Es soll ein weiterer Schritt zurück zur Normalität sein: Ab Montag gilt wieder die Präsenzpflicht an den Schulen. Das hat Bildungsminister Martin Polaschek - derzeit nach einem positiven Corona-Test am Samstag noch im Homeoffice - in einer Aussendung angekündigt. Auch dieser Schritt erfolgt, wie das Ende der Maskenpflicht, mitten in der Omikron-Welle mit täglich hohen Infektionszahlen.

Franz Dvoran, Direktor des Gymnasiums Borg 3 im Wiener Bezirk Landstraße, ist froh über die Rückkehr der Anwesenheitspflicht. "Manche Oberstufenschüler haben die Möglichkeit, ohne Begründung zu Hause zu bleiben, zu stark ausgenutzt." Vor allem das tageweise Fernbleiben - "Heute fürchte ich mich, morgen nicht" - sei sehr störend gewesen. Da es kein Recht auf Heimunterricht gibt, muss der Lernstoff in diesem Fall selbständig über die elektronischen Plattformen nachgeholt werden. Dadurch sei es vor allem bei jenen Schülerinnen und Schülern zu Lernrückständen gekommen, die oft die Befreiungsmöglichkeit in Anspruch genommen hätten.

Markus, 18, Schüler der HTL Spengergasse im 5. Wiener Gemeindebezirk, hat diese Möglichkeit seit der Einführung mit dem Beginn des vorigen Lockdowns am 22. November 2021 fast durchgängig in Anspruch genommen - wie auch rund die Hälfte seiner Klassenkollegen. In der Informatik-HTL bieten zwar die meisten Lehrer die Möglichkeit an, den Unterricht von zu Hause mitzuverfolgen. Doch auch er hat bemerkt, dass er zu Hause "nicht so produktiv" war.

Die Direktorin einer Mittelschule im 10. Bezirk in Wien sagte zur "Wiener Zeitung", dass prinzipiell keines der Kinder an ihrer Schule nach dem Lockdown die Möglichkeit des Fernbleibens ohne ärztlichem Attest in Anspruch genommen hätte. Auch eine Blitzumfrage im persönlichen Umfeld der Redakteure der "Wiener Zeitung" zeigte, dass die meisten Kinder, wann immer möglich, in den Schulen waren. Zahlen dazu, wie viele Schülerinnen und Schüler das Aussetzen der Präsenzpflicht genutzt haben, gibt es laut der Wiener Bildungsdirektion aber nicht. Man könne nicht unterscheiden, aus welchem Gründen die Schülerinnen und Schüler fehlten.

Länder entscheiden wieder über Klassenschließungen

Eine weitere Änderung betrifft die Regelung, ab wann Klassen in den Distanz-Unterricht geschickt werden. Derzeit wird ab dem zweiten Corona-Fall innerhalb von drei Tagen die gesamte Klasse für fünf Tage zu Hause unterrichtet. Ab kommendem Montag entscheidet wieder die Gesundheitsbehörde des jeweiligen Bundeslandes über das weitere Vorgehen bei positiven Testergebnissen.

In Wien sind die Schulregeln schon seit vergangenem Montag etwas anders: Geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler können im Präsenzunterricht bleiben. In ihrer Schule, berichtet die Direktorin der Mittelschule, gebe es Klassen, in denen in so einem Fall drei Kinder in der Schule wären und der Rest - ohne Unterricht, nur ausgestattet mit Lernpaketen über die elektronischen Plattformen - zu Hause: "Die Kinder sind sich selbst überlassen." Von der Bildungsdirektion heißt es dazu, dass die Schulen standortspezifische Lösungen finden können, indem zum Beispiel Klassen zusammengelegt oder Kinder in den Parallelklassen betreut werden können.

Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger von der ÖVP-nahen Schülerunion und Christoph Drexler vom Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV) sagten am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal", dass die ausgesetzte Schulpflicht vor allem für jene, die mit Risikopersonen den Haushalt teilen oder selbst Vorerkrankungen haben, eine Erleichterung gewesen sei. Öllinger hätte die Schulpflicht deshalb gerne noch bis Ostern ausgesetzt, Drexler plädiert nun für Online-Unterricht für vulnerable Kinder. Vom Ministerium wurden gegenüber Ö1 noch Ausnahmeregelungen für diese Gruppe angekündigt.

Während die Pflicht zum dreimaligen Testen pro Woche und zur Maske außerhalb des Unterrichts aufrecht bleiben, dürfen ab der nächsten Schulwoche, mit dem Ende der Semesterferien in Oberösterreich und der Steiermark, auch externe Personen wie Trainer von Sportvereinen, Lese-Omas oder auch Zeitzeugen, wieder an die Schulen kommen. Eine Woche später, am 5. März, fällt die Maskenpflicht für genesene und geimpfte Pädagogen.