Niederösterreich und in den anderen Bundesländern steht hingegen ab Montag die nächste Änderung der Corona-Maßnahmen bevor: Nach den Pflichtschulen fällt auch für Schülerinnen und Schüler an höheren Schulen die Maskenpflicht am Sitzplatz. Diese Vorgabe von Bildungsminister Martin Polaschek löst bei Direktoren wegen der weiter hohen Infektionszahlen Unverständnis aus. "Die Virologen sagen uns, dass Masken ein sehr guter Schutz sind", betont Franz Reithuber, Sprecher der BHS-Direktoren von der HTL Steyr.

Er nimmt damit Bezug darauf, dass selbst Gesundheitsexperten aus dem Krisentab Gecko auf Distanz zum Wegfall der Maskenpflicht ab 21. Februar gegangen sind. Gemeinsam mit der Sprecherin der AHS-Direktoren, Isabella Zins, vom BORG Mistelbach, warnt er, dass mit dem Ende der Maskenpflicht im Unterricht mit mehr Erkrankungen bei Schülern, Krankenständen bei Lehrern und damit einem "löchrigen Stundenplan" zu rechnen sei. Denn in einem Schuljahr, das ohnehin vom Corona-Krisenmodus diktiert ist, bedeute das eine zusätzliche Belastung. Man sollte daher warten, bis die Zahl der Infektionen tatsächlich zurückgehe.

Wochenweise Maskenpflicht bei vielen Fällen möglich

Grundsätzlich besteht, wie in der Wiener Bildungsdirektion erläutert wird, die Möglichkeit, dass Schuldirektoren bei hohen Infektionszahlen eine Maskenpflicht verhängen. Die Schulleitung könne das jeweils wochenweise für Klassen oder die Schule anordnen, am besten nach Rücksprache mit dem Schulgemeinschaftsausschuss und dem jeweiligen Schulqualitätsmanager, dem früheren Schulinspektor. Trete ein Infektionsfall in einer Klasse auf, gelte laut Bildungsdirektion in dieser für fünf Tage Maskenpflicht.

Die Direktorenvertreter wollen für das Tragen der Masken dennoch allgemeine Vorgaben. "Einheitliche Regeln und organisatorische Ruhe sind Voraussetzungen für einen geordneten Schulbetrieb", betont Reithuber. Die alleinige Verantwortung will man nicht tragen. Schon jetzt gebe es genügend Briefe und sogar Klagen, weil manche Eltern ihre Kinder gefährdet sehen, während andere Lockerungen fordern. "Bei uns schlägt die Spaltung der Gesellschaft auf", beschreibt er die angespannte Situation.

Für Unsicherheit sorgt außerdem, dass die Sicherheitsphase in den Schulen noch bis 28. Februar gilt. Eltern können ihre Schulkinder ohne ärztliches Attest statt dem Präsenzunterricht daheim lassen. Wie es weitergeht, war bis zuletzt unklar.

Wunsch nach flexibler Lösung im Unterricht

In Pflichtschulen, wie Volks- und Mittelschulen, ist die Maskenpflicht für Schüler bereits seit dieser Woche aufgehoben. Der oberster Vertreter der Wiener Pflichtschullehrer, Thomas Krebs, spricht von einer "ein bisschen gemischten Situation". Es gebe einerseits "ein gewisses Maß an Erleichterung", andererseits setze man die Gesundheit damit aufs Spiel. Lehrergewerkschafter haben auch schon ihr Unverständnis geäußert, weil Lehrer weiter Maske tragen müssen. Krebs würde sich Flexibilität im Unterricht wünschen: in bestimmten Settings solle von Lehrern das Abnehmen oder Maskentragen angeordnet werden können.

In den Wiener Schulen kommt es ab Montag noch zu einer weiteren Lockerung der Corona-Regeln: Geimpfte und von der Omikron-Variante genesene Kinder können dann auch im Falle mehrerer Infektionsfälle in einer Klasse die Schule weiter besuchen. Die anderen Bundesländer machen dabei vorerst nicht mit.

Eine Volksschuldirektorin meinte dazu, ihr persönlich sei das vor allem aus pädagogischer Sicht lieber, wenn sie Klassen nicht schließen müsse: "Die Kinder verlieren viel zu viel den Anschluss." Außerdem gebe es seit den Semesterferien schon viele genesene Schüler. Die Belastung bleibt allerdings groß: "Die ganze Corona-Phase ist ein enormer bürokratischer Aufwand."